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Marburg Professor Börne als Sänger zum Anfassen
Marburg Professor Börne als Sänger zum Anfassen
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20:55 17.07.2022
Jan Josef Liefes neben Gitarrist Jens Nickel. Keyboarder Gunter Papperitz hat sogar mit frisch gebrochenem Handgelenk gespielt.  
Jan Josef Liefes neben Gitarrist Jens Nickel. Keyboarder Gunter Papperitz hat sogar mit frisch gebrochenem Handgelenk gespielt.   Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Als Professor Dr. Dr. Karl-Friedrich Börne wirkt Jan Josef Liefers im „Tatort“ stets ein wenig unnahbar, bringt Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) und seine Assistentin „Alberich“ (Christine Ursprung) oft zur Weißglut. Auf der Konzertbühne gibt sich Liefers ganz anders, nahbar, ein Star zum Anfassen, der immer wieder Kontakt zu seinem Publikum sucht und sich unter die Menschen vor der Bühne mischt.

Rund 1 300 Fans waren am Samstagabend auf die Freilichtbühne gepilgert, um den „Tatort“-Star Liefers bei den 1. Marburger Sommernächten live als Sänger zu erleben. Liefers ist einer von vielen Schauspielerinnen und Schauspielern, die sich mit Musik ein Zubrot verdienen oder ganz einfach Spaß daran haben: Johnny Depp, Kevin Costner, Justin Timberlake, Jack Black, Selena Gomez und Miley Cyrus, um nur einige zu nennen. Manche sind schauspielernde Sänger, andere singende Schauspieler. Liefers gehört in letztere Kategorie – auch wenn er auf der Freilichtbühne kokettiert: „Wie einige von euch wissen, habe ich noch einen Nebenberuf, ich drehe auch Filme.“

Radio Doria ist Liefers’ Zweitfamilie

Radio Doria ist so etwas wie seine Zweitfamilie. Die Band gibt es seit mehr als 20 Jahren. Jens Nickel (Gitarre), Timon Fenner (Schlagzeug), Christian Adameit (Bass) und Gunter Papperitz (Tasteninstrumente) sind keine angestellten Tourmusiker von Liefers, sondern Freunde. Und das merkt man. Sie verstehen sich blind. Und Freunde lässt man nicht hängen auf der ersten Tournee nach zwei Corona-Jahren. Gunter Papperitz etwa hatte sich zwei Tage vor dem Konzert ein Handgelenk gebrochen. Absagen? Kommt nicht infrage, da spielt er eben einhändig.

Die Musik von Radio Doria könnte man als Liedermacher-Pop bezeichnen. Sie hat wenige Ecken und Kanten, wichtig sind Liefers die Texte. Es geht um Freundschaft, um Liebe, um Vertrauen, um Kinder, die erwachsen werden. Liefers weiß, wovon er singt: Er ist vierfacher Vater mit Kindern in der Pubertät: „Ich sage nur: Hauptgewinn.“ Das Publikum lacht, fast alle sind selber Eltern, wissen, wovon er spricht.

Jeden Song moderiert Liefers sympathisch an

Jeden Song moderiert Liefers sympathisch an. Mit Witzen wie: „Riechst du das auch?“, fragt er den Bassisten Adameit. „Ja, was is’n das?“ „Weiß nich, irgendwas Illegales.“ Oder über den Kellner im Restaurant: „Hey, du wärst besser Gast geworden.“ Oder über den Besuch eines Menschen bei einem Superreichen, der feststellt: „Ich habe etwas, was du nicht hast: genug.“

Liefers besingt die „Welt, wie sie niemals war“ und die lähmende Angst, „die uns klein macht“. Er erinnert an die Flüchtlingskrise und – fast ein wenig beschämt – an die Corona-Pandemie, in der er sich im Frühjahr mit vielen anderen Künstlerinnen und Künstlern unter dem Hashtag #allesdichtmachen über die Corona-Maßnahmen mokiert hatte. Nach einem Besuch auf einer Corona-Intensivstation relativierte er seine Aussagen: „Alle Covid-Patienten hier auf Intensiv waren schwer erkrankt, dem Tod näher als dem Leben. Alle jung, von 28 bis 48 Jahre alt. Alle ungeimpft“, schrieb der 57-Jährige im Herbst 2021 in der „Bild“.

Die Fans haben ihm das längst verziehen. Sie feiern ihren Star und die Band am Ende mit Standing Ovations. Und Bassist Adameit offenbart sogar seine Marburg-Vergangenheit: Vor 20 Jahren habe er zweieinhalb Jahre in Marburg gelebt.

Von Uwe Badouin

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