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Marburg Heute bleibt die Uni schmutzig
Marburg Heute bleibt die Uni schmutzig
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08:51 17.10.2019
„Respect for Cleaners“ – also „Respekt für Reinigungskräfte“ forderten die Teilnehmer einer ­Demonstration Ende September in Leipzig. Quelle: Sebastian Willnow/dpa
Marburg

Wie die Gewerkschaft IG BAU am Dienstag mitteilte,­ werden in Marburg das Amtsgericht und die Universität auf den Lahnbergen nicht geputzt.

An den Warnstreiks werden sich nach Angaben der Gewerkschaft Gebäudereinigerinnen, Glas- und ­
Industriereiniger beteiligen.

Mit ihrem Ausstand wollen die streikenden Reinigungskräfte ab dem frühen Mittwochmorgen den Druck auf die Arbeitgeber in der laufenden Tarifrunde erhöhen. Denn: Die Verhandlungen über einen neuen Rahmentarifvertrag für das Gebäudereiniger-Handwerk sind laut Gewerkschaft festgefahren.

Streiklokale in Frankfurt und Gießen

Doch nicht nur in Marburg wird am Mittwoch gestreikt: Die Reinigungskräfte legen die ­Arbeit unter anderem auch am Frankfurter Flughafen oder der ­U-Bahn in Frankfurt nieder. Zu den hessischen „Warnstreik-Hotspots“ gehören ebenso das Polizeipräsidium Mittelhessen, das Studentenwerk Unterhof und die Mittelhessischen Wasserwerke in Gießen. Ebenso das Canon-Werk Gießen und die Einkaufszentren „Neustädter Tor“ in Gießen und „Herkules“ in Wetzlar.

Laut Gewerkschaft werden die Gebäudereiniger lautstark und in Berufskleidung auf ihre ­Situation aufmerksam machen: In zwei hessischen Streikzentralen kommen die Reinigungskräfte am Mittwoch zusammen. Streiklokale werden das DGB-Haus in Frankfurt und das DGB-Haus in Gießen sein.

Reinigungskräfte fordern Anerkennung

„In den Streiklokalen werden Dutzende von Gebäudereinigerinnen, Glas- und Industriereinigern auf sich aufmerksam machen. Sie sind die, die frühmorgens, spätabends und auch nachts den Job machen, ohne den das Leben nicht funktionieren würde: Sie halten Hessen sauber“, sagt Klaus-Dieter Körner, stellvertretender Leiter der IG BAU-Region Hessen.

Jeder sehe die Arbeit der Reinigungskräfte, „aber kaum einer sieht die Menschen, die diese Arbeit machen. Sie bleiben anonym, und immer mehr von ihnen werden obendrein auch noch von ihren Arbeitgebern mit geänderten Arbeitsverträgen über den Tisch gezogen – mit Abschlägen beim Lohn und beim Urlaub“, so Körner.

Rahmentarifvertrag 
statt „Wildwestmanier“

Er fordert dringend einen Rahmentarifvertrag, „der die wichtigen Sachen – von Lohn-Zuschlägen bis zum Urlaub – für alle verbindlich regelt“. Und: Mit der „wachsenden Wildwestmanier in der Gebäudereinigung muss Schluss sein“.

Die Tarifverhandlungen für die rund 650.000 Gebäudereiniger in Deutschland waren Anfang des Monats erneut ergebnislos unterbrochen worden. Die IG BAU hatte seither bereits mehrfach zu Warnstreiks aufgerufen, unter anderem an mehreren Flughäfen. Gewerkschafts-Vorstandsmitglied Ulrike Laux kündigte zudem neue Warnstreiks an, um in der Handwerksbranche doch noch ein Weihnachtsgeld im Manteltarifvertrag zu verankern.

An diesem Punkt waren die Verhandlungen abgebrochen worden, ohne dass die Parteien einen neuen Termin festgelegt hätten. Das bestätigten beide Seiten.

Zugeständnis für Teilzeitkräfte

Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Christian Kloevekorn, kritisierte die Forderung nach einem Weihnachtsgeld, die in der Lohnrunde im kommenden Jahr besprochen werden müsse. „Diese Themenvermengung ist und bleibt Haupthindernis auf dem Weg zu ­
einem Tarifabschluss“, erklärte er nach dem Abbruch der Verhandlungen. Die Arbeitgeber seien auf viele Forderungen der Gewerkschaft beispielsweise bei Urlaub, Zuschlägen und Eingruppierungen eingegangen.

Überstundenzuschläge wolle­ man nun auch an Teilzeitkräfte­ zahlen, wenn diese mehr als acht Stunden am Tag arbeiten. Bislang sollten die Zuschläge allein Vollzeitbeschäftigten zugestanden werden, was aber gegen die Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts verstößt.
Gewerkschafterin Laux zeigte sich enttäuscht vom Verlauf der Gespräche und hielt ihrerseits der Bundesinnung eine Blockadehaltung vor.

von Andreas Schmidt 
und unserer Agentur