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Marburg Architektonische Schätze im Landkreis
Marburg Architektonische Schätze im Landkreis
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13:30 06.09.2019
Das historische Herrenhaus von 1751 in Fronhausen steht für die Besucher offen. Quelle: Privatfoto
Marburg

Rund 8 000 historische Baudenkmale, Parks oder archäologische Stätten sind Teil von Deutschlands größter Kulturveranstaltung. Nicht zuletzt anlässlich des 100-jährigen Bauhausjubiläums steht der Tag des offenen Denkmals ­unter dem Motto: „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“.

Kirchen, Kapellen, Burgen – dazu Einrichtungen wie das Erwin-Piscator-Haus, die Gerling-Sternwarte oder der historische Studentenkarzer. Wer nicht weit fahren will, kann im Landkreis am „Tag des offenen Denkmals“ sehr viel erleben und sehen. Darum geht es auch an diesem Tag, an dem viele Ehrenamtliche kostenlose Führungen anbieten an Orten, die sonst nur schwer oder auch gar nicht ­öffentlich zugänglich sind oder wo es sonst nicht regelmäßige Führungen gibt, etwa auf dem Christenberg, im Alten Rathaus in Buchenau oder dem Tagelöhnerhaus in Amöneburg.

  •  Das Hinterlandmuseum im kreiseigenen Schloss in Biedenkopf beteiligt sich an diesem Aktionstag mit freiem Museumseintritt und einer Führung durch die Dauerausstellung und die aktuelle Sonderausstellung „Im Hinterland – Tod und Trauer früher“. Das Hinterlandmuseum ist von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Die Führung beginnt um 15 Uhr, Treffpunkt ist im Schlosshof.
  • In Fronhausen können die historischen Gebäude der Fronhäuser Vogtei mit Wasserburg aus dem 13. Jahrhundert, ein Herrenhaus von 1751, der Kavaliersbau von 1909 sowie der Gutspark von 1880 nach Heinrich Siesmayer besichtigt werden. Das Anwesen ist der Familiensitz der althessischen Adelsfamilie der Freiherren Schenk zu Schweinsberg ehemals Vögte. Die Öffnungszeit ist von 10 bis 16 Uhr, Führungen beginnen um 10, 12 und 14 Uhr; ab 12 Uhr gibt es Schmalzbrote, Kaffee und Kuchen im ehemaligen Kuhstall.
  • Die Alte Kirche in Bürgeln ist von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Ab 14.30 Uhr gibt es Swing mit der Marburg Jazz Connection im Kirchgarten. Um das denkmalgeschützte Gebäude vor dem Abriss zu retten, wurde die Kirche 1984 vom Förderkreis Alte­ Kirchen Marburg erworben. Seither finden dort regelmäßig Kulturveranstaltungen statt. Jetziger Eigentümer ist der Kulturverein Alte Kirche Bürgeln. Führungen werden nach Bedarf von Bettina Heiland und Dr. Kurt Bunke durchgeführt.
  • Am Tag des offenen Denkmals ist die Ausstellung „Raum-Resonanzen – Eine visuelle Meditation“ mit Fotos der Künstlerin Barbara Wolf aus Salzböden letztmals zu sehen. Gegen 16 Uhr wird die Ausstellung mit Rezitationen der Künstlerin aus der Autobiographie der Holocaust-Überlebenden Etty Hillesum und musikalischen Beiträgen von Fredrik Vahle (Gitarre) und Georgi Kalaodjiev (Violine) sowie dem Trio Santiago (Katharina Fendel, Faleh Khaless und Johannes Treml) beschlossen. Die Synagoge ist von 11 Uhr bis um 17 Uhr geöffnet. Die Mitglieder des Arbeitskreises Landsynagoge Roth bieten Führungen an. Es gibt Kaffee, Getränke und Kuchen.

Hintergrund

Der Tag des offenen Denkmals ist die größte Kulturveranstaltung Deutschlands. Seit 1993 wird sie von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), die unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten steht, bundesweit koordiniert. Die DSD ist für das Konzept des Aktionstags verantwortlich, legt das jährliche Motto fest und stellt das Online-Programm zur Verfügung.
Vielerorts stehen revolutionäre Ideen oder der technische Fortschritt, die ein Denkmal ausmachen, im Fokus. Denn was heute als alt erscheint, war nicht immer alt: „Viele Denkmale, die uns heute selbstverständlich erscheinen, waren zu ihrer Entstehungszeit modern und revolutionär. Ihre Spuren möchten wir gemeinsam am Tag des offenen Denkmals entdecken“, freut sich Dr. Skudelny, Vorstand der DSD. Der Tag des offenen Denkmals ist der deutsche Beitrag zu den European Heritage Days.

  • Passend zum Thema werden in Marburg die durch das Bauhaus beeinflussten parallelen wie auch nachfolgenden Architektur- und Kunstströmungen der 1920er-Jahre beleuchtet. In direkter räumlicher Nähe können Interessierte an Führungen im Alten Botanischen Garten, im Kunstmuseum und, als Vertreter zeitgenössischer Interpretation, im Erwin-Piscator-Haus (EPH) teilnehmen.
  • Auch diesmal werden wieder Familienführungen zu Emil von Behring angeboten. Die Route führt vom Geschäftshaus der Behringwerke (Ketzerbach 11) über die Behring-Villa (Wilhelm-Roser-Straße 2) zum Behring-Mausoleum. Bei der Führung wird viel Neues und Interessantes über Emil von Behring und die Geschichte der Behringwerke erklärt und besonders für Kinder anschaulich präsentiert. Die Führungen beginnen um 14 und 16 Uhr. Treffpunkt: Ecke Pilgrimstein, Behring-Büste, ­Pilgrimstein 2.
  • Katten’s Hoob in Rauschenberg ist Kulturdenkmal und zugleich eines der ältesten noch bestehenden jüdischen Anwesen in Hessen. Der Fachwerkbau aus dem 14. Jahrhundert und das romanische Kellergewölbe wurden nach jahrelanger Restaurierung 2013 mit dem Denkmalschutzpreis des Landkreises Marburg-Biedenkopf ausgezeichnet. Der Hof ist geöffnet von 10 bis 18 Uhr. Zu sehen sind historische Gusseisen-Ofenplatten von der Früh- bis Spätrenaissance, Gewölbekeller mit frühromanischen Stichbögen sowie antike Möbel vom Manierismus bis zur Spätrenaissance.
  • Der Bremerschhof in Nieder­walgern öffnet erstmals seine­ Türen mit einer Ausstellung zum Thema Wohnen, Leben und ­Arbeiten auf dem Land. ­Gezeigt werden Arbeits- und Gebrauchsgegenstände der vergangenen 200 Jahre. Das Projekt wird unterstützt vom Geschichtsverein Weimar und den Landtechnikfreunden Niederwalgern. Die Ausstellung ist von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Führungen bietet Hans Heinrich Heuser an.

Das vollständige Programm gibt es unter www.tag-des-­offenen-denkmals.de im Internet. Praktisch ist der Merkzettel, mit dem sich Besucher ihre individuelle Denkmalroute zusammenstellen können. Für alle, die unterwegs lieber zum Smartphone greifen, gibt es eine kostenlose App.

von Carolin Acker