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Marburg Hände-Hygiene hilft auch Helfern
Marburg Hände-Hygiene hilft auch Helfern
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09:00 05.05.2021
Stefanie Thiel von der Abteilung für Krankenhaushygiene demonstriert das richtige Desinfizieren der Hände.
Stefanie Thiel von der Abteilung für Krankenhaushygiene demonstriert das richtige Desinfizieren der Hände. Quelle: Manfred Hitzeroth
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Marburg

Am heutigen Mittwoch ist Welthändehygienetag. Dieser Tag findet jedes Jahr immer am 5. Mai statt. Das Datum ist deswegen besonders leicht zu merken und mit den Händen zu verbinden, weil es für die jeweils fünf Finger an beiden Händen steht, erläutert der Marburger Hygiene-Professor Frank Günther.

In Günthers Zuständigkeit fällt am Marburger Uni-Klinikum das weite Feld der Krankenhaushygiene. Das Desinfizieren und richtige Waschen steht spätestens seit dem Start der Corona-Pandemie im März vergangenen Jahres auch im Fokus der allgemeinen Öffentlichkeit. Das möglichst regelmäßige und ausreichend lange Waschen der Hände gehört mit zu den grundlegenden Hygiene-Vorgaben, die Corona mit sich gebracht hat. „Corona hat das Bewusstsein für Hygienemaßnahmen in der Bevölkerung erhöht“, bilanziert der Marburger Medizin-Professor. Allerdings treibe es teilweise schon skurrile Blüten, wenn von manchen Menschen alles Mögliche desinfiziert werde.

„Am Anfang gab es eine deutliche Zunahme bei der Desinfektion der Händedesinfektion“, berichtet Professor Günther über die Auswirkungen der Corona-Vorgaben für die Händehygiene. Nach einiger Zeit sei allerdings ein etwas rückläufiger Trend zu beobachten. „Der innere Druck, das umzusetzen, lässt auf Dauer ein wenig nach“, erläutert Günther und meint damit vor allem das Händewaschen und Desinfizieren im privaten Bereich. Der Hygiene-Experte des Klinikums geht allerdings davon aus, dass im Marburger Großkrankenhaus die Hand-Hygiene weiterhin von den Beschäftigten und Patienten auf gutem Niveau umgesetzt werde. Dabei betont Professor Günther, dass der einwandfreie hygienische Umgang mit den Händen nicht nur in Sachen Coronavirus wichtig sei, sondern auch zur Verhinderung der Ansteckung mit anderen Erkrankungen beitragen könne.

Die Faustregel für den Alltag lautet, dass die Handflächen bis hinunter zu den Handgelenken rund 30 Sekunden lang vollständig mit der Desinfektionsflüssigkeit benetzt werden und feucht gehalten werden. Etwas länger und ausführlicher müsse die Desinfektion schon beim sogenannten „chirurgischen Händewaschen“ erfolgen. Diese Prozedur im Vorfeld und bei der Nachbereitung von Operationen solle dann rund anderthalb Minuten andauern und umfasse auch die Armgelenke bis hin zum Ellenbogen, die dann komplett eingerieben werden sollen. Dieses Vorgehen soll dann auch dafür sorgen, dass die etwaige Keime in den Tiefen der Hautpartien entfernt werden.

Besonders sorgfältige und häufige Hand-Desinfektion müsse auch beim Patientenkontakt in der Klinik erfolgen. Weil medizinisches Personal deswegen bis zu 100 mal pro Tag die Hände reinigen müsse, wird für die Klinik-Mitarbeiter auch nicht die Verwendung von Seife empfohlen, sondern spezielle Waschlotionen sind das Mittel der Wahl. „In diesen Materialien sind Rückfetter enthalten, die zur Bildung eines Schutzfilms auf der Haut beitragen“, erklärt Professor Günther. So solle das Austrocknen der Hände verhindert werden. Für den Hausgebrauch empfiehlt Professor Günther vor allem, dass man es bei aller Vorsicht in Corona-Zeiten nicht mit dem Händewaschen übertreiben solle. „Es macht keinen Sinn, sich zu oft die Hände zu waschen“. Denn dann könne es im Gegenzug dazu führen, dass die Hände trocken und rissig werden.

Vor und nach dem Einkaufen sowie vor und nach dem Essen: Dieses seien aber schon Gelegenheiten, bei denen die Desinfektion oder das sorgfältige Waschen der Hände im Alltag sinnvoll seien. Unsinnig sei es aber, nach jedem einzelnen Einkaufsartikel, den man im Supermarkt angefasst habe, sich die Hände zu desinfizieren.

Zudem weist Professor Günther darauf hin, dass es zur Minderung des Infektionsrisikos vor allem darauf ankomme, was von den Händen angefasst werde. „Von Viren auf den Händen wird man nicht krank“, betont der Hygiene-Fachmann. Allerdings müsse man genau darauf achten, dann nicht mit den Händen in den Mund zu fassen oder Schleimhäute oder beim Essen Nahrungsmittel zu berühren. Heute startet die Hygiene-Abteilung des Klinikums einen Versuch mit einem mobilen Wagen, bei dem die Hände-Desinfektion durch mit Hilfe eines UV-Fluoreszenz-Versuchs dokumentiert wird (kleines Bild). Wenn man nach dem Desinfizieren die Hände in eine Box steckt, dann kann man anhand dunkler eingefärbter Stellen sehen, welche Partien man beim Reinigen vergessen hat. Und mit einem Hände-Tauch-Experiment können die Mitarbeiter zusätzlich den Grad der Keimzahl und der Anzahl von Mikroorganismen auf der Haut nachweisen, nachdem sie die zuvor desinfizierten Hände in eine Seifenlösung getaucht haben.

Hygienische Händedesinfektion beginnt damit, dass so viel Hände-Desinfektionsmittel in die trockene hohle Hand gegeben wird, sodass alle Areale der Hände reichlich benetzt sind und ausreichend feucht sind. Danach sollte das Mittel sorgfältig eine halbe Minute lang in die Hände eingerieben werden, so dass alle Hautpartien inklusive der Hand-Zwischenräume erfasst sind. Besonders wichtig sind für die Beschäftigten des Klinikums die Desinfektion von Fingerkuppen und Daumen, weil man mit ihnen am häufigsten in direkten Kontakt mit den Patienten oder potenziell verkeimten Oberflächen kommt. Aber auch für die Händedesinfektion insgesamt im Alltag ist dies wichtig, weil sich an den Fingerkuppen, verglichen mit den anderen Handpartien, die höchste Keimdichte befindet.

Von Manfred Hitzeroth

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