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Marburg Der Mai startet mit Demo und Kundgebung
Marburg Der Mai startet mit Demo und Kundgebung
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12:00 25.04.2022
Im vergangenen Jahr hatte die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend nach der Maikundgebung in der Bahnhofstraße einen Demo-Zug durch Marburg organisiert.
Im vergangenen Jahr hatte die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend nach der Maikundgebung in der Bahnhofstraße einen Demo-Zug durch Marburg organisiert. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

„Endlich geht es zum 1. Mai wieder auf die Straße und auf den Marktplatz“, sagt Pit Metz, Vorsitzender des DGB-Kreisverbands. „Aber das Erfreuliche wird durch die Umstände getrübt.“

Für den Gewerkschafter ist klar: „Die sozialen Probleme brennen stärker denn je, wurden durch Corona noch einmal zusätzlich befeuert. Und durch den Krieg in der Ukraine werden sich die sozialen Probleme auch hier bei uns verstärken.“ Das zeige sich beispielsweise schon am Aufnahmestopp der Tafel Marburg – dort gebe es nicht nur einen höheren Zustrom an Kunden. „Viele der Lebensmittel, die sonst an die Tafel gespendet wurden, werden nun in die Ukraine geschickt“, sagt Metz. Selbstverständlich würden sie auch dort dringend benötigt. „Aber dadurch wird der Verteilungskampf auch hier immer härter.“ Dabei sei das „nur ein Symptom der gesamten Erscheinungen“.

„Und das 100 Milliarden Euro schwere Rüstungspaket ist ein Skandal“, sagt Metz. Jahrzehntelang müssten die Kolleginnen und Kollegen beispielsweise im Erziehungsdienst, wo am 4. Mai der nächste Warnstreik ansteht, oder auch am UKGM anhören, es sei kein Geld da. Die „Schwarze Null wurde gehandhabt wie ein Sakrileg, es war nie Geld da“, sagt Metz. „Und plötzlich wird innerhalb einer Woche ein 100-Milliarden-Euro-Programm aus dem Boden gestampft, um die Bewaffnung der Bundeswehr zu modernisieren – das ist ein irres Phänomen.“

Energiepreise und Inflation

Auch Energiepreise und Inflation würden etwaige Gehaltserhöhungen direkt vernichten, „das bekommt ja selbst jeder Normalo mit – da haben wir von den Ärmsten noch nicht gesprochen“. Auch Kurzarbeiter, von denen es immer noch viele gebe, würden immens unter den Anstiegen leiden – „und das selbst, wenn ihnen das Geld auf 80 Prozent aufgestockt wurde“. Darüber hinaus gebe es „so viele Menschen, die mehrere Jobs haben und trotzdem nicht über die Runden kommen“. Der Teufelskreis setze sich dann so weit fort, dass die Zahlungen in die Rentenkasse entsprechend niedrig ausfielen und Altersarmut vorprogrammiert sei. „Dagegen muss dringend etwas passieren.“

Daher passe auch das Motto des Tags der Arbeit: „GeMAInsam Zukunft gestalten“ sehr gut dazu – „die unterschiedlichen Gruppen sollen nicht nur ihre Interessen zeigen, sondern auch Kraft tanken für die anstehenden Kämpfe“. Und Metz freut sich, dass als Hauptredner der Kundgebung auf dem Marktplatz Michael Rudolph, Bezirksvorsitzender des DGB Hessen-Thüringen, nach Marburg kommt: „Das ist ein Hochkaräter.“

Themen: A13 für alle und UKGM

Reden wird beispielsweise auch Christoph Di Fede, Verdi-Vertrauensperson für die pädagogischen Fachkräfte im Betreuungsangebot der Marburger Schulen – um auf die Situation vor dem nächsten Streiktag hinzuweisen: „Die Aufgaben werden immer mehr, die Anzahl der Fachkräfte steigt aber nicht“, fasst er zusammen. „Das merkt man während der Arbeit permanent, wenn wir etwa täglich wechselnde Aushilfskräfte haben, die wir nebenbei einarbeiten sollen – wie soll das gehen?“, fragt er. „Es zeigt sich deutlich, dass es an allen Ecken und Enden fehlt – Kinder und Familien sind die Leidtragenden.“

Marianne Winter von der GEW kämpft für das Thema „A13 für alle“. Gemeint sind die Grundschulkräfte, deren Gehalt eben – anders, als bei Lehrern an anderen Schulen – bei der Stufe A12 beginnt. „Das ist ungerecht, denn wir müssen nicht nur mit den Kindern arbeiten, sondern auch mit den Eltern, um vorwärts zu kommen“, sagt sie – beispielsweise mit Einzelgesprächen.

Schwierig ist auch weiterhin die Situation am UKGM, wie Betriebsrätin Ilona Kraft-Peil verdeutlicht: „Die Personaldecke ist weiterhin so dünn, dass wir immer wieder Dienstpläne ablehnen“, sagt sie. Die würden erst genehmigt, „wenn Betten gesperrt werden – anders geht es nicht“. Zwar seien Stellen ausgeschrieben, „aber die Bewerberlage ist so dünn – der Beruf muss endlich attraktiver gemacht werden“, fordert sie.

Das Programm

Los geht es mit der traditionellen Vormaifeier am 30. April ab 18 Uhr in der Waggonhalle: Dort gibt das „Lumpenpack“ ein Heinrich-Heine-Programm – Karten gibt es beim DGB.

Am 1. Mai ist Treffpunkt um 10 Uhr am Deserteurs-Denkmal in der Frankfurter Straße. Dort gibt es eine Auftakt-Kundgebung, die von der Jugend mitgestaltet wird.

Dann zieht der Demonstrationszug zum Marktplatz – mit einer Zwischenkundgebung am Augustinerbrunnen.

Auf dem Marktplatz gibt es ab 11 Uhr bereits Musik, Essen und Trinken – ab 12 Uhr findet dann die Hauptkundgebung mit Michael Rudolph und weiteren Rednern statt. Danach gibt es das Familienfest, außerdem werden einige Aktionen stattfinden.

Von Andreas Schmidt

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