Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Uni-Bibliothek lahmgelegt
Marburg Uni-Bibliothek lahmgelegt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:58 30.08.2020
Dr. Jürgen Schröder, Leiter des Sachgebiets Lokales Bibliothekssystem, kontrolliert Kabel im Serverraum der Universitätsbibliothek. Quelle: Thorsten Richter
Anzeige
Marburg

Gleich zwei Systemausfälle innerhalb kurzer Zeit gab es seit Mitte letzter Woche in der Marburger Uni-Bibliothek. Sie legten jeweils für mehrere Stunden den kompletten Ausleihbetrieb in der Zentralbibliothek und in den Bereichsbibliotheken lahm. Nachdem beide für die Systemausfälle verantwortlichen Schäden behoben sind, fragte die OP bei der Bibliotheksleitung nach, wie es dazu kommen konnte. „Wir hatten zwei Hardware-Schäden, die eventuell miteinander zusammenhingen“, sagt Tobias Müller-Leile, Leiter der Abteilung „Digitale Dienste“.

Der erste Schaden wurde von Mitarbeitern der Uni-Bibliothek am Dienstag, 18. August, gegen 18 Uhr bemerkt. „Wir hatten eine automatische Fehlermeldung bekommen“, erklärt Müller-Leile. Der Server schaltete sich ab. Alle relevanten Informationen wurden an den Wartungsdienst der Herstellerfirma des Bibliothekssystems gesendet. Vonseiten der Marburger Uni-Bibliothek war dann Dr. Jürgen Schröder dafür verantwortlich, den Schaden möglichst schnell zu beheben.

Anzeige

Es hatte sich beim ersten Ausfall herausgestellt, dass eine Speicherplatine – ein Bestandteil der Hauptplatine des Servers – kaputtgegangen war. „Das ist so etwas wie das Kurzzeitgedächtnis des Systems“, erläutert Müller-Leile. Auf dieser Platte mit einer Fläche von zehn mal zehn Zentimetern ist üblicherweise alles gespeichert, was an laufenden Daten verarbeitet wird. Fällt sie aus, dann kann logischerweise der laufende Betrieb der Bibliothek nicht mehr gewährleistet werden. Der Leiter der Abteilung „Digitale Dienste“ macht deutlich, dass ein Ausfall dieser Größenordnung in der Uni-Bibliothek glücklicherweise etwas Singuläres darstelle. Es könne schon einmal vorkommen, dass das Bibliothekssystem etwas langsamer laufe, aber der letzte mehrstündige Ausfall des Systems habe sich noch in der alten Uni-Bibliothek im Oktober 2017 ereignet.

Die wichtigste Entscheidung, die zunächst zu treffen war, war die über das weitere Vorgehen. „Wir haben zwar einen Ausweich-Server für Notfälle, aber wegen der Komplexität haben wir uns am Abend des 18. August dagegen entschieden, das System auf diesen Server umzustellen“, erläutert Tobias Müller-Leile. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Informationen der IT-Experten der Marburger Uni-Bibliothek noch dahingehend gelautet, dass die Ersatz-Platine am Morgen des 19. August geliefert werden sollte. Doch in den derzeit unsicheren Corona-Zeiten verzögerte sich der für die UB Marburg wichtige Kuriertransport. So traf das wichtige Paket mit der neuen Platine erst am Morgen des 20. August aus Berlin ein und konnte eingebaut werden. Nach mehreren Tests und gewissermaßen einer Prüfung des Systems auf Herz und Nieren kam dann an diesem Tag gegen 15 Uhr wieder das Go für den Normalbetrieb, wie Tobias Müller-Leile berichtet.

Anfang dieser Woche kam es dann aber noch einmal zu einem Ausfall des gesamten Bibliothekssystems. Gegen 13.30 Uhr am Montag ging nichts mehr, erst einen Tag später gegen 11.30 Uhr konnte das System dann wieder hochgefahren werden. Dieses Mal war die Hauptplatine des Servers betroffen. „Darauf sind alle Komponenten des Systems miteinander verbunden“, sagt Müller-Leile. Es handelt sich dabei um die Prozessoren, die Arbeitsspeicher und die Festplattenspeicher.

Möglicherweise hatte der Ausfall der Hauptplatine noch etwas mit dem vorangegangen Ausfall der Speicherplatine zu tun, vermutet Müller-Leile. Jedenfalls wurde nach den Erfahrungen mit dem ersten Vorfall die Entscheidung getroffen, gleich auf den Ersatz-Server umzuschwenken. Doch trotz aller Notfall-Testläufe im Vorfeld verlief auch diese Aktion nicht völlig reibungslos, wie Müller-Leile einräumt. So dauerte sie ein wenig länger als vorgesehen. „Wir werden uns genau anschauen, was da schiefgegangen ist“, erklärt der Chef der Abteilung „Digitale Dienste“.

Glück im Unglück: Der zweimalige Systemausfall traf die Marburger Uni-Bibliothek Ende August – in einer Zeit des Jahres, in der üblicherweise die geringste Nutzerfrequenz zu verzeichnen ist. Zudem war der Betrieb auch nicht völlig lahmgelegt, da der Freihandbereich weiter benutzt werden konnte. Und zumindest der zweite Ausfall fiel Anfang der Woche zufälligerweise zeitlich mit einem längerfristig vorab angesetzten Test des Brandschutzes zusammen, sodass zu diesem Zeitpunkt der Betrieb sowieso nur eingeschränkt vorgesehen war.

„Insgesamt hat unsere Notfall-Strategie sehr gut funktioniert“, zieht Tobias Müller-Leile trotz einiger zeitlicher Verzögerungen in der Reparatur ein letztlich positives Fazit. So seien alle Kollegen in der UB ebenso wie die Nutzer schnell informiert worden. „Die Nutzer hatten viel Verständnis“, berichtet Müller-Leile. „Wir gehen nicht davon aus, dass es noch weitere Systemausfälle dieser Art geben wird“, ergänzt er. Weil in absehbarer Zeit auch die turnusmäßig vorgesehene Anschaffung neuer Server anstehe, bestehe in dieser Hinsicht derzeit auch kein Handlungsdruck.

Von Manfred Hitzeroth