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Marburg Von Forschung bis Chancengleichheit
Marburg Von Forschung bis Chancengleichheit
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10:00 22.10.2021
Im Februar 2019 wurden gleich vier Vizepräsidenten auf einmal gewählt und mit Blumensträußen beglückwünscht. Auf dem Bild sieht man neben Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause (Dritte von links) und Ex-Uni-Kanzler Dr. Friedhelm Nonne (Zweiter von rechts) noch die Vizepräsidenten (von links) Professorin Evelyn Korn, Professor Thomas Nauss, Professor Michael Bölker und Professorin Sabine Pankuweit.
Im Februar 2019 wurden gleich vier Vizepräsidenten auf einmal gewählt und mit Blumensträußen beglückwünscht. Auf dem Bild sieht man neben Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause (Dritte von links) und Ex-Uni-Kanzler Dr. Friedhelm Nonne (Zweiter von rechts) noch die Vizepräsidenten (von links) Professorin Evelyn Korn, Professor Thomas Nauss, Professor Michael Bölker und Professorin Sabine Pankuweit. Quelle: Archivfoto: Tobias Hirsch
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Marburg

Es ist eine Art „Superwahltag“ an der Marburger Universität: Am 8. Dezember steht für alle vier Vizepräsidenten-Posten eine Neuwahl an. Gleichzeitig bietet dieser Termin dem im Juli neu gewählten Marburger Uni-Präsidenten Professor Thomas Nauss die Chance, noch vor seinem Amtsantritt am 18. Februar 2022 ein neues und eigenes Personaltableau vorzulegen. Gleichzeitig nimmt Nauss auch die Gelegenheit wahr, die Ämter neu zuzuschneiden oder in einem Fall sogar grundsätzlich zu ändern.

Noch ist Nauss selber Vizepräsident an der Universität und in dieser Eigenschaft für das Informationsmanagement an der Hochschule verantwortlich. In diesen Posten war er gewählt worden, nachdem sein Vorgänger Professor Joachim Schachtner als Präsident an eine Fachhochschule im Harz gewechselt war. Im kommenden Jahr tritt nun Nauss die Nachfolge von Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause an, die nach zwei sechsjährigen Amtsperioden nicht mehr kandidieren wollte.

Im Gespräch mit der OP erläuterte Nauss, welche grundsätzlichen Vorüberlegungen er für die künftige Präsidiumsarbeit hat. Vor allem drei wichtige Themen sieht er unter dem Stichwort „Vielfalt des Wissens“ für die Hochschule in den kommenden sechs Jahren bis zum Uni-Jubiläum im Jahr 2027.

Spitzenforschung und Bildung

Zum Ersten solle die Philipps-Universität ein „relevantes und individuelles Bildungsangebot“ für Studierende schaffen, damit diese „die Welt von morgen kreativ gestalten können“. Erworben werden solle an der Hochschule künftig noch stärker das Rüstzeug für die Bewältigung von globalen Krisen wie dem Klimawandel.

Zum Zweiten benötige wissenschaftliche Bildung immer auch zusätzlich eine „neugierige Grundlagenforschung“, die ihren Beitrag zu den großen gesellschaftlichen Herausforderungen der Zeit liefern müsse.

Spitzenforschung und Bildung von morgen sei aber zum Dritten auch auf „wissenschaftliche Talente“ und „motivierte Studierende“ angewiesen. Um dieses längst nicht ausgeschöpfte Potenzial noch besser zu erschließen, seien Chancengleichheit, Diversität und Internationalität wichtige Entwicklungsfelder.

Und um diese vier Vizepräsidenten-Ämter geht es am 8. Dezember:

Noch am wenigsten Unterschiede zum bisherigen Amt soll es beim Vize-Präsidium für Forschung geben. Dieses wird momentan vom Marburger Biologie-Professor Michael Bölker geleitet, der aber nach OP-Informationen wohl aus Altersgründen für keine weitere Amtszeit zur Verfügung steht. Das Hauptaugenmerk in dem Ressort soll nach Angaben des künftigen Präsidenten nach wie vor auf der Forschungsförderung an der Uni Marburg liegen. In Zukunft sollen aber gezielt mehr innovative Forschungsverbünde entstehen. Auch sollen Technologie- und Wissenstransfers einen stärkeren Stellenwert haben.

„Chancengleichheit und Karriereentwicklung“: So heißt künftig die bisherige Vizepräsidentenstelle, „Gleichstellung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses“, die derzeit Professorin Sabine Pankuweit aus dem Fachbereich Medizin innehat. Geschlechtergerechtigkeit an der Universität soll weiter ein wichtiger Schwerpunkt bleiben. Hinzu kommen die Förderung der Kreativität aller Menschen an der Universität sowie mehr Diversität und Internationalität.

Umbenannt wird das bisherige Vize-Präsidentenamt für „Studium und Lehre“, das künftig den Titel „Bildung“ haben soll. Neben der Umsetzung der Studienstruktur-Reform soll aber auch der Bildungsaspekt wie beim „Lebenslangen Lernen“ in den Fokus rücken. Ausgebaut werden soll an der Uni der Sektor der wissenschaftlichen Weiterbildung auch für Nicht-Uni-Angehörige.

Bisher ist die Wirtschaftswissenschaftlerin Professorin Evelyn Korn Uni-Vizepräsidentin für Studium und Lehre. Doch sie ist nach OP-Informationen erste Anwärterin auf den neu geschaffenen hauptamtlichen Posten für „Universitätskultur und Qualitätsentwicklung“, für den im Gegensatz zu den anderen drei Stellen eine Ausschreibung erfolgte. Thomas Nauss hatte in seinem Präsidiumswahlkampf stets betont, dass er seine Präsidiumskollegin Korn gerne auf diesem Posten sehen würde. Während die anderen drei Stellen auf jeweils drei Jahre befristet sind, beträgt die Amtszeit für diesen Posten sechs Jahre – genauso lange wie die Präsidenten-Stelle.

„Für was stehen wir eigentlich, und was sind unsere Werte in der Marburger Universität?“ Vor allem um die Entwicklung eines Wir-Gefühls an der Uni soll es in dem neuen Amt gehen, das anstelle des bisher von Nauss bekleideten Vizepräsidenten-Posten für Informationsmanagement geschaffen werden soll. Der Zuschnitt ist aber ganz anders: Neben einer Standortbestimmung geht es auf dem Weg bis zur 500-Jahr-Feier 2027 auch um die Schaffung neuer Treff-, Lern- und Wissensorte.

Für alle vier Posten hat der neue Präsident ein Vorschlagsrecht. Sein Team für den „Superwahltag“ hat Nauss zwar schon beisammen.

Doch mit der öffentlichen Verkündung dieser Namen muss er noch bis Anfang November warten, bis der Hochschulrat dem Vorschlag zugestimmt hat. Dann sollen auch die Hochschulgremien informiert werden

Von Manfred Hitzeroth