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Marburg Suminda lässt die Muskeln spielen
Marburg Suminda lässt die Muskeln spielen
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12:59 20.10.2019
Bodybuilder Suminda Indagodage (38) und sein Trainer Hartmut Schmidt. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Monatelang hat Suminda Indagodage mit Hartmut Schmidt aus Ronhausen gechattet.

Der junge Mann aus Sri Lanka wollte Ernährungs- und Trainingstipps haben.

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Denn er hatte den Bodybuilding-Experten aus Hessen auf einem Wettkampf in Deutschland kennengelernt und es hat quasi sofort gefunkt.

„Wir liegen total auf einer Welle, verstehen uns blind“, sagt Hartmut Schmidt, der kein Wort Singhalesisch spricht und nur ein paar Brocken Englisch. Suminda spricht kein Deutsch und ebenfalls nur wenig Englisch.

„Wir wollen in die Profi-Liga“

„Aber es klappt perfekt“, sagt der Marburger und klatscht mit seinem neuen Freund ab. Der ist sehr dankbar ob der Hilfe, die er seit Anfang des Monats in Marburg bekommt.

Mithilfe von Hartmut Schmidt und dem Underground-Studio konnte Suminda nämlich nach Deutschland kommen. Gleich am ersten Tag starteten die Vorbereitungen für seinen Wettkampf, der am Wochenende in Grevenbroich stattfindet. „Und das ist erst der Anfang“, sagt Motivator Hartmut Schmidt.

„Wir wollen in die Profi-Liga, denn Suminda hat absolut das Zeug dazu“, ist er sich sicher. Er lobt die gute Genetik und vor allem den Ehrgeiz. In Sri Lanka hat Suminda jeden Tag trainiert, nach seiner Arbeit an der Autowaschanlage. Er wusste nichts von guter Ernährung, die beim Muskelaufbau allerdings eine wichtige Rolle spielt. Denn die Möglichkeiten an hochwertiges Essen zu kommen, ist in Sri Lanka sehr schwierig.

Jeden Tag gibt's Hühnchen

Aber der 38-Jährige bekam Unterstützung aus seinem Dorf. Alle sammelten Geld, damit er sich Hühnchenfleisch kaufen konnte, so wie es ihm sein Trainer per Chat geraten hatte. Aber er litt trotzdem oft an Kopfschmerzen. Hier in Deutschland stellte sich dann heraus, dass sein Salzhaushalt nicht in Ordnung war.

Der ist nun okay, die Kopfschmerzen sind weg. Aber Hühnchen gibt es trotzdem jeden Tag – und Hartmut Schmidt macht mit. Er leidet mit Suminda, er kämpft mit Suminda. Und er sorgt für Suminda. Hat ihn bei sich aufgenommen, die Gespräche bei der Ausländerbehörde im Stadtbüro geführt. „Dort haben wir wirklich viel Hilfe erhalten, was die Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung angeht“, berichtet Hartmut Schmidt.

Denn Suminda will in ­Deutschland bleiben, hat sogar schon Aussicht auf einen Job. Matthias Pausch will ihn als Lehrling anstellen.

„Wir kämpfen mit dem Herzen“

Dafür muss der junge Mann aus Sri Lanka noch die Sprache lernen, aber auch daran wird fleißig gearbeitet. Suminda ist gerührt: „Ich darf endlich richtig Bodybuilding lernen, habe den für mich besten Trainer gefunden. Und ich durfte sogar schon sein Auto fahren.“

Er klatscht wieder mit Hartmut Schmidt ab und wird emotional. Freudentränen kullern ihm über die Wange. „Ohne Hartmut wäre das alles nicht möglich“, sagt Suminda und Hartmut Schmidt reagiert: „Siehst Du. Deswegen helfe ich ihm. Weil wir das gleiche Ziel haben und er ein super Poser ist.“

Im kommenden Jahr wollen beide in der Profi-Liga sein. Suminda als Starter, Hartmut Schmidt als Trainer. „Er wird es schaffen. Wir kämpfen mit dem Herzen, deswegen gewinnen wir“, sagt der Marburger. „Was wir machen ist Formel 1“, schiebt er noch hinterher. Dann dreht er sich zu Suminda und erklärt ihm mit Hand und Fuß, wo er sein Posing noch verbessern muss.

von Katja Peters