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Marburg Barrierefrei bis 2022
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13:58 08.07.2021
Ein Bus hält an der Haltestelle „Leipziger Straße“.
Ein Bus hält an der Haltestelle „Leipziger Straße“. Quelle: Larissa Pitzen
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Marburg

Martha Becker ist gehbehindert und auf einen Rollator angewiesen. Am Montag, 21. Juni, fährt sie mit dem Bus zur Haltestelle Leipziger Straße am Richtsberg. Weil der diensthabende Busfahrer nicht nah genug an den Bordstein herangefahren ist, fällt Martha Becker nach eigenen Angaben beim Aussteigen aus dem Bus.

„Ich war zwischenzeitlich zwischen Bus und Bordsteinkante eingeklemmt“, berichtet sie. Eine Frau, die Becker vom Sehen her kennt, versucht ihr zu helfen, ohne Erfolg. Erst als der Busfahrer darauf hingewiesen wird, dass jemand gefallen ist, hilft er der Frau auf, sodass sie sich auf die Bank an der Bushaltestelle setzen kann.

Der Sturz führte zu Prellungen

„Nicht auszudenken, was alles noch hätte passieren können, wenn der Bus losgefahren wäre“, sagt Hans Hermann Becker. Seine Frau sei durch verschiedene chronische Erkrankungen körperlich eingeschränkt. Der Sturz hatte schwere Prellungen und Blutergüsse zur Folge. „Zum Glück ist nicht noch mehr passiert, dadurch, dass meine Frau eine Organtransplantation hinter sich hat, hätte das noch schwerere Folgen haben können“, erklärt der Ehemann.

Martha Becker ließ schon vor dem Vorfall Vorsicht walten, weil das nicht das erste Mal gewesen sei, dass das Ein- und Aussteigen für das Ehepaar problematisch gewesen sei. „Beim Aussteigen achte ich darauf, wie der Busfahrer heute wieder an den Bordstein heranfährt“, sagt die Betroffene.

Ein Bus hält an der Haltestelle "Leipziger Straße" Quelle: Larissa Pitzen

Auf Anfrage des Ehepaars bei den Stadtwerken wurde ihnen dazu geraten, einen Unfallbericht zu verfassen, damit sie Schmerzensgelder anfordern können. „Wir würden uns wünschen, dass auf Rücksichtnahme geachtet wird“, sagt Herr Becker. „Das ist unser Anliegen.“

Damit meint das Ehepaar nicht nur die Tatsache, dass barrierefreies Ein- und Aussteigen in die Busse nicht an jeder Haltestelle gleich gut funktioniert, sondern auch den persönlichen Kontakt zwischen Busfahrer und Passagieren. „Manche sind sehr freundlich, manche auch unfreundlich“, sagt Hans Hermann Becker.

MVG bedauert den Sturz

So sei es schon dazu gekommen, dass die Busfahrer auf seine Bitte, den Bus abzusenken, damit der Ausstieg unproblematisch verlaufen kann, entweder entgegneten, dass das bei diesem Busmodell nicht möglich sei oder gar keine Reaktion auf die Bitte folgte, der Blick des Busfahrers starr nach vorne gerichtet.

Die Pressesprecherin der Stadtwerke Marburg, Elisabeth Brahms, teilt mit, dass die Geschäftsführung der Marburger Verkehrsgesellschaft (MVG) es sehr bedauere, dass es zu diesem Sturz gekommen sei und auch den persönlichen Kontakt zur Familie Becker gesucht habe.

Die besondere Sorgfaltspflicht

Auch der diensthabende Busfahrer des Unfall-Tages habe ärztliche Hilfe und einen Austausch der Adressen angeboten. Dies habe Familie Becker jedoch nicht gewollt. Zudem habe die Geschäftsführung alle Fahrerinnen und Fahrer auf die besondere Sorgfaltspflicht beim Anfahren an die Haltestellen hingewiesen.

Einige Bushaltestellen im Stadtgebiet – so auch die Unfallstelle – seien noch nicht vollständig barrierefrei umgebaut worden, dies soll sich bis 2022 ändern. „Neben dem Absenken des Busses sowie den vorhandenen Rampen, welche bei Bedarf ausgeklappt werden können, verfügen die Busse über eine Kinderwagen- oder Rollstuhltaste“, sagt Brahms.

Eine Taste für den Bedarf

Diese signalisiere dem Fahrpersonal, dass ein Fahrgast Hilfe oder auch einfach mehr Zeit beim Ein- oder Ausstieg benötigt. Die Taste könne bei Bedarf gedrückt werden.

Gerade in großen Fahrzeugen wie Gelenkbussen sei es wichtig, dass auch Fahrgäste mit Rollator so auf sich aufmerksam machen und das Fahrpersonal damit auf den Ein- und Ausstieg besonders achtet.

Von Larissa Pitzen

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