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Marburg „Wetterdienst hat alles richtig gemacht“
Marburg „Wetterdienst hat alles richtig gemacht“
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19:30 10.02.2020
Etwa 15 Einsätze hatte die Marburger Feuerwehr während des Orkantiefs Sabine, wie hier kurz nach Mitternacht in der Geschwister-Scholl-Straße. Kleines Bild: Professor Jörg Bendix ist Klimatologe in Marburg. Quelle: Feuerwehr Marburg, Archiv
Marburg

In den Medien überschlugen sich die Vorhersagen und Warnungen vor dem Orkantief „Sabine“, das am Sonntag, 9. Februar, auf Deutschland traf und in der Nacht zu Montag in Hessen erwartet wurde (die OP berichtete).

Größere Schäden gab es bis Montagabend im Landkreis nicht. Dabei ist genau das eingetroffen, was der Deutsche Wetterdienst vorhergesagt hatte. Klimatologe Professor Jörg Bendix von der Philipps-Universität nimmt im OP-Gespräch Stellung.

OP: Vor „Sabine“ wurde so massiv gewarnt, am Ende hielten sich die Schäden in Grenzen. War das „Panikmache“?

Professor Jörg Bendix: In den amtlichen Warnungen wurde nie von einem Orkan gesprochen. Aussagen von privaten Wetterdiensten im Internet sind selten eine sichere Quelle. „Sabine“ wurde als Orkantief bezeichnet, weil es über dem Atlantik an den Fronten Orkanböen gab, ebenso in den hohen Lagen im Harz und im Schwarzwald. Die zeitliche Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes­ war sehr exakt: Für 1 Uhr nachts waren stürmische Böen und Sturm vorhergesagt. Das sind Windgeschwindigkeiten zwischen 18 und 24 Metern in der Sekunde, die es zu diesem Zeitpunkt beispielsweise in Linden und auf der Wasserkuppe auch gab.

OP: Also waren die Unwetterwarnungen gerechtfertigt?

Bendix: Der Deutsche Wetterdienst hat alles richtig gemacht. Er hat die Pflicht zu warnen, ­damit die Menschen vorsichtiger sind. Allerdings sind Vorhersagen kein hundertprozentiges Instrument. Vor allem im lokalen Bereich lassen sich nicht immer exakte Vorhersagen treffen. Im Fall von „Sabine“ ist das sehr gut gelungen. Allerdings sind extreme Wetterlagen auch heute noch eine besondere Herausforderung, während mittlere Werte gut vorherzusagen sind.

OP: Sind die umfangreichen Warnungen auch ein Grund, dass es keine größeren Schäden und keine Verletzten gab?

Bendix: Ja, das würde ich so einschätzen. Aufgrund der umfangreichen Warnungen durch den Deutschen Wetterdienst konnten die Menschen Vorsorge treffen und waren vorbereitet.

OP: Ist „Sabine“ schon eine Auswirkung des Klimawandels?

Bendix: Die Übergangs-Jahreszeiten sind prädestiniert für Stürme, so dass Sturm- und Orkantiefs für diese Zeit normal sind. Allerdings haben Sturmereignisse in ihrer Häufigkeit und in ihrer Ausdehnung zugenommen. So reichte das Tiefdruckgebiet dieses Mal von Nordamerika über den ­gesamten Nordatlantik bis nach ­Europa. Diese große Ausdehnung zur gleichen Zeit ist ein sehr seltenes Ereignis.

von Katja Peters