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Marburg Stunde der Abrechnung: Strom tanken und bezahlen
Marburg Stunde der Abrechnung: Strom tanken und bezahlen
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10:58 11.08.2021
Eigentlich könnte das Laden der „Stromer“ ganz einfach sein – wenn nicht die zahlreichen Abrechnungsmodelle wären.
Eigentlich könnte das Laden der „Stromer“ ganz einfach sein – wenn nicht die zahlreichen Abrechnungsmodelle wären. Quelle: Foto: Hendrik Schmidt
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Marburg

Rund 24 500 Stromtankstellen mit unterschiedlich vielen Ladepunkten gibt es derzeit in Deutschland. Besonders gut ist die Versorgung in Ballungszentren und entlang der Autobahnen. Doch so leicht wie Benzin tanken ist das Laden dennoch nicht – zu groß ist der Anbieter- und Abrechnungsdschungel.

„War es vor ein paar Jahren aufgrund weniger Lademöglichkeiten noch schwierig, mit dem E-Auto vom Norden in den Süden zu fahren, ist das heute absolut kein Problem mehr“, sagt Guy Weemaes vom Portal GoingElectric.de. Dieses veröffentlicht Statistiken und News über Stromtankstellen, Ladekartenanbieter und Elektromobilität. Doch während Autofahrer mit einem Verbrennermotor ihren Sprit einfach bar oder mit Giro- oder Kreditkarte bezahlen können, benötigt der E-Autofahrer einen Zugang zum Ladenetz des Anbieters.

„Grundsätzlich gibt es dafür zwei Bezahlmöglichkeiten: entweder über einen Ladevertrag mit dem Anbieter oder mit der Ad-hoc-Variante“, sagt Matthias Vogt vom ADAC-Technikzentrum. Bei einem Ladevertrag registriert sich der Kunde beim Anbieter und erhält dann eine Karte oder einen Chip, mit dem er die Ladesäule freischalten kann. Auch über die Anbieter-App ist das in der Regel möglich. „Die Abrechnung erfolgt dann meist monatlich über die hinterlegte Zahlungsart, also eine Kreditkarte zum Beispiel“, so Vogt.

Ad-hoc-Zahlung ist meist kompliziert und teuer

Die Ad-hoc-Zahlung ist seit 2017 vorgeschrieben. Sie soll es ermöglichen, auch ohne Vertrag Strom zapfen zu können. „Im Grunde soll das der Zahlung mit Bargeld oder Girokarte an der Tankstelle entsprechen“, sagt Vogt. „Meistens müssen die Autofahrer dann einen QR-Code einscannen und kompliziert über eine Webseite oder heruntergeladene App bezahlen.“ Unklar bleibt oft, was tatsächlich für eine Stromladung fällig wird. „Die großen Anbieter rechnen inzwischen alle rein nach Kilowattstunden ab, was fair und nachvollziehbar ist“, sagt Weemaes.

Wer besonders lange auflade, bezahle zudem oft einen Zuschlag von beispielsweise zehn Cent pro Minute ab vier Stunden Ladedauer. Nach wie vor aber gebe es auch Ladesäulenbetreiber, die nach Minuten abrechnen würden. „Hat ein Auto nur eine langsame Ladeeinheit, kann das eine teure Geschichte werden“, sagt Weemaes. Aber auch die Abrechnung nach Kilowattstunde kann teuer werden, denn die Preise variieren stark.

„Einige Anbieter wie EinfachStromLaden oder Plugsurfing haben Festpreise, bei anderen gibt es keinen einheitlichen Preis für die Kilowattstunde oder Minute. Da sollte der Kunde sich unbedingt vorher informieren, wie viel er an der betreffenden Ladesäule bezahlen muss“, rät Weemaes.

Insgesamt gibt es inzwischen viele Anbieter, die gut vernetzt sind und ihren Kunden mit Ladekarten den Zugang zu Ladesäulen in ganz Deutschland und Europa anbieten. „Man kann den Markt ein bisschen mit dem Mobilfunkmarkt vergleichen: Es gibt Ladesäulenbetreiber und zahlreiche Elektromobilitätsprovider, die auf die Ladesäulen der Betreiber zugreifen und Ladetarife anbieten“, sagt Vogt.

Wie finde ich den günstigsten Anbieter?

Insgesamt listet GoingElectric.de über 250 Ladekartenanbieter an, 34 mit je mehr als 50 000 Ladepunkten. Die Tarifstrukturen der Anbieter sind höchst unterschiedlich. Daneben haben einige Anbieter auch Tarife für Vielfahrer, die dann eine monatliche Grundgebühr beinhalten, jedoch günstigere Preise für die Kilowattstunde. „Höher sind die Preise grundsätzlich für die Schnellladesysteme mit Gleichstrom, die liegen meist zehn Cent über den Wechselstrom-Preisen“, so Weemaes.

Welcher Anbieter der günstigste ist, kann nicht pauschal beantwortet werden. „Das hängt auch vom Lade- und Nutzungsverhalten ab. Vielfahrer aber haben immer gleich die Ladekarten von mehreren Anbietern in der Tasche“, weiß Vogt. Zumal es auch passieren könne, dass der Strom an einer Ladesäule bei dem einen Anbieter 50 Cent pro Kilowattstunde koste und bei einem anderen 70 Cent. Grundsätzlich teurer sei aber meist das Ad-hoc-Laden ohne Vertrag, auch wenn es dafür keine nachvollziehbaren technischen Gründe gebe.

Günstiger als an den öffentlichen Ladesäulen ist der Strom übrigens fast immer zuhause. „Der normale Hausstrom liegt bei rund 30 Cent pro Kilowattstunde“, so Vogt. „Noch günstiger und vor allem nachhaltiger ist natürlich der Strom von der eigenen Solaranlage, der kostet den E-Autofahrer nur noch rund zehn Cent pro Kilowattstunde.“

Von Claudius Lüder

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