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Marburg Von Gartenparadiesen und Paradiesgärten
Marburg Von Gartenparadiesen und Paradiesgärten
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07:53 13.10.2021
Farnenschlucht, Botanischer Garten.
Farnenschlucht, Botanischer Garten. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Der Garten Eden war einerseits das in der Bibel beschriebenes Synonym für das Paradies und hatte andererseits wohl das Vorbild eines eingezäunten Gartenbezirks mitten in einer unwirtlichen Gegend im heutigen Irak. Nicht nur Apfelbäume wuchsen in dem in der Bibel beschriebenen Garten. Ob er das Vorbild war für spätere Lustgärten oder Botanische Gärten? Jedenfalls wurden Künstler aller Epochen vom „Garten Eden“-Motiv zu farbenfrohen und fantastischen Darstellungen einer vielfältigen Pflanzenlandschaft inspiriert. Und haben sich die Gartenparadiese von heute nicht einiges von den Vorbildern der Vergangenheit abgeschaut?

„Vom Garten Eden zur Gendatenbank“ lautet der Titel für das Studium generale in diesem Wintersemester. Auf jeden Fall kommen akademisch interessierte Gartenfans bei der prominenten Vortragsreihe der Marburger Universität auf ihre Kosten. Sie richtet sich ab Mittwoch, 20. Oktober, traditionell nicht nur an Hörer aller Fachbereiche der Universität, sondern auch an ein breites Publikum aus der Stadtgesellschaft.

Der „Blick von außen“

Anlass ist die laufende Spendenkampagne „Ich blüh für dich. Spende für mich“ zugunsten der Sanierung der Gewächshäuser im Botanischen Garten Marburg. „Das Studium generale wirft einen interdisziplinären Blick auf Gärten und deren seit Jahrtausenden anhaltende Rolle für die Wissenschaft und für die Gesellschaft“, erläutert die Marburger Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause. „Der Blick aus vielen Disziplinen unterstützt uns dabei, unseren eigenen Botanischen Garten besser zu verstehen. Der Blick von außen – von Expertinnen und Experten – wird uns darin bestärken, uns mit aller Kraft für den Erhalt unseres Gartens und seiner Pflanzenschätze einzusetzen.“

Der interdisziplinäre Blick in der öffentlichen Vortragsreihe reicht von Forschungsorten und Refugien für den Naturschutz bis zum Garten als Schauplatz der Lustbarkeiten – vom Nachbargarten bis zum Paradies auf Erden. Welche Rolle spielen Gärten in der Literatur und in der Kunst? Und vor allem: Welche Bedeutung haben Botanische Gärten heute noch und wie sehen Gartenkonzepte der Zukunft aus? Dies sind einige der Fragen.

Die Geschichte des Botanischen Gartens in Marburg

Die Geschichte der Botanischen Gärten in Marburg hat beispielsweise der emeritierte Marburger Biologie-Professor Gerhard Kost in seinem Vortrag im Blick. Schon in der Frühzeit der Universitäts-Gründungen seien die ersten Botanischen Gärten ins Leben gerufen worden, erläutert Kost im Gespräch mit der OP. Und dem Vorbild der italienischen Gärten wie in der Hochschulstadt Padua folgend gründete auch Euricius Cordus – der erste Professor der 1527 gegründeten Marburger Universität – einen Botanischen Garten in Marburg. Dieser befand sich nach Recherchen von Kost am Glaskopf. Spätere Standorte für Botanische Gärten der Universität lagen unter anderem an der Ketzerbach oder am Pilgrimstein, wo sich heute noch der Alte Botanische Garten der Universität befindet.

Und auch ein Blick in Marburgs Nachbarstadt Gießen lohnt sich: Denn dort befindet sich der Botanische Garten der Universität immer noch mitten in der Stadt. Dies wird Professor Volker Wissemann, der aktuelle wissenschaftliche Leiter des Gießener Gartens, in seinem Vortrag erklären.

Welche Rolle die Botanischen Gärten in der Gegenwart spielen, dieser Frage geht Professor Maximilian Weigend in seinem Vortrag nach. Der Präsident des Verbands Botanischer Gärten wird unter anderem erklären, wie wichtig es ist, dass Botanische Gärten seltene und vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten in ihren Beständen behalten. Und auch für die Aufrechterhaltung der Gendatenbanken spielen die Botanischen Gärten eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Studium generale

Das Studium generale zum Thema Gärten findet im Wintersemester 2021/2022 ab dem 20. Oktober 2021 immer mittwochs von 20.15 bis 21.45 Uhr in einem hybriden Format statt.
Bis zu 60 Personen können in Präsenz im Saal der Uni-Bibliothek teilnehmen – auf Basis des 3G-Konzepts: das heißt mit dem Nachweis, gegen Corona geimpft, davon genesen oder getestet zu sein (Negativnachweis). In den Räumen der Universitätsbibliothek (zum Beispiel beim Einlass) besteht nach wie vor die Pflicht, einen medizinischen Mund-Nasenschutz zu tragen – ebenfalls auf den Sitzplätzen, sofern ein Mindestabstand von 1,5 Metern nicht gewährleistet werden kann. Um in Präsenz am Studium generale teilzunehmen, melden Sie sich bitte per E-Mail unter studiumgenerale@uni-marburg.de an oder telefonisch unter 06421 28-25037.

Informationen zur Online-Teilnahme und dem Zugang zum Livestream werden in Kürze auf der Webseite zum Studium generale veröffentlicht unter dem Weblink : www.uni-marburg.de/studiumgenerale.
Und das ist das Programm:

20.10.2021 Auftakt Keynote Lecture "Die Domestizierung der Natur" / Prof. Dr. Klement Tockner, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt am Main

27.10.2021 Skulptur und Wasser in antiken Gartenlandschaften / Prof. Dr. Rita Amedick, Fachbereich Geschichte und Kulturwissenschaften, Klassische Archäologie, Philipps-Universität Marburg

03.11.2021 Von Paradiesen auf Erden zur Geschichte der Botanischen Gärten in Marburg / Prof. Dr. Gerhard Kost, Fachbereich Biologie, Spezielle Botanik & Mykologie, Philipps-Universität Marburg

17.11.2021 Bedeutung der Botanischen Gärten im 21ten Jahrhundert / Prof. Dr. Maximilian Weigend, Präsident des Verbands Botanischer Gärten, Botanische Gärten der Universität Bonn

01.12.2021 Shades of Green im Nachbargarten: Forschung, Lehre, Transfer. Seit 1609 / Prof. Dr. Volker Wissemann, wissenschaftlicher Leiter Botanischer Garten Gießen, Fachbereich Biologie, AG Spezielle Botanik, Justus-Liebig-Universität Gießen

08.12.2021 „Ich will nicht ins Paradies…“ Theologische Erkundungen in Eden / Prof. Dr. Marcell Saß, Fachbereich Evangelische Theologie, Philipps-Universität Marburg

15.12.2021 Schauplatz der Lustbarkeiten und Orte der Läuterung: Gärten in der iranischen Kultur / Dr. Anna Heller, Zentrum für Nah- und Mitteloststudien, Fachgebiet Iranistik, Philipps-Universität Marburg

19.01.2022 Gärten als Forschungsorte und Refugien für den Naturschutz / Prof. Dr. Joachim W. Kadereit, Prof. Joachim W. Kadereit PhD, Direktor Botanischer Garten, Johannes Gutenberg-Universität Mainz

26.01.2022 Jan Brueghels Blumenstilleben: Kunst, Wissenschaft und Paradiesvorstellungen / Prof. Dr. Barbara Welzel, Institut für Kunst und Materielle Kultur, Technische Universität Dortmund

02.02.2022 Das Zauberkraut des Odysseus: Pflanzen in der Literatur der griechischen Antike / Prof. Dr. Sabine Föllinger, Fachbereich Fremdsprachliche Philologien, Klassische Philologie, Philipps-Universität Marburg

09.02.2022 Podiumsdiskussion "Use it or lose it: Gartenkonzepte der Zukunft"

Von Manfred Hitzeroth

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