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Marburg Vorträge über Religion und Politik
Marburg Vorträge über Religion und Politik
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14:00 13.04.2022
Das Spannungsfeld zwischen Religion und Politik ist auch auf Wandgemälden in der Alten Aula der Universität dargestellt, wie links im Bild auf dem Gemälde „Sophie von Brabant lässt die Marburger Heinrich dem Kinde huldigen“ (im Jahr 1248). Die Szene bezieht sich auf das Ende eines hessisch-thüringischen Erbfolgestreits. Heinrich, der Enkel der heiligen Elisabeth, wurde Landgraf des neu entstandenen Hessen. Rechts im Bild sieht man einen Ausschnitt des Gemäldes „Die Reformatoren ziehen zum Religionsgespräch ein, empfangen von Philipp dem Großmütigen“ (im Jahr 1529).
Das Spannungsfeld zwischen Religion und Politik ist auch auf Wandgemälden in der Alten Aula der Universität dargestellt, wie links im Bild auf dem Gemälde „Sophie von Brabant lässt die Marburger Heinrich dem Kinde huldigen“ (im Jahr 1248). Die Szene bezieht sich auf das Ende eines hessisch-thüringischen Erbfolgestreits. Heinrich, der Enkel der heiligen Elisabeth, wurde Landgraf des neu entstandenen Hessen. Rechts im Bild sieht man einen Ausschnitt des Gemäldes „Die Reformatoren ziehen zum Religionsgespräch ein, empfangen von Philipp dem Großmütigen“ (im Jahr 1529). Quelle: Markus Farnung/Uni Marburg
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Marburg

Das Studium generale der Philipps-Universität widmet sich im Sommersemester 2022 den vielschichtigen Zusammenhängen zwischen Religion und Politik. Organisiert vom Zentrum für interdisziplinäre Religionsforschung (ZIR) werden Expertinnen und Experten bei der öffentlichen Vortragsreihe der Uni aus vielen verschiedenen Fachrichtungen das Thema „Religion und Politik“ beleuchten. „Religion spielt nach wie vor eine große Rolle für das Denken und Handeln von Menschen und hat erheblichen Einfluss auf politisches Handeln. Religion und Politik sind deshalb eng verflochten“, sagt die Marburger Religionswissenschaftlerin Professorin Edith Franke. Die „ZIR“-Direktorin ist die Organisatorin für das Studium generale.

Auch wenn die komplexe Rolle der Religion in der Gesellschaft derzeit in der öffentlichen Wahrnehmung von der Corona-Pandemie und dem Ukraine-Krieg überlagert wird, sei das Thema unverändert wichtig, sagte Franke im Gespräch mit der OP. „Fast alle politischen Entscheidungen und ethischen Fragen sind von religiösen Überlegungen geprägt“, betont die Religionswissenschaftlerin.

Studium generale: Die Vorträge

Alle Vorträge beim Studium generale der Marburger Philipps-Universität finden immer mittwochs von 20.15 Uhr bis 21.45 Uhr im Vortragsraum der Uni-Bibliothek am Pilgrimstein statt.

Das Programm des Studium generale „Religion und Politik“ im Sommersemester 2022:

20. April: Roundtable zu gesellschaftlicher Relevanz von Religion in Deutschland / Professor Albrecht Fuess, Islamwissenschaft / CNMS / ZIR; Professor Frederek Musall, Jüdische Studien, Heidelberg; Professor Peter Unruh, Präsident des Landeskirchenamtes, Kiel/Göttingen; Professor Horst Junginger, Religionswissenschaft und Religionskritik, Leipzig; Moderation: Abdul-Ahmad Rashid, ZDF /Forum am Freitag

27. April: Paulus als politischer Denker der Gegenwart. Die Pauluslektüre von Jacob Taubes, Alain Badiou und Giorgio Agamben aus neutestamentlicher Sicht (Professorin Angela Standhartinger, Evangelische Theologie/ZIR)

4. Mai: Weltlicher und göttlicher Staat bei Augustinus (Professor Boris Dunsch, Latinistik)

11. Mai: Resisting Governmental Surveillance and Persecution in Shakespeare’s England: Jesuit Priest Holes (Vortrag in englischer Sprache) (Professorin Sonja Fielitz, Anglistik/ZIR)

18. Mai: Pholhané und die „weisshäuptigen Lamas“: Politik und Religion in Lhasa 1742 / Professorin Karénina Kollmar-Paulenz, Religionswissenschaft, Universität Bern Abweichender Veranstaltungsort: Vortragsraum 001 (Ausweichort: Pilgrimstein 16, Deutscher Sprachatlas)

25. Mai: Des Mullahs neue Kleider: Säkularisierung von Staat und Gesellschaft in Iran unter Reza Schah (reg. 1925 - 1941) (Professorin Bianca Devos, Iranistik, CNMS / ZIR)

1. Juni: Religiöse Vielfalt, sozialer Wandel und nationale Identität Indiens im Spiegel des populären Hindi-Films (Professorin Adelheid Hermann-Pfandt, Religionswissenschaft)

8. Juni: Patriarchen und Politik. Beobachtungen zur politischen Rolle der Kirchen im Nahen Osten (Professor Dr. Karl Pinggéra, Evangelische Theologie)

15. Juni: Satan, Sex und eine islamistische Zombie-Apokalypse: Religion und Politik im türkischen Comic (Dr. Pierre Hecker, Islamwissenschaft /CNMS)

22. Juni: Hindu-Nationalismus als Problem der Forschung (Dr. Felix Otter, Indologie)

29. Juni: Zum Verhältnis von Religion und Politik im Judentum (Professor Christian Wiese, Martin-Buber-Professur Universität Frankfurt; Abweichender Veranstaltungsort: Vortragsraum 001, Pilgrimstein 16, Deutscher Sprachatlas)

6. Juli: Religionspolitische Instrumente der Regulierung religiöser Pluralität in der islamischen Kultur Indonesiens (Professorin Edith Franke, Religionswissenschaft/ZIR)

 

Mehr Informationen zum Studium Generale:  https://www.uni-marburg.de/de/universitaet/profil/wissenstransfer/studiumgenerale/aktuell

In der Vortragsreihe werde das Thema aus historischen und aktuellen Perspektiven betrachtet, erläutert Franke. „Wir sehen, dass das Aufeinandertreffen unterschiedlicher religiöser und weltanschaulicher Perspektiven immer wieder zu Konflikten führt und möchten zeigen, dass der Umgang mit religiöser Pluralität eine Herausforderung ist, der sich sowohl soziale Gemeinschaften als auch Staaten stellen müssen“, sagt sie.

Wie haben Führungspersonen in der Vergangenheit auf solche von religiös motivierten Auseinandersetzungen geprägte Konflikte reagiert? Wie kann die Forschung zu diesen Themen in die Gesellschaft hineinwirken? Und wie können Einsichten aus der Forschung zum Verständnis von Religion und Politik beitragen? Das sind einige der Fragen, die im Verlauf der Vortragsreihe eine Rolle spielen sollen. Ein Großteil der Referenten gehört dem Marburger Zentrum für interdisziplinäre Religionsforschung an. In diesem Forschungsverbund werden religionswissenschaftliche, historische, philologische, sowie sozial- und kulturwissenschaftliche Kompetenzen gebündelt. Dadurch soll ein besseres Verständnis von Religion in kulturellen, sozialen und politischen Transformationsprozessen erreicht werden.

Zum Auftakt im Studium generale gibt es am Mittwoch, 20. April, ab 20.15 Uhr im Vortragssaal der Uni-Bibliothek (eventuell auch im Stream) eine Podiumsdiskussion mit prominenten Vertretern aus Islamwissenschaft, Jüdischen Studien, Landeskirchenamt und Religionswissenschaft. Moderator ist der Journalist und Islamwissenschaftler Abdul-Ahmad Rashid, der auch die ZDF-Sendung „Forum am Freitag“ moderiert.

Unter anderem soll am runden Tisch darüber geredet werden, wie Religion in der Gesellschaft sichtbar wird und wie es um die Toleranz gegenüber religiösen Minderheiten steht. Auch der Umgang mit unterschiedlichen religiösen Feiertagen von Ostern bis zu Ramadan soll zum Thema werden.

Von Manfred Hitzeroth