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Marburg 2,5 Millionen Euro für Marburger Lehrprojekt
Marburg 2,5 Millionen Euro für Marburger Lehrprojekt
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07:50 31.05.2021
Am Projekt "Corona-Gesprächsgarten" im Alten Botanischen Garten war auch Professorin Kati Hannken-Illjes (rechts) beteiligt, die jetzt als Projektleiterin für das Projekt "Marburg Skills" fungiert.
Am Projekt "Corona-Gesprächsgarten" im Alten Botanischen Garten war auch Professorin Kati Hannken-Illjes (rechts) beteiligt, die jetzt als Projektleiterin für das Projekt "Marburg Skills" fungiert. Quelle: Manfred Hitzeroth
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Marburg

Die Future Skills werden immer gefragter: Die Rede ist von den Fähigkeiten bei der Bewältigung der großen Zukunftsfragen vom Klimawandel bis zur Digitalisierung der Gesellschaft. Die Philipps-Universität will künftig ihre Studierenden noch besser dazu befähigen, sich den großen gesellschaftlichen Herausforderungen in digitalisierten Lebens- und Arbeitswelten zu stellen. Damit sie ein noch besseres Rüstzeug dafür erhalten, wurde an der Uni Marburg das Programm „Marburg Skills“ entwickelt.

Finanzierung für drei Jahre

Als kräftige Anschubfinanzierung gibt es dafür nun für drei Jahre lang 2,5 Millionen Euro, die die bundesweite Stiftung „Innovation in der Hochschullehre“ zur Verfügung stellt. Durchgesetzt hatte sich die Uni Marburg in der ersten Runde eines Ausschreibungsverfahrens der von Bund und Ländern finanzierten neuen Institution, die für die universitäre Lehre künftig so etwas wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) für die universitäre Forschung sein soll.

Mit dem Geld wird vor allem das am Fachbereich Germanistik und Kunstwissenschaften angesiedelte „Marburg Skills Center“ gegründet, das Stellen für eine wissenschaftliche Leitung sowie Lehrpersonal und Verwaltung erhält. Zudem werden zwei Stellen für Begleitforschung und Evaluation finanziert. Ab dem Herbst soll dann der Start erfolgen.

Pilotprojekt „Marburg Modul“

Bereits im vergangenen Wintersemester wurde in dem Pilotprojekt „Marburg Modul“ das Konzept erstmals erprobt. Das Besondere daran: Studierende und Lehrende aus unterschiedlichen Fächern arbeiten in studentischen Teams mit jeweils zwei Dozenten gemeinsam an interdisziplinären Themen mit konkretem und oft auch lokalem Praxisbezug. Der Themen-Input konnte dabei sowohl von Dozenten als auch von Studenten kommen. Die Teams hatten ein Semester lang Zeit, bevor es zur Abschluss-Präsentation kam. Ein Projekt war beispielsweise der Corona-Gesprächsgarten mit akustischen Installationen im Alten Botanischen Garten.

Dahinter stehe zwar keine radikale Neuerung von Lehre und Lernen, sagte Hannken-Illjes. Das Besondere an dem „Marburg Skills“-Konzept sei aber das interdisziplinäre Zusammenarbeiten von Lehrenden und Lernenden aus unterschiedlichen Fächerkulturen. Der Transfer von Fachwissen in die Praxis, die Informationsbeschaffung sowie lösungsorientiertes und kritisches Denken sind Beispiel für die Schlüsselqualifikationen, die im Mittelpunkt stehen.

Kein verpflichtendes Modul

Im Wintersemester habe das „Marburg Modul“ bereits gut funktioniert, erläuterte Projektleiterin Professorin Kati Hannken-Illjes aus der Sprechwissenschaft. Es biete auch Anreize für Lehrende, neue Themen und Herangehensweisen auszuprobieren. „Es ist etwas, was man gerne macht und dass mehr Energie zurückgeben kann“, berichtet die Sprechwissenschaftlerin. Für die Studierenden soll ein „Marburg Skills“-Modul zwar nicht verpflichtend sein. Aber idealerweise soll das Lehrprogramm nach der neuen Studienstrukturreform so organisiert sein, dass jeder Studierende die Möglichkeit hat, ein Semester lang die „Future Skills“ zu erwerben.

Bei der Entwicklung des Konzepts fließen Ideen aus der Lehrerbildung, aber auch Erfahrungen mit der in Corona-Zeiten weiterentwickelten, digital gestützten Lehre und Forschung mit ein. „Wir haben professionelle Strukturen zur Unterstützung digitaler Wissenschaft, leiten hessenweite Projekte in der digitalen Forschung und Lehre und fördern die Kompetenzentwicklung in zwei Konsortien der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur.

Viele Dinge sind noch in Planung

Dieses Know-how, gepaart mit den digitalen Diensten des Rechenzentrums und der Universitätsbibliothek, bietet ein ideales Umfeld für die Entwicklung der digitalen Lehr-Lern-Konzepte“, sagt der Uni-Vizepräsident für Informationsmanagement, Professor Thomas Nauss, der die Entwicklung des Projekts „Marburg Skills“ mit begleitet hat. So sollen Lehr-Lern-Labore geschaffen werden in Seminarräumen für die gemeinsame Projektarbeit, mit Equipment von Kameras über Smartboards bis hin zu klassischen Flipcharts.

Von Manfred Hitzeroth