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Marburg Studierende kritisieren Vorgaben
Marburg Studierende kritisieren Vorgaben
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15:51 16.02.2021
Am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und Philosophie an der Marburger Universität ist Sparen angesagt.
Am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und Philosophie an der Marburger Universität ist Sparen angesagt. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und Philosophie (Fachbereich 03) an der Universität muss gespart werden. „Das Personalbudget ist nicht voll ausfinanziert“, sagte Dekan Professor Manfred Seifert dazu auf Anfrage der OP. Nur 86 Prozent aller Stellen im Stellenplan können derzeit finanziert werden. Diese Situation gebe es zwar schon seit Jahren. „Bisher hatten wir das allerdings durch die hohen Studierendenzahlen ausgleichen können“, betont Seifert. Diese seien mit höheren Zuweisungen verbunden.

Doch mittlerweile hat sich am Fachbereich auch angesichts sinkender Studierendenzahlen ein strukturelles Defizit angehäuft, das jetzt in den kommenden fünf Jahren wieder abgebaut werden soll. Im Herbst 2020 sei vom Uni-Präsidium deswegen eine Haushaltssperre angeregt worden. „Wir sehen derzeit keine Möglichkeit, auf eine zwölfmonatige Stellensperre zu verzichten. Das ist praktisch eine Anordnung, die das Dekanat ,mit Bauchschmerzen’ weitergibt“, erläuterte Seifert. Es sei nunmehr vereinbart worden, dass der Fachbereich einen Kürzungsplan vorlegen müsse. Zu diesem Zweck sei jetzt am Fachbereich eine Strukturkommission ins Leben gerufen worden.

Beschluss des Fachbereichsrates 

Wie genau das funktioniert, dazu äußert sich Seifert noch zurückhaltend: „Wir haben jetzt den formalen Beschluss des Fachbereichsrates, dass wir uns bemühen, einzusparen. Wie das erfolgt, das werden wir noch diskutieren.“ Zudem schränkt der Dekan auch ein, dass sich kurzfristig in Sachen Personalausstattung am Fachbereich nicht so viel ändern werde. „Bis die Stellen frei werden, sind wir voll besetzt und bestens aufgestellt“, meint Seifert. Frühestens ab dem kommenden Jahr werde sich daran etwas ändern. Die Stellenpläne sollten jetzt nicht sofort eingekürzt werden. „Wir kratzen zusammen, was möglich ist“, erläutert Seifert die Strategie der Fachbereichsleitung.

Klar ist aber trotzdem, dass die Sparpläne auf Widerstand bei Vertretern der Studierenden und des wissenschaftlichen Mittelbaus treffen. So hat sich eine Initiative mit Namen „ReVerBi“, die sich die „Revolte gegen die Vermarktlichung des Bildungswesens“ auf die Fahnen geschrieben hat. Die Sparmaßnahmen am Fachbereich seien „das Ergebnis jahrzehntelanger marktorientierter Politik“, heißt es in einer Stellungnahme der Initiative. Wissen sollte aber keine Ware sein, so das Papier weiter. Neben einem Stopp der Stellensperre wird von den Kritikern der Sparmaßnahmen auch gefordert, dass die Zeitverträge von wissenschaftlichen Mitarbeitern nach einer ersten Phase von drei Jahren auch um weitere drei Jahre verlängert werden können, und zwar wie bisher. „Wir versuchen, das weiterhin zu ermöglichen. Allerdings müssen Verlängerungen um drei Jahre jetzt in jedem Fall begründet werden“, erläutert Dekan Seifert die neue Herangehensweise des Fachbereichs im Zuge der Sparbemühungen. Neben Kritik an den aktuellen Sparvorgaben nimmt die Initiative „ReVerBi“ aber auch Grundsätzliches aufs Korn. So seien überfüllte Seminare sowie eine unzureichende Betreuung durch die Lehrenden schon in den vergangenen Jahren ein unübersehbares Problem am Fachbereich gewesen. Seminare mit bis zu 100 Studierenden bedeuteten einen massiven Qualitätsverlust in der Lehre. Mit den jetzt angedachten Sparvorgaben werde die bereits jetzt schon prekäre Lage ignoriert und das Defizit in Form von Druck und Überlastung konsequent auf die Studierenden und den wissenschaftlichen Mittelbau übertragen.

Kritik soll nicht stehen bleiben

Ganz so möchte der Dekan diese Kritik nicht stehenlassen. „Wir sind ein diverser Fachbereich. Wir haben die beiden großen Disziplinen Politikwissenschaften und Soziologie mit jeweils mehreren Professoren. Dazu kommen die beiden mittelgroßen Fächer Philosophie und Europäische Ethnologie sowie die kleinen Fächer Religionswissenschaften sowie Sozial-und Kulturanthropologie“, erläutert Seifert. Das bedeute aber auch, dass es in den einzelnen Fächern unterschiedlich große Studierenden-Kohorten gebe.

Von Manfred Hitzeroth

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