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Marburg Studierende brauchen auch ein Zimmer
Marburg Studierende brauchen auch ein Zimmer
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22:32 26.07.2012
Auffallend bunte Balkons: Die Studentenwohnungen am Erlenring.
Auffallend bunte Balkons: Die Studentenwohnungen am Erlenring.  Quelle: Matthias Weber
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Marburg

Studenten und ihre Wohnsituation in Marburg: Das ist ein Thema, welches wohl noch lange Zeit für Diskussionen sorgen wird. Die OP hörte sich bei Studierenden um, wie es um das Thema Wohnen bestellt ist.

Nicht alle Studenten sind zufrieden. Die häufigste Kritik: die Wohnungen sind zu teuer, zu alt oder zu weit außerhalb. Besonders die Preise einiger Wohnungen sind für viele Studenten das Problem. WG-Zimmer in der Marburger Oberstadt sind für viele nicht bezahlbar. Und auch in anderen Stadtteilen sind die Mietpreise für sie zu hoch. „Man merkt halt, dass man in einer Studentenstadt lebt“, sagt eine Gruppe von Lehramtsstudentinnen, die ungenannt bleiben möchte. Verständnis zeigen sie aber in einer Hinsicht: „ Wenn man in der Innenstadt wohnen und den Luxus der kurzen Entfernungen genießen möchte, dann ist es logisch, dass man mehr bezahlt.“

Nicht zu wenige, sondern zu teure Wohnungen

Den enormen Preisanstieg beklagen auch Judith Diehl und Sven Hille, beide Jurastudenten. „Die Auswahl ist nicht das Problem. Es gibt genug Wohnungen. Nur der Preis ist viel zu teuer“, meint Hille. Für sein Zimmer bezahlt er 230 Euro und ist damit nicht gerade zufrieden.

Die seit dem vergangenen Wintersemester gestiegenen Studentenzahlen werden laut der Aussage von Judith Diehl als ein Grund für steigende Mietpreise angegeben. „Die Vermieter nutzen die Situation voll aus. Sie wissen, dass die Leute eine Wohnung brauchen und die Nachfrage nicht abnimmt. So werden sich die Angebote auch nicht verändern“, erzählt Diehl. Einen Vertreter des Vereins „Haus und Grund“ konnte die OP zu dieser Kritik ferienbedingt nicht erreichen.

Darum bemüht, stetig mehr Wohnflächen anzubieten und diese auch gut einzurichten, ist das Studentenwerk der Philipps-Universität. „Die Wohnsituation für Studenten in Marburg ist traditionell schwierig“, sagt Franziska Busch, Pressesprecherin des Marburger Studentenwerks.

„Zur Zeit haben wir rund 2100 Plätze in 24 verschiedenen Wohnheimen. Gerade wird auch im Studentendorf Raum für 49 neue Wohnheimplätze geschaffen, die im Herbst 2013 beziehbar sind. Es tut sich jedes Jahr etwas“, sagt Busch weiter. Die Mietpreise sind dabei natürlich abhängig von der Lage und Größe der Wohnungen. „Die Mieten liegen zwischen 170 und 280 Euro“, so Busch.

Es gibt auch alternative Wohnprojekte

Eine Angelegenheit, die ihr dabei sehr am Herzen liegt, ist das Projekt „Wohnen für Hilfe“. „Ältere Menschen können Studenten einen Platz oder eine Wohnung in ihrem Haus anbieten. Die Studierenden helfen den Senioren dafür im Haushalt“, berichtet sie. Hier hofft sie in Zukunft auf mehr Beteiligung, damit die Wohnsituation einfacher wird.

Auch die Stadtverwaltung Marburg hat Verständnis für die heikle Situation der Studenten. „Wir bemühen uns zu reagieren, wir sind als Stadt dazu ja auch verpflichtet“, sagt Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach.

„Es gibt diverse neue Projekte rund um den studentischen Wohnungsbau. Sie sind zwar nicht immer preiswert, aber dafür gut gelegen und ausgestattet“, so die Stadträtin weiter. Eines dieser Angebote sind die Wohnungen mit den bunten Balkons am Erlenring. Hier liegen die Preise bei 11,50 Euro pro Quadratmeter, laut der Aussage Carsten Schreyers, Geschäftsführer der Firma S & S Immobilien. „In den letzten fünf Jahren haben wir auch den Trend, dass Studenten aus der Oberstadt wegziehen und lieber gut ausgestattete Wohnungen beziehen. Der Anspruch der Studenten und auch deren Eltern hat zugenommen. Der ökologische Faktor spielt dabei eine Rolle“, sagt Schreyer.

Bestrebungen, den Wohnungsbau voranzutreiben, gibt es also genug. Vielleicht wird damit auf Dauer ein weiteres Problem gelöst: „Die meisten Wohnungen erhält man über Beziehungen. Gerade für neue Studenten ist es schwierig, eine zu finden“, so die Aussage der Lehramtsstudentinnen.

von Matthias Weber