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Marburg Musik ist wichtig für die Persönlichkeitsbildung
Marburg Musik ist wichtig für die Persönlichkeitsbildung
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18:00 07.02.2022
Die Hand einer jungen Musikschülerin wird von der Musiklehrerin beim Geigespiel korrigiert. Geige ist nach wie vor ein gefragtes Instrument..
Die Hand einer jungen Musikschülerin wird von der Musiklehrerin beim Geigespiel korrigiert. Geige ist nach wie vor ein gefragtes Instrument. Quelle: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa
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Marburg

Menschen sind von Musik umgeben – beim Autofahren, zu Hause in der eigenen Wohnung oder live bei Konzerten. Letzteres findet derzeit leider nur eingeschränkt statt. Musik aber ist essenziell für unser Wohlbefinden. Man kann sie passiv konsumieren oder aktiv betreiben. Letzteres macht nicht nur Spaß, sondern ist auch ein perfektes Training fürs Gehirn: Musik machen trainiert Gehör und Rhythmusgefühl, Koordination, Konzentration und Kreativität. Das Musizieren steigert zudem die emotionale Kompetenz und fördert kooperatives Verhalten, wissen Pädagogen.

Doch wo lernt man ein Instrument zu spielen? Für viele Kinder bieten Schulen den ersten Kontakt mit Instrumenten. Einer Bertelsmann-Studie zufolge ist Musik wichtig für die Persönlichkeitsbildung von Kindern; sie findet aber in den ersten, prägenden Schuljahren zu wenig statt. Musik werde in den Grundschulen zu selten unterrichtet und dann auch noch häufig „fachfremd“ von nicht dafür ausgebildeten Lehrkräften, lautete ein Fazit der Studie. An deutschen Grundschulen fehlen tausende Musiklehrer.

Wenn Eltern ihren Kindern ein Instrument nahebringen wollen, wenden sie sich in der Regel an Profis. Etwa an Musikschulen. Der Verband der Musikschulen in Deutschland (VdM) betreut etwa 950 Musikschulen mit rund 1,5 Millionen Schülerinnen und Schülern. Davon sind etwa 32 Prozent Grundschulkinder, 25 Prozent 10- bis 14-Jährige sowie 9,8 Prozent 15- bis 18-Jährige – der Rest Erwachsene, denn auch viele ältere Menschen entscheiden sich, noch einmal ein Instrument zu erlernen oder alte Kenntnisse aufzufrischen.

Leonard Tölg lernt bei Doris Gerhardt Klavier zu spielen.  Quelle: Privat

Auch zahlreiche heimische Orchester bieten Musikunterricht an – wie etwa die Stadtkapelle Wetter oder die Musikabteilung des VfL Marburg, um nur zwei zu nennen.

Neben den öffentlich geförderten Musikschulen gibt es noch viele professionelle Musiker und Musikerzieher, die Unterricht anbieten und im Deutschen Tonkünstler-Verband (DTKV) zusammengeschlossen sind. Der DTKV ist der älteste Berufsverband für Musiker in Deutschland. Er wurde bereits 1847 in Berlin gegründet und vertritt heute nach eigenen Angaben bundesweit rund 8300 Mitglieder – Musikpädagogen, Komponisten, Interpreten, Musikwissenschaftler.

Die Pianistin Doris Gerhardt aus Fronhausen ist Vorsitzende des Tonkünstlerverbands Marburg, der rund 35 Mitglieder hat, die alle auch Musikunterricht anbieten. Vertreten sind nahezu alle klassischen Instrumente: Klavier, Geige, Cello, Gitarre, Flöten, Trompete – auch Gesang und Bandcoaching werden angeboten. „Um Mitglied im DTKV zu werden, ist in der Regel ein abgeschlossenes Hochschulstudium nötig“, sagt Doris Gerhardt.

Sie selbst hat zwischen 25 und 30 Schülerinnen und Schüler. „Es gibt sicherlich schon Schülerinnen und Schüler im Vorschulalter. Die meisten aber steigen in der 3. oder 4. Klasse ein“, weiß sie aus Erfahrung. In der Regel kommen sie zu ihr nach Hause, es gebe aber auch Kolleginnen und Kollegen, die den Unterricht im Elternhaus der Kinder anbieten. „Das hängt ganz von der familiären und der Wohnsituation ab. Wenn man zur Miete wohnt, kann man Nachbarn oft nicht täglich stundenlanges Üben zumuten.“

Klavier, Geige und Gitarre als Favorit

Instrumenten-Favoriten sind aus ihrer Sicht Klavier, Geige und Gitarre – wobei Klavier und Geige wohl am schwierigsten zu erlernen seien. Doch wie lange braucht eine Schülerin oder ein Schüler, bis sie oder er Eltern oder Nachbarn nicht mehr „quält“? „Das hängt von der Leidensfähigkeit der Eltern ab“, sagt Doris Gerhardt augenzwinkernd. Und natürlich von der Motivation der Schülerinnen und Schüler. Vier bis fünf Jahre dauere es schon, sagt die erfahrene Musiklehrerin.

Die Ambitionen der Schülerinnen und Schüler sind naturgemäß sehr unterschiedlich. Nur der kleinste Teil strebt später ein Musikstudium an, entsprechend höher oder niedriger ist der Zeitaufwand. Wer ein Musikstudium anstrebt, weiß: er muss üben, üben, üben.

Corona hat die privaten Musikerzieher nicht so massiv betroffen wie Musikensembles und Chöre. Während letztere kaum oder nur erheblich eingeschränkt proben konnten, war privater Einzelunterricht nur im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 komplett untersagt. Viele Lehrkräfte stiegen um auf Online-Unterricht. Und doch sehen sie auch Nachteile etwa gegenüber Musikschulen. „Die haben es organisatorisch leichter, Schülerkonzerte und Ensemblespiel zu organisieren“, sagt Doris Gerhardt und ergänzt: „Wir würden uns freuen über die Unterstützung durch die Stadt, die Kommunen oder den Landkreis, indem uns günstig Räume in Schulen oder Bürgerhäusern für Schülerkonzerte, aber auch zum Unterrichten zur Verfügung gestellt würden.“

Kontakt und Infos

Deutschen Tonkünstler-Verband (DTKV) in Marburg unter www.dtkv-marburg.de und Die Musikschule Marburg unter www.musikschule-marburg.de

Von Uwe Badouin