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Marburg Studie: Dritte Impfung verbessert Immunität von über 80-Jährigen
Marburg Studie: Dritte Impfung verbessert Immunität von über 80-Jährigen
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10:18 02.05.2022
Eine Studie unter Beteiligung von Marburger Forschern ergab, dass eine dritte Impfung gegen Corona die Immunität von über 80-Jährigen verbessert.
Eine Studie unter Beteiligung von Marburger Forschern ergab, dass eine dritte Impfung gegen Corona die Immunität von über 80-Jährigen verbessert. (Archivfoto) Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Auffrischen hilft: Impft man hochbetagte Personen ein drittes Mal gegen das Coronavirus SARS-CoV-2, so erhöht sich die Menge der Antikörper merklich und nimmt nicht so rasch ab wie nach der zweiten Impfdosis. Das hat eine Forschungsgruppe aus der Medizin herausgefunden, indem sie Blutanalysen bei Über-80-Jährigen durchführte, die mehrfach geimpft waren. Das Team berichtet im Fachblatt „Lancet Infectious Diseases“ über seine Ergebnisse, wie die Marburger Uni-Pressestelle jetzt mitteilte.

Wer sich impfen lässt, schützt sich selbst, trägt aber auch zur Eindämmung der grassierenden Coronavirus-Pandemie bei – so begründet die Bundesregierung ihre Impfkampagne. Aber wie lange hält der Schutz gegen eine Infektion nach einer Impfung an? „Die Immunität schwächt sich innerhalb von sechs Monaten nach Verabreichung der zweiten Dosis ab, was sich auch an zahlreichen Impfdurchbrüchen zeigt“, konstatiert der Marburger Mediziner Professor Michael Lohoff, einer der Leitautoren des Fachaufsatzes.

Diesen Effekt hat die dritte Impfdosis

Und welchen Effekt hat die dritte Dosis auf die Immunabwehr, insbesondere bei besonders gefährdeten Menschen? In einer früheren Studie hatte das Team bereits ermittelt, dass eine Auffrischungsimpfung die Immunreaktion von Hochbetagten verbessert, die nicht auf die ersten beiden Dosen ansprechen. Die damaligen Ergebnisse waren auf großes Interesse bei der Ständigen Impfkommission (Stiko) gestoßen.

Nun widmete sich die Forschungsgruppe der Immunantwort der großen Mehrheit von Senioren, die bereits durch zwei Impfungen geschützt sind – aber eben mit ungeklärter Dauer.

Um die Impfreaktion dieser Hochbetagten zu ermitteln, analysierte das Team Blutproben von 50 Probanden im Alter von über 80 Jahren, die mehrmals den Biontech-Impfstoff erhalten hatten. „Wir haben gemessen, wie viel Antikörper und T-Zellen das Immunsystem bereitstellt, und verglichen die Reaktionen auf die zweite und auf die dritte Impfdosis“, erläutert Dr. Henrik Mei vom Deutschen Rheuma-Forschungszentrum (DRFZ), ein weiterer Leitautor. Das Team ermittelte diese Werte viermal während eines Dreivierteljahres.

Das aus Sicht von Professor Lohoff überraschende Ergebnis: Die dritte Impfung ergab zwar deutlich bessere Ergebnisse in Sachen der Bildung von Anti-Körpern. Bei den für die Bekämpfung der aktuellen Omikron-Welle wichtigen Werte von T-Zellen waren die Ergebnisse allerdings schlechter. „Nach der dritten Impfung weist das Blut der Geimpften erheblich höhere Konzentrationen bestimmter Antikörper auf als nach zwei Impfdosen“, berichtet der Marburger Virologe Dr. Christian Keller, ein weiterer Leitautor.

Hingegen entwickele sich die Menge der T-Zellen, die für die zelluläre Immunantwort sorgen, ähnlich wie nach der zweiten Impfung.

Schlussfolgerungen sind komplex

Die Schlussfolgerungen für das Impfgeschehen sind durchaus komplex. „Wir kommen zu dem Schluss, dass eine dritte Impfdosis bei der Mehrzahl der älteren Geimpften einen insgesamt verbesserten Immunschutz für mindestens drei Monate bewirkt. Eine Grundimmunität ist durch die drei Impfdosen gewährleistet“, fasst Lohoff zusammen.

Eine klare Empfehlung für eine vierte Impfung will er alleine aufgrund der Laborwerte aus der Studie zwar nicht geben. Allerdings sagte Lohoff im Gespräch mit der OP, dass die Studienergebnisse für Menschen über 80 Jahre aus seiner Sicht eine vierte und somit weitere Auffrischungs-Impfung nahelegten. „Gerade bei Älteren oder Personen mit geschwächtem Immunsystem kann aber eine vierte Impfung notwendig werden, vor allem wegen der besseren Abdeckung der Omikron-Variante durch T-Zellen, die durch die Impfung induziert werden“, erläutert Lohoff. Professor Michael Lohoff ist Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der Universität Marburg. Privatdozent Dr. Christian Keller ist Oberarzt und Leiter der Virusdiagnostik am Institut für Virologie der Philipps-Universität. Zudem war Dr. Henrik Mei beteiligt, der das Zentrallabor Massenzytometrie am Deutschen Rheuma-Forschungszentrum (DRFZ) in Berlin leitet, einem Institut der Leibniz-Gemeinschaft. Außerdem trug das Institut für medizinische Bioinformatik und Biostatistik der Philipps-Universität Marburg zu der Studie bei.

Die Hessische Landesregierung, die Else-Kroener-Fresenius-Stiftung, der Senat von Berlin, die Deutsche Forschungsgemeinschaft sowie das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung förderten die beteiligten Wissenschaftler finanziell.

Von Manfred Hitzeroth

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