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Marburg Doppelter Verzicht - geteiltes Leid
Marburg Doppelter Verzicht - geteiltes Leid
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11:00 26.06.2022
Das Geschwisterpaar Barbara (links) und Christina Wille verzichten wegen der Inflation auf viele Dinge. Beide studieren an der Philipps-Universität in Marburg.
Das Geschwisterpaar Barbara (links) und Christina Wille verzichten wegen der Inflation auf viele Dinge. Beide studieren an der Philipps-Universität in Marburg. Quelle: Privatfoto
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Marburg

Alles wird teurer, das macht auch dem Marburger Geschwisterpaar Christina und Barbara Wille zu schaffen.

Beide Schwestern beziehen als Studentinnen BAföG. Christina arbeitet sogar noch nebenbei in einem Minijob. Medizinstudentin Barbara lebt zusätzlich von Unterhalt und Kindergeld. „Abzüglich Miete und so weiter habe ich noch etwa 400 Euro zum Leben“, sagt sie. Vor der Inflation konnte sie mit dem Geld einigermaßen gut leben. Ihre Anlagen schwinden. „Dieses Geld sollte eigentlich für Notfälle sein, ich musste aber in letzter Zeit immer öfter drangehen, um die normalen Lebenshaltungskosten finanzieren zu können“, sagt die 21-Jährige.

Auch ihre Schwester Christina ist eine Marburger Studentin. Sie lebt in einer kleinen Wohnung in der Stadtmitte. „Die Einnahmen decken die Ausgaben unterm Strich gen Null. Manchmal sind die Ausgaben höher als die Einnahmen“, sagt die 25-Jährige, „Extra-Ausgaben, zum Beispiel kaputte Elektrogeräte oder Reparaturen am Auto, sind aktuell nicht drin. Rücklagen kann ich nicht ansparen.“ Für viele Studierende und Auszubildende bedeuten die steigenden Preise in erster Linie Verzicht. „Ich verzichte am ehesten auf Freizeitaktivitäten oder mal etwas essen zu gehen“, sagt Barbara.

Teure Lebensmittel, schmales Portemonnaie

Apropos Essen: Die gestiegenen Preise machen sich auch im Supermarkt und Discounter deutlich bemerkbar. Die beiden Geschwister leben vegetarisch. „Vorher habe ich mir des Öfteren mal ein Ersatzprodukt geleistet oder sogar Milchalternativen gekauft, das mache ich jetzt aber nicht mehr so häufig, da diese im Vergleich teurer sind“, sagt Barbara. Beide kochen gerne frisch. „Frisches Obst und Gemüse ist preislich ja förmlich explodiert, sodass ich da jedes Mal genauer überlegen muss, was ich alles mitnehme und auf was ich verzichte“, erklärt die 25-jährige Erziehungs- und Bildungswissenschaftsstudentin.

Auch das Auto bleibt momentan stehen. Die beiden Schwestern nutzen weitgehend die öffentlichen Verkehrsmittel, denn „der Sprit ist einfach zu teuer“. In einem sind sich die Geschwister einig: Sie wünschen sich Entlastung.

Von Larissa Pitzen