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Marburg Stress? Der Nikolaus schwört auf gute Planung
Marburg Stress? Der Nikolaus schwört auf gute Planung
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00:15 05.12.2012
Einfach mal eine Runde Ausspannen, sich Zeit für sich nehmen. OP-Leser und Menschen, deren Leben in der Vorweihnachtszeit stressig ist, geben Tipps, wie abgeschaltet werden kann. Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Hand aufs Herz. Haben Sie schon Plätzchen ge­backen, die Nordmanntanne ausgesucht, Stiefel für den Nikolaus geputzt und Geschenke gekauft? Oder haben Sie dafür gerade keine Zeit, weil sie auf der Arbeit Überstunden leisten müssen? Schließlich steht der Jahresabschluss bevor. Rechnungen müssen geschrieben, Aufträge erledigt, die vergangenen Monate bilanziert werden.

Oh du stressige Weihnachtszeit. Besinnlichkeit? Fehlanzeige. Die Oberhessische Presse hat nachgefragt und sich Tipps vom Oberbürgermeister, dem Nikolaus, einem Psychiater geben lassen, wie die stressigen Tage genossen werden können.

Oberbürgermeister Egon Vaupel ist einer der Marke „würde gern, kann aber nicht“. „Die Adventszeit ist für mich eine Zeit der Hektik und Anspannung. Es ist die Zeit der Haushaltsberatungen.“ Mit „Oh du fröhliche“ hat das wenig zu tun. „Für mich ist das trotzdem eine besondere Zeit mit einem besonderen Flair. Und ich habe das große Glück, dass ich im Rathaus arbeite und somit mittendrin bin. Ich sehe, dass die Menschen die Gemeinschaft und das Miteinander suchen und sauge wochenlang den Flair vom Marktplatz auf.“ Der Oberbürgermeister selbst bleibt in den ersten Wochen nur Zaungast. „Aber wenn wir mit dem Haushalt die Grundlage für das nächste Jahr gemacht haben und wir den Abschluss geschafft haben, dann bewege ich mich innerhalb weniger Stunden in die Atmosphäre rein, die ich schon die ganze Zeit gespürt und aufgesaugt habe“, erklärt Egon Vaupel. Die Vorfreude bewahren, die Weihnachtsstimmung bewusst genießen. Das ist sein Tipp.

Weihnachtsstimmung zu verbreiten - das ist der Beruf von Stefan Georgi. Er arbeitet im Dezember als Nikolaus. Muss von Termin zu Termin hetzen. Obwohl hetzen das falsche Wort ist. „Ich nehme mir immer genug Zeit“, erklärt Georgi. Sein Geheimtipp: Gut planen und lernen, „nein“ zu sagen, Termine schon im Vorfeld nicht anzunehmen. „Ich halte das für enorm wichtig, dass ich genug Zeit mitbringe. Schließlich wäre die Enttäuschung groß, wenn der Nikolaus gehetzt wäre. Ich will auf alle Fragen und Wünsche reagieren können“, erklärt er. Auch seine Verwandlung zum Nikolaus braucht eines: Zeit. „Es gibt eine Kostüm-Verwandlung und eine mentale Verwandlung.“ Sobald er den Bart anklebt und den Mantel überstreift, wird seine Stimme um ein paar Oktaven tiefer. Dann ist er nicht mehr Stefan Georgi, sondern „der Weihnachtsmann, der Nikolaus oder Santa Claus - ganz wie mich die Menschen nennen. Ich versuche einfach die Sorgen zu Hause zu lassen und mich auf meinen Auftritt zu konzentrieren.“

Auch für den Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Professor Carsten Konrad, ist „Stress“ in der Weihnachtszeit kein Fremdwort. Dann, wenn die Tage länger werden, die Familie und die Gemeinschaft in den Mittelpunkt rücken, das Weihnachtsfest vor der Tür steht, suchen vermehrt Menschen den Rat der Psychiater. Der Dezember - für Konrad und seine Kollegen oftmals der stressigste Monat im ganzen Jahr. Er hat einen Weg gefunden, trotz der steigenden Arbeitsbelastung die Vorweihnachtszeit zu genießen. „An meiner beruflichen Belastung kann ich nichts ändern. Aber ich sehe zu, dass ich in meiner Freizeit die Planung runterfahre.“ Statt von Verpflichtung zu Verpflichtung zu hetzen, rät der Facharzt für Psychiatrie und Psy­chotherapie, sich Zeit für die wirklich wichtigen Dinge zu nehmen. In seinem Fall: Die Familie. „Es war oft so, dass ich gestresst war und bis zum letzten Moment gearbeitet habe - dann war Weihnachten auch nicht mehr so schön“, erklärt er. Um die Vorfreude nicht von der Arbeitsbelastung schlucken zu lassen, hat sich der Neurologie und Psychiater in diesem Jahr erstmals eine Sache fest vorgenommen: „Ich habe drei Tage vor Weihnachten frei. Und ich habe mir schon einige Geschenke überlegt.“ Auch dies eine Lehre, die er aus den letzten Jahren gezogen hat: Die wenige freie Zeit sollte mit Sinnvollerem als mit panischen Geschenkkäufen verbracht werden.

Tipps und Geschichten der OP-Leser

Kochkurs für die Katz
„Ich habe mal einen Kochworkshop „Stressfrei durch die Weihnachtstage“ besucht und das Fest gut geplant. Erst wurde meine Mutter krank, dann habe ich mich angesteckt. Seither wissen alle in der Familie, dass man Weihnachten auch Spaghetti mit Tomatensoße essen kann, wenn Mutter ausfällt und sich trotzdem wohl fühlen kann. “
Brigitte Horstmann-Sprenger
(via facebook)
Mit einem Tee auf die Couch
„Ganz viel Tee. Und mit einem guten Buch auf die Couch zurückziehen.“
Manu Ela (via Facebook)