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Marburg Streikende UKGM-Mitarbeiter bilden Menschenkette
Marburg Streikende UKGM-Mitarbeiter bilden Menschenkette
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17:58 10.12.2020
Beschäftigte des UKGM haben gestern eine Menschenkette vom Büro der Grünen bis zum CDU-Büro gebildet. OP-Krankenpfleger Frank Eggers forderte mehr Anerkennung und eine bessere Bezahlung. Quelle: Foto: Nadine Weigel
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Marburg

Es soll ein Signal an die Regierungsparteien in Hessen sein: Hunderte Beschäftigte des Universitätsklinikums Gießen und Marburg (UKGM) haben gestern eine Menschenkette im Marburger Südviertel gebildet – von der CDU-Geschäftsstelle an der Gisselberger Straße bis zur Grünen-Geschäftsstelle an der Frankfurter Straße. Am zweiten Tag ihres Warnstreiks, zu dem die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hatte, forderten sie damit politische Unterstützung für ihre Anliegen. „Wir streiken für eine bessere Eingruppierung, für eine bessere Bezahlung und für bessere Arbeitsbedingungen“, rief Gewerkschaftssekretär Fabian Dzewas-Rehm durchs Megafon. „Wir sind hier, um die Landesregierung aufzufordern, ihre Untätigkeit zu beenden, aktiv für die Beschäftigten einzutreten und Druck auf den Rhön-Konzern auszuüben.“ Unter anderem fordert Verdi eine Angleichung der Gehälter an den Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes.

Bernshausen: Rückkauf ist aktuell nicht möglich

Durch die Menschenkette bildeten sich vorübergehend auch lange Autoschlangen. „So lange wie diese Menschenkette heute ist der Protest gegen die Privatisierung des UKGM“, sagte OP-Krankenpfleger Frank Eggers in einer Rede vor der Grünen-Geschäftsstelle. „Wir wollen am Krankenbett genug Zeit haben für unsere Patienten, und dieses Anliegen hat auch die Bevölkerung.“ Bessere Löhne und Arbeitsbedingungen, die Übernahme von Auszubildenden und der Schutz vor Altersarmut seien auch deshalb wichtig, damit es in Zukunft genug qualifiziertes Personal am Klinikum gebe. „Ich bin jetzt 62 Jahre alt und ein lebendes Fossil der Krankenpflege“, sagte Eggers. „Es kann nicht sein, dass nach mir niemand mehr kommt!“

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Um Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) zum Gespräch einzuladen, begann Eggers sogar einen Schlager zu singen: „Angelina, Angelina, hörst du meine Concertina?“ Dorn konnte den Schlager allerdings nicht hören, da sie in Wiesbaden in einer Landtagssitzung war, ebenso wie Dirk Bamberger (CDU). „Wir haben es verdient, dass jemand mit uns spricht“, sagte Eggers. Zum Gespräch kam dann zwar kein Landespolitiker, aber Nadine Bernshausen, Kreistagsabgeordnete und Oberbürgermeister-Kandidatin der Grünen. Bernshausen sagte, die Grünen seien immer gegen die Privatisierung gewesen und sie unterstütze das Anliegen einer fairen Bezahlung aller Beschäftigten. „Ich bin hundertprozentig auf Ihrer Seite“, sagte sie. Auf den Zwischenruf „Ja, dann macht doch was, ihr seid doch in der Regierung!“ versprach sie, das Anliegen an Ministerin Dorn weiterzugeben. Das Land müsse bei den Verhandlungen über die Trennungsvereinbarung Druck auf den Klinikbetreiber Rhön ausüben. Zum Thema Rückkauf äußerte sie sich zurückhaltend. „Sie haben völlig recht, dass das Universitätsklinikum in die öffentliche Hand gehört. Aber es gibt die Möglichkeit eines Rückkaufs aktuell nicht.“

Verdi-Fachsekretär Dzewas-Rehm sagte, im nächsten Jahr gingen die Verhandlungen über die sogenannte Trennungsrechnung und die Investitionskosten in die entscheidende Phase. Bei der Trennungsrechnung geht es um die Finanzierung von Forschung und Lehre am Universitätsklinikum. Dafür bekommt Rhön-Klinikum Geld vom Land Hessen. Die Landesregierung könnte diese Vereinbarung aus Sicht von Verdi nutzen, um bessere Bedingungen für die Beschäftigten festzuschreiben.

Für die Patienten hatte der Streik nach Aussage von UKGM-Sprecher Thomas Steiner keine nennenswerten Auswirkungen. „Wegen des Warnstreiks mussten vereinzelt elektive Eingriffe im OP-Bereich verschoben werden und es kam zu einigen Wartezeiten“, teilte Steiner mit. Zu gefährlichen Situationen für Patienten sei es zu keiner Zeit gekommen. Am Dienstag hätten 80 bis 150 Beschäftigte gestreikt, für gestern lägen noch keine Zahlen vor. Laut Verdi konnten sich unter anderem wegen der Corona-Pandemie viele Beschäftigte nicht am Streik beteiligen.

Von Stefan Dietrich