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Marburg Streaming vs. Kino: Zukunft offen
Marburg Streaming vs. Kino: Zukunft offen
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20:00 08.04.2022
Corona hat einen Trend verstärkt, der sich schon seit Jahren angekündigt hat.
Corona hat einen Trend verstärkt, der sich schon seit Jahren angekündigt hat: Streamingdienste erobern die Wohnzimmer. Quelle: dpa/Daniel Reinhardt
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Ein Grund für den Erfolg von Streamingdiensten ist technischer Natur: Die Datenraten, die per Internet zu Hause ankommen, steigen stetig, lassen bessere Übertragungen zu. Was in der Musikindustrie mit Spotify und Co. schon durchexerziert wurde, erreicht nun die Filmindustrie. Heute gibt es Abo-Dienste wie Amazon Prime, Netflix, Disney Plus, Apple TV+, Sky Ticket, RTL+ Premium, Joyn TV. Weitere wie Paramount + werden folgen, wenn sie noch Fuß fassen können.

Der Markt ist in US-Hand

Derzeit teilen sich vor allem die US-Riesen den Markt auf: Netflix (32 Prozent Marktanteil 2021 in Deutschland), Amazon Prime Video (31 Prozent), Disney+ (18 Prozent) und Sky Ticket (7 Prozent). Dies geht aus den Zahlen des Analyseunternehmens Just Watch hervor. Diese Zahlen sind jedoch mit Vorbehalt zu genießen. Andere Analyseunternehmen nennen andere Zahlen, die zum Teil erheblich davon abweichen. Und auch über die Zahl der Abonnenten schweigen sich die Streamingdienste aus.

Darum streame ich gerne

Ich schaue so gut wie gar kein lineares Fernsehen mehr. Die Werbung nervt mich einfach. Auch ins Kino gehe ich nicht mehr so oft wie früher. Das liegt nicht nur an der Pandemie, sondern eher an den steigenden Preisen. Streaming-Dienste überzeugen mich vor allem mit ihrem großen Angebot. Ich kann mich frei entscheiden, wann ich was ansehen möchte, kann mir meine Lieblingsmenschen zum gemeinsamen „Netflix’n’Chill“ einladen. Und einer der besten Vorteile: Pipi-Pausen. Kurz mal auf Stopp gedrückt, schon kann ich für kleine Mädchen gehen, ohne etwas zu verpassen. Das ist im Kino leider nicht möglich. Man stelle sich vor, jemand stoppt im Kino die Vorstellung, nur weil eine Person mal auf’s stille Örtchen muss. Ich glaube, da wären alle anderen Kinobesucher nicht so begeistert. Die ganz großen Hollywood-Blockbuster schaue ich mir dann aber doch lieber auf der großen Leinwand an. 

Larissa Pitzen, OP-Volontärin

Hollywood-Giganten bleiben beim Kampf um Inhalte auf der Strecke

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Längst tobt hinter den Kulissen ein Kampf um die Inhalte. Die steuerte bislang vor allem Hollywood bei. Doch die lange unangefochtenen Hollywood-Giganten verlieren. Amazon hat kürzlich das traditionsreiche Filmstudio Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) für 8,45 Milliarden Dollar gekauft. MGM ist das James-Bond-Studio. Disney hat 2012 für etwa vier Milliarden US-Dollar Lucasfilm Ltd. übernommen und 2019 große Teile von 20th Century Fox für geschätzt 71,3 Milliarden Dollar. Noch hat diese Konzentration keine großen Auswirkungen auf die Zahl der deutschen Kinos. Laut statista gab es 2002 in Deutschland 1 844 Lichtspielhäuser, im Jahr 2021 waren es 1 723. Doch wie es weitergeht im Kulturkampf zwischen Streamingdiensten und Kinos ist offen, zumal sich auch die Sehgewohnheiten ändern: Binge-Watching kommt aus dem englischen und ist längst auch in Deutschland ein geflügeltes Wort für einen Serienmarathon. Es ist ein Suchtphänomen.

Von Uwe Badouin