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Marburg Straßensperrungen zum Schutz von Kröten und Co.
Marburg Straßensperrungen zum Schutz von Kröten und Co.
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19:00 19.03.2022
Kröten und andere Amphibien gehen demnächst in Mittelhessen auf Wanderschaft. Führt der Weg über Straßen, wird das lebensgefährlich.
Kröten und andere Amphibien gehen demnächst in Mittelhessen auf Wanderschaft. Führt der Weg über Straßen, wird das lebensgefährlich. Quelle: Foto: Gunther Weisert/RP Gießen
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Die Tage und auch die Nächte werden immer milder, die Bodentemperatur steigt, zudem kommen nun Regenschauer hinzu – das sind ideale Voraussetzungen für Amphibien, sich auf ihre alljährliche Laichwanderung zu begeben. Immer mehr Tiere verlassen ihre Winterquartiere und wandern zu ihren angestammten Laichgewässern.

Dabei müssen sie oft Straßen und Verkehrswege überwinden, die Gefahr, überfahren zu werden, ist für die nur langsam vorankommenden Tiere groß. Beispiel: Eine Erdkröte benötigt zehn bis zwanzig Minuten, um eine 15 Meter breite Straße zu überqueren. Alleine in Hessen werden jährlich rund eine Million Amphibien überfahren.

Um Tiere wie Verkehrsteilnehmer zu schützen, werden während der Laichwanderung auch in diesem Jahr besonders betroffene Straßen zeitweise ab dem Abend gesperrt. Und zwar die Gemeindestraße zwischen Marburg-Ronhausen und Weimar-Argenstein (ehemalige Kreisstraße 42) sowie die Kreisstraße 59 zwischen Roth und Niederwalgern. Die Sperrung erfolgt mit Hilfe von ehrenamtlichen Helfern vor Ort, welche die Straßen und Schranken kontrollieren.

Fortpflanzung nur im Wasser

Die Sperrungen werden in Absprache zwischen der Gemeinde Weimar und den Naturschutzbehörden des Kreises Marburg-Biedenkopf und der Stadt Marburg durchgeführt. Sie gelten seit dieser Woche bis zum 24. April, täglich von 19 bis 6 Uhr.

Die wechselwarmen Amphibien können zwar ab einem gewissen Alter dauerhaft an Land leben – für die Fortpflanzung sind sie jedoch ans Wasser gebunden. Daher müssen sie die gefährliche Wanderung auf sich nehmen und legen dabei zum Teil Entfernungen von mehreren Kilometern zurück: Die Erdkröte beispielsweise bis zu 2 200 Meter. Nicht selten werden weite Strecken auch in mehrtägigen Etappen absolviert.

Nachdem sich die Tiere in ihren Laichgewässern fortgepflanzt haben, begeben sie sich wieder zurück in das meist weit entfernte Sommerquartier, denn die Tiere sind ortstreu und leben bis zum Herbst dort in einem kleinen Revier. Das Wanderverhalten wird durch mildes Klima ausgelöst. Falls dies durch eine längere Kälteperiode unterbrochen werden sollte, werde laut Kreis auch die Straßensperrung für diesen Zeitraum aufgehoben. Oder früher beendet, sollte die Wanderung vor dem Stichtag größtenteils abgeschlossen sein.

Auch das Regierungspräsidium Gießen ruft weiterhin zu erhöhter Aufmerksamkeit auf und rät dazu, die Geschwindigkeiten nachts, in den frühen Morgenstunden und besonders an Gefahrenstellen zu verringern. Welche Straßen im Kreis als gefährdet gelten, hat die Behörde aufgelistet (siehe Kasten).

Hier müssen Sie aufpassen

Die Obere Naturschutzbehörde im Regierungspräsidium Gießen empfiehlt erhöhte Vorsicht an diesen Streckenabschnitten im Kreis Marburg-Biedenkopf:

B 62: Ortsausgang Biedenkopf-Ludwigshütte Richtung Wallau; zwischen Kirchhain und Bürgeln, Höhe Anzefahr-Schönbach.

B 253: zwischen Breidenstein und Breidenbach; zwischen Ludwigshütte und Eifa.

B 255: zwischen Weidenhausen und Oberweidbach.

B 453: bei Gladenbach.

B 454: Ortsausgang Neustadt Richtung Wiera.

L 3042: zwischen Niedereisenhausen und Gönnern.

L 3048: zwischen Ebsdorf und Hachborn; zwischen Heskem und Wittelsberg; zwischen Kleinseelheim und Kirchhain, Höhe Radenhausen.

L 3071: zwischen Hatzbach und Speckswinkel.

L 3073: zwischen Kirchhain und Gemünden/Wohra, Höhe Heimbachteiche; zwischen Kirchhain und Rauschenberg.

L 3077: zwischen Bracht und Rosental.

L 3089: zwischen Bortshausen und Ronhausen; zwischen Ebsdorf und Bortshausen; zwischen Leidenhofen und Winnen.

L 3090: zwischen Oberasphe und Niederasphe.

L 3092: Marburg-Lahnberge, Botanischer Garten und Hans-Meerwein-Straße.

L 3125: zwischen Dreihausen und Roßberg; zwischen Roßberg und Wermertshausen.

L 3288: Ortsausgang Bottenhorn Richtung Frechenhausen.

L 3289: zwischen Marburg-Lahnberge und Schröck, Waldbereich.

L 3290: zwischen Stadtallendorf und Niederklein.

L 3387: zwischen Hermershausen und Nesselbrunn; zwischen Niederweimar und Haddamshausen, Höhe Allna-Teiche.

K 1: zwischen Wetter-Mellnau und Simtshausen.

K 9: zwischen Rauschenberg und Sindersfeld.

K 11: zwischen Rauschenberg und Himmelsberg.

K 15: Ortsausgang Momberg Richtung Wiera, Höhe Kläranlage; zwischen Momberg und Speckswinkel, Etzegeröder Hof.

K 18: zwischen Neustadt und Willingshausen.

K 19: L 3077/L3087.

K 20: Ortsausgang Neustadt Richtung Arnshain.

K 48: zwischen Kirchvers und Reimershausen, nördlich der Kreuzmühle.

K 51: Ortsausgang Erdhausen Richtung Rodenhausen.

K 59: zwischen Niederwalgern und Roth, Höhe Baggerseen.

K 66: Ortsausgänge Frohnhausen Richtung Friebertshausen und Sinkershausen.

K 68: zwischen Ockershausen und Hermershausen.

K 72: zwischen Elnhausen und Dilschhausen.

K 73: zwischen Damshausen und Friedensdorf.

K 78: zwischen Elnhausen und Dagobertshausen.

K 84: zwischen Sterzhausen und Wetter.

K 94: zwischen Niederklein und Rüdigheim.

K 109: B 62/Weifenbach.

Außerdem die Straßen zwischen Ronhausen und Argenstein; in Dagobertshausen „Im Dorfe“ und bei Niederhörlen.

Von Ina Tannert