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Marburg Neue Sellhof-Straße statt Hohe Leuchte?
Marburg Neue Sellhof-Straße statt Hohe Leuchte?
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00:18 12.05.2019
Über das Nadelöhr Hohe Leuchte und durch das dichtbesiedelte Alt-Ockershausen fahren täglich Tausende Autofahrer. Kann der Durchgangsverkehr reduziert werden?  Quelle: Björn Wisker
Marburg

Die Route könnte laut Vorstellungen der Konservativen in der Hermannstraße, an einem bisher als Feldweg deklarierten Abschnitt beginnen und nahe des Sellhofs enden – am Rand des Naherholungsgebiets. „Solche Alternativen zu bestehenden Strecken müssen wir prüfen“, sagt Dirk Bamberger, CDU-Parteichef.

Denn die Belastung der Anwohner sowohl in der Hohen Leuchte als auch am Rotenberg sei „massiv“ und vertrage angesichts der in den nächsten Jahren bevorstehenden Wohngebiets-Entwicklung am Hasenkopf und Rotenberg sowie dem fortschreitenden Ausbau des Pharmastandorts Behringwerke keine zusätzliche Belastung.

„Das ist jetzt schon ein ungesunder Zustand“, sagt Bamberger. Die jüngste Verkehrszählung der Stadt stützt das: Auf der Straße, im gesamten Bereich von Alt-Ockershausen verkehren im Tagesdurchschnitt mehr als 4000 Fahrzeuge – auch angesichts der Topografie fast ausschließlich Autos.

Der Ortsbeirats-Vorsitzende Ludwig Schneider steht der Idee trotzdem ablehnend gegenüber. „Wenn man so einen Weg zu einer Straße ausbaut, bekommt man ja im Stadtteil eher noch mehr Verkehr“, sagt er auf OP-Anfrage. Zwar müsse für die ­
Hohe Leuchte und auch die Stiftstraße eine „deutliche Verkehrsreduzierung“ her, eine neue Trasse zu bauen sei aber „der falsche Ansatz und kontraproduktiv“, gerade im Bereich des Naherholungsgebiets.

Sinnvoller wäre laut Schneider die Ausweisung von Ortskern-Bereichen etwa als Spiel- oder Anliegerstraßen, in denen Berechnungen zufolge täglich eher wenige Hundert statt mehrerer Tausend Autos verkehren.

Die Hohe Leuchte samt der Engstelle zur Ockershäuser Straße sei eine wesentliche Verbindung zum Schulviertel, den Bereich könne man zwar „nicht völlig dichtmachen“, aber die Bergstraße müsse „für Durchgangsverkehr unattraktiv gemacht werden“, sagt er.
Magistrat und Stadtplanung äußerten sich zur Situation kürzlich resigniert: Es sei trotz Neu-Wohngebieten und Mehr-Behringverkehr für Ockershausen „keine Lösung am Horizont“ (OP berichtete).

Bereits im Jahr 2007 gab es einen Rechtsstreit vor dem Verwaltungsgericht Gießen. Ein Anwohner der Hohen Leuchte hatte wegen des Lärms in der Straße (laut Gutachten 66 Dezibel bei Tag, 57 bei Nacht) geklagt, wollte eine Sperrung oder mindestens eine Einbahnstraßenregelung für die Berufspendlerstrecke erwirken.

Das Gericht folgte dem Ansinnen, die Stadt sperrte daraufhin die Straße probehalber, öffnete sie aber kurze Zeit später wegen anderswo auftretender Verkehrsprobleme.

     
von Björn Wisker