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Marburg Strafbefehl nach vorgetäuschtem Anschlag
Marburg Strafbefehl nach vorgetäuschtem Anschlag
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17:39 03.01.2021
Die Polizei sicherte am Gründonnerstag 2019 die Postfiliale in der Gutenbergstraße nach dem vorgeblichen Paketbomben-Attentat auf eine Marburger Firma. Quelle: Foto: Tobias Hirsch
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Marburg

Der angebliche Bombenanschlag hatte in Marburg für große Aufregung gesorgt: Am Gründonnerstag 2019 war es im Büro einer Firma an der Alten Kasseler Straße zu einer Explosion gekommen, der Geschäftsführer wurde dabei verletzt. Später stellte sich jedoch heraus, dass der damals 34 Jahre alte Mann die Bombe selbst gebastelt hatte, um eine Straftat vorzutäuschen (die OP berichtete). Inzwischen ist der damalige Beschuldigte verurteilt, wie die Staatsanwaltschaft Marburg auf OP-Nachfrage mitteilte.

Das Amtsgericht Marburg hat auf Antrag der Staatsanwaltschaft gegen den Beschuldigten einen Strafbefehl erlassen, wie Staatsanwalt Timo Ide erklärte. „Durch diesen mittlerweile rechtskräftigen Strafbefehl wurde der damalige Beschuldigte wegen Vortäuschens von Straftaten zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 10 Monaten verurteilt“, teilte der Sprecher der Marburger Staatsanwaltschaft weiter mit. „Die Vollstreckung der Freiheitsstrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.“

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Polizeiaktion in der Gutenbergstraße

Paragraf 145 d, Absatz 1 des Strafgesetzbuches sieht für das Vortäuschen einer Straftat eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vor. Da die Strafe zur Bewährung ausgesetzt ist, muss der verurteilte Täter nicht ins Gefängnis, wenn er in der Bewährungszeit von drei Jahren keine weiteren Straftaten begeht. Er muss als Bewährungsauflage 2 000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen, erklärte Ide. Durch den Strafbefehl kommt es nun nicht zu einem Hauptverfahren vor Gericht. Ein Strafbefehl werde insbesondere in Fällen erlassen, in denen der Täter geständig sei, erläuterte Ide auf Nachfrage der OP. Das war der Fall, wie die OP bereits im April 2019 schrieb: „Neben seinem Geständnis, die Bombe selbst gebastelt zu haben, räumte der Mann ein, weitere Taten (unter anderem Raub, gefährliche Körperverletzung, Diebstahl und Sachbeschädigung), welche er bei der Polizei angezeigt hatte, vorgetäuscht zu haben“, hieß es damals im Bericht.

Die Staatsanwaltschaft beantragt in solchen Fällen einen Strafbefehl, das Amtsgericht prüft, ob die Voraussetzungen vorliegen. Dies entlastet die Justiz und erspart dem Angeklagten den Gerichtsprozess. Die Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe ist per Strafbefehl nur möglich, wenn der Beschuldigte einen Verteidiger hat und die Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird – beides war hier der Fall.

Strafrechtlich ist der Fall abgeschlossen

Der Beschuldigte bekommt bei diesem Verfahren den Strafbefehl zugestellt und hat dann zwei Wochen Zeit, dagegen Einspruch einzulegen. In diesem Falle habe der Beschuldigte den Strafbefehl akzeptiert. Somit wurde dieser rechtskräftig, und zwar bereits am 31. März 2020. Strafrechtlich ist der Fall damit abgeschlossen, eventuell könnten auf den Täter aber noch zivilrechtliche Folgen zukommen, sagte Ide. Die Tat hatte am Gründonnerstag 2019 einen großen Polizeieinsatz ausgelöst. Der Mann hatte angegeben, es sei beim Öffnen eines Pakets zu der Explosion gekommen. Deshalb kam es zu einer gut eineinhalbstündigen Kontrollaktion der Polizei in der Postfiliale in der Gutenbergstraße, wo die Firma des Verletzten ein Postfach hatte. Die Polizei wollte damit mögliche weitere Anschläge ausschließen. Sie setzte auch Spürhunde ein und sperrte das Gebiet weiträumig ab.

Zur Person des Täters und seinen Motiven machte Ide keine Angaben. Nach seinem Geständnis im April 2019 hatte die Staatsanwaltschaft mitgeteilt, der Mann habe persönliche und familiäre Probleme als Motiv angeben. Die Detonation einer Kartusche mit Feuerzeugbenzin in dem Paket habe er versehentlich verursacht. Er kam damals zur Behandlung ins Krankenhaus.

Von Stefan Dietrich