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Marburg Möge die Macht mit Euch sein
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07:59 04.05.2019
Zwei Helden aus dem Star-Wars-Universum: Luke Skywalker (Marcus Richter) und Rey (Nina Heckmann). Mit ihren Kostümen treten die heimischen Mitglieder des Clubs „Rebel Legion“ auch für wohltätige Zwecke auf. Foto: Leonie Brosz
Zwei Helden aus dem Star-Wars-Universum: Luke Skywalker (Marcus Richter) und Rey (Nina Heckmann). Mit ihren Kostümen treten die heimischen Mitglieder des Clubs „Rebel Legion“ auch für wohltätige Zwecke auf. Quelle: Leonie Brosz
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Marburg

Anlass für den „Feiertag“ ist ein Wortspiel: Der berühmte Satz „May the ­force be with you“ (Möge die Macht mit Euch ein), der in den Filmen häufig vorkommt.

Das klingt im Englischen ähnlich wie die Aussprache des 4. Mai – „May, the fourth“.

Am 4. Mai 2011 riefen kanadische Fans in Toronto erstmals zum Feiern an diesem Tag auf. Längst haben auch Lucas­film und Disney auf das Phänomen reagiert und nutzen den 4. Mai für ihre Marketingstrategie.

An diesem Tag der Fans werden Filmmarathons veran­stalten, Grüße in sozialen Netzwerken geteilt und Star-Wars-
Rezepte gekocht. Das Marburger Cineplex bot Fans des Genres am Star-Wars- Tag in der Vergangenheit unter anderem einen Film-Marathon.

Mitglied in internationalem Club

Diesmal gebe es nichts Spezielles im Programm, sagt Betreiberin Marion Closmann. Sie weiß aber, dass es rund um die ­Saga auch hier im Landkreis eine große Fangemeinde gibt. Und die fiebert jetzt schon dem 19. Dezember entgegen, an dem die Episode 9, „The Rise Of Sky­walker“, in die Kinos kommt. Im deutschsprachigen Raum trägt der Film den Titel „Der Aufstieg Skywalkers“.

Die OP sprach mit zwei Star-Wars-Fans, die ihre Neigung zu der Saga auf ganz besondere Weise pflegen: Marcus Richter und Nina Heckmann. Sie gehören dem internationalen Kostümverein Rebel Legion an.

Auf OP-Mitarbeiter Marcus Richter sprang der Star-Wars-Funke etwa im Alter von zwölf Jahren über. Mit seinem Papa schaute er sich im Kino Episode 6 an. „Ich fand den Film cool, habe viele Bilder dazu gemalt und mir ein Lichtschwert aus Pappe gebastelt“, erinnert er sich. Das Album mit Panini-Bildern von Episode 6 hat er heute noch.

Recherche für Fasching stand am Anfang

Manche Filme liefen später im Fernsehen, die nahm er auf Vhs-Kassetten auf. Im Sommer 1999 brachte ein Kumpel die nicht ganz legale Kopie von Episode 1 mit. „Die schlechte Aufzeichnung schauten wir uns auf dem Computer an, bevor der Film im Kino lief“, berichtet er. Seit dem Einzug des Internet wartet er – wie alle Fans – sehnsüchtig auf neue Trailer.

Die Diskussionen im Netz sieht er gelassen. Man lese überwiegend kritische Beiträge. So gefalle es manchen Fans nicht, wie sich Charaktere in den neuen Filmen entwickeln, weiß er. „Beim ersten Anschauen der Episode 8 dachte ich: Das ist der beste Star-Wars-Film. Das hat sich ein bisschen relativiert. Ich finde ihn aber immer noch klasse, und ich hoffe, dass mich auch Episode 9 begeistern wird“, sagt er.

Marcus gehört seit 2012 einer ­besonderen Strömung der Star-Wars-Fans an. Damals wollte er sich für Fasching ein Jedi-Kostüm anfertigen. Er fing an zu recherchieren, „denn im Film achtest du in der Regel auf die Handlung, nicht auf die Details“. Im Internet stieß er auf den internationalen Kostümverein Rebel Legion. Deren deutsche Untergruppe heißt German Base Yavin.

Kostümvereine

Helle Seite der Macht
International: Rebel Legion
Deutschland: German Base Yavin

Dunkle Seite
International: 501st Legion
Deutschland: German Garrison

Dort fand der 47-jährige Marburger Anleitungen, wie ein Kostüm aussehen muss.

Mit dem Eintritt in das zugehörige Forum sei man ­quasi passives Mitglied.

„Um vollwertiges Mitglied zu werden, muss man ein Kostüm anfertigen, das den 
Richtlinien entspricht.

Das soll so detailgetreu sein, dass es im Film auftauchen könnte“, erklärt er.

Wenn man Kostüme anmelden wolle, müsse man Fotos einreichen. Ein Gremium schaue sie sich an und entscheide über die Zulassung, erklärt Marcus. Seine ersten beiden 
Jedi-Kostüme passierten ­diese Hürde ruckzuck. 2017 reichte er sein Luke-Skywalker-Kostüm ein. Auch das wurde zugelassen.

Monatelange Suche nach passenden Stiefeln

Leichte Bedenken hatte das zuständige schwedische Jurymitglied wegen Marcus’ grauer Perücke. Und weil er nicht immer die Kapuze tragen wollte, ließ sich der Marburger Haare und Bart auf Skywalker-Länge wachsen. Vor Auftritten färbt er sich die Haare mit speziellem Gel, den Bart mit weißer Wimperntusche.

Aufwendiger war es, das Kostüm anzufertigen. Monatelang suchte er, bis er die passenden Stiefel fand. Die ließ er sich von einem Schuster umarbeiten. Basierend auf der Farbschattierung der Stiefel suchte er sich den Stoff für die übrige Kleidung aus. Ein Vierteljahr später war das Skywalker-Outfit aus Episode 7 fertig.

Das Nähen hat sich Marcus selbst beigebracht. Das hat 
er mit ­Nina Heckmann gemein. Sie ist seit einem Jahr Mitglied in der German ­Base Yavin, die Figuren der hellen ­Seite der Macht darstellt. Sie gehört auch deren größerer und älterer Schwestergruppe an, der German Garrison, der deutschen Untergruppe des internationalen Clubs 501st Legion.

Fast alles selbst gemacht

Auf der hellen Seite der Macht stellt sie Rey dar. Zurzeit arbeitet sie an dem Kostüm von Padmé Amidala. Auf der dunklen Seite der Macht schlüpft sie in das Kostüm von Qi’ra, der weiblichen Hauptfigur aus dem jüngsten Solo-Film. „So weit es geht, mache ich fast alles selbst. Es gibt Sachen, die müssen 3D-gedruckt sein, die bestelle ich“, sagt sie.

Nina kommt aus Ebsdorfergrund und studiert heute in Gießen Biologie. Die 23-Jährige schaute sich 2002 den ersten Star-Wars-Film gemeinsam mit ihrem älteren Bruder an. „Ich war viel zu jung, um die Handlung zu verstehen“, sagt sie und ergänzt: „Ich war fasziniert von Padmé Amidala, als sie in ihrem weißen Outfit an einer Säule stand und sich vor den Monstern gerettet hatte.“

Sie sah weitere Filme, baute mit ihrem Bruder Lichtschwerter aus Papierrollen, und sie stellten Kämpfe nach. Bei Episode 7 saß sie erstmals im ­Kino, um einen Star-Wars-Film zu ­sehen. Sie guckte alles über die Saga, auf Vhs-Kassetten, die ihre Eltern ausgegraben hatten, und auch Trickfilme.

Auftritte dienen oft wohltätigen Zwecken

Seit sie den Kostümvereinen angehört, schaut sie sich die Filme unter ganz anderen Gesichtspunkten an, achtet auf Details: Wo sitzt die Naht? Welcher Stoff wurde verwendet? So wie Marcus kann sie meist nur an Wochenenden Events besuchen, zu denen Star-Wars-Kostümierte eingeladen sind. Die Vereinsmitglieder sind ehrenamtlich unterwegs, dürfen kein Geld für ihre Auftritte verlangen.

Oftmals sind sie auf Benefiz-Veranstaltungen zu Gast. „Ich habe genau das gefunden, wo meine Kreativität am besten zum Ausdruck kommt“, sagt Nina und fährt fort: „Ich habe im letzten Jahr tolle Events erlebt und tolle Menschen kennengelernt.“

„Skywalker“ und „Rey“ sind in ihren Kostümen an diesem Samstag bei der Sternwarte in Darmstadt zu bewundern, die zum Tag der offenen Tür einlädt. 


Bei aller Freude trauern die beiden, wie Fans weltweit, über den Tod von Star-Wars-Legende Peter Mayhew (74), der „Chewbacca“ darstellte.

von Hartmut Berge