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Marburg Star-Pianist kommt nach Marburg
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15:00 26.04.2022
Der Pianist Vadim Neselovskyi gibt am 10. Mai ein Benefizkonzert für die Ukraine im Erwin-Piscator-Haus.
Der Pianist Vadim Neselovskyi gibt am 10. Mai ein Benefizkonzert für die Ukraine im Erwin-Piscator-Haus. Quelle: Yaroslavna Chernova
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Marburg

Die Marburger Schlosskonzerte veranstalten am Dienstag, 10. Mai, zusätzlich zum geplanten Saison­programm ein Benefizkonzert für die Ukraine: Ab 19.30 Uhr gastiert der Jazzpianist Vadim Neselovskyi mit seiner „Suite Odesa“ im Erwin-Piscator-Haus. Die Einnahmen werden vollständig an die Nothilfe Ukraine von „Aktion Deutschland Hilft“ gespendet, teilte der Verein mit. Unter­stützt wird die Veranstaltung von Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, der auch Schirmherr der gesamten Konzertreihe ist, und dem Fachdienst Kultur.

Vadim Neselovskyi vereint nach Meinung des Deutschlandfunks „klassisches Formbewusstsein, europäische Klangästhetik und die Freiheit der Improvisation“. Neselovskyis Musik pendele zwischen bittersüßen, elegischen Ton-Poemen und quirligen, tänzerischen, ungemein vitalen Augenblicken. Die Symbiose aus Jazz, einer klassischen Musizierhaltung und osteuropäischem Temperament sei „tönender Ausdruck der Biografie eines Weltbürgers, dessen multikulturelle Erfahrung und Identität sich in seiner Klangkunst manifestiert“.

Der in Düsseldorf und New York lebende Jazzpianist Vadim Neselovskyi widmet sein persönlichstes Werk seiner Heimatstadt Odessa, einer Hafenstadt am Schwarzen Meer, die von der russischen Invasionsarmee bedroht ist. Seit dem 24. Februar, als die russische Armee die Ukraine überfiel, arbeitet der Musiker an Benefizkonzerten, um den Menschen in der Ukraine zu helfen. „Ich mache nichts anderes mehr seitdem“, teilte er mit. „Ich kann leider nicht mit Waffen umgehen. Ich möchte helfen mit dem, was ich am besten kann.“ Also spielt er seine „Suite Odesa“ an verschiedenen Orten in Amerika und Europa und verzichtet auf Gage.

Einstiges Wunderkind lehrt an Berklee School in Boston

Er telefoniere täglich mit Freunden und Musikerkollegen in der Ukraine. Mancher übernachte im Wohnungsflur, weil dies sicherer sei im Fall eines Raketeneinschlags. „Man hört Explosionen in der Ferne. Das am Telefon zu erfahren, ist schon traumatisierend“, meint der 44-jährige Pianist.

Vadim Neselovskyi wurde einst als Wunderkind gefeiert. Er war der jüngste klassische Klavierstudent in der damals noch sowjetischen Ukraine. Als Neselovskyi 17 Jahre alt und bereits ein fertig ausgebildeter klassischer Pianist war, emigrierte er mit seinen Eltern als jüdischer Kontingentflüchtling nach Deutschland. Er beschloss, Jazz im Land seines Ursprungs zu studieren, und ging an die Berklee School of Music in Boston.

Mit seinen vielfältigen Talenten zog Vadim Neselovskyi die Aufmerksamkeit des großen Lehrers und Vibrafonisten Gary Burton auf sich, der ihn in sein legendäres Generation Quintet holte. Auf Vorschlag von Herbie Hancock bekam er später ein Vollstipendium am Thelonious Monk Institute. John Zorn lud ihn ein zu The Book Beriah, dem letzten Akt seines Vierteljahrhundert-Projektes Masada. Seine erste Solo-CD produzierte 2013 kein Geringerer als der international renommierte Jazzpianist Fred Hersch. Inzwischen unterrichtet Vadim Neselovskyi selbst an der Berklee School of Music in Boston.

Infos

Eintrittskarten kosten 20 Euro, Schwerbehinderte, EhrenamtscardinhaberInnen und Vereinsmitglieder der Marburger Schlosskonzerte zahlen 15 Euro, Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahren, Studierende, Azubis und StadtpassinhaberInnen 10 Euro, ABOplus-Kunden der Oberhessischen Presse 18 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre ist der Eintritt frei.

Karten gibt es in allen bekannten Vorverkaufsstellen sowie online über ADticket und Reservix.

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