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Marburg Preis für Gas steigt
Marburg Preis für Gas steigt
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12:54 18.11.2020
Weil erstmals der CO2-Preis erhoben wird, steigen die Gaspreise um etwa zehn Prozent an. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Themenfoto
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Marburg

Verbraucher in Deutschland müssen sich im kommenden Jahr auf höhere Gaspreise einstellen – auch bei den Stadtwerken Marburg. Grund sind der Start des CO2-Preises sowie höhere Netzentgelte.

„Wir rechnen damit, dass die Gaspreise im kommenden Jahr wieder deutlich anziehen“, sagt Thorsten Storck, Energieexperte des Vergleichsportals Verivox.

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Die gestiegenen Netzentgelte würden mit rund zwei Prozent zu Buche schlagen – was bei einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden etwa 8 Euro jährlich ausmache.

Hinzu kommt, dass 2021 die CO2-Bepreisung im Verkehr und bei Gebäuden startet – mit dem Ziel, fossile Brenn- und Kraftstoffe weniger attraktiv zu machen und zum Umstieg auf klimafreundlichere Alternativen anzuregen.

Monatlich neun Euro mehr

Der Emissionshandel beginnt mit einem fixen CO2-Preis von 25 Euro pro Tonne. Laut Umweltministerium bedeutet dies, dass etwa Erdgas um 0,6 Cent pro Kilowattstunde teurer wird – bedeutet bei dem 20.000-Kilowattstunden-Verbrauch einen Mehrpreis von 108 Euro pro Jahr.

In diesem Rahmen spielt sich auch die Preiserhöhung des Gaspreises bei den Stadtwerken Marburg ab: Der Arbeitspreis des Produkts „Erdgas Premium“ steigt am 1. Januar um 0,55 Cent auf 6,15 Cent je Kilowattstunde an – ein Plus von 10 Prozent. Der Grundpreis bleibt unverändert bei 11,66 Euro je Monat.

„Bei einem Durchschnittsverbrauch von 20.000 Kilowattstunden im Jahr fallen für Kundinnen und Kunden der Stadtwerke Marburg monatliche Mehrkosten von etwa neun Euro an“, rechnet Stadtwerke-Geschäftsführer Holger Armbrüster vor. Auf die Erhöhung habe man keinen Einfluss, „diese Kosten, die der Gesetzgeber uns auferlegt, müssen wir leider weitergeben“, so Armbrüster – so, wie alle Gasversorger.

Zwölf Monate Preisgarantie

Gute Nachrichten gibt es indes für die Strom- und Wasserkunden der Stadtwerke: Dort wird nicht an der Preisschraube gedreht, „wir freuen uns, dass wir den Strom- und den Wasserpreis in diesem Jahr stabil halten können“, so Armbrüster. Auch an den Grundgebühren ändere sich nichts. Zudem gebe man bei den Strompreisen eine Preisgarantie für das gesamte kommende Jahr – für eine langfristige Sicherheit.

Dabei werden auf den Stromrechnungen der Privathaushalte die sogenannten Netzentgelte im kommenden Jahr voraussichtlich leicht steigen. Die Bundesnetzagentur hat in einer Stichprobe ein bundesweites Plus von 0,5 Prozent ermittelt. Für einen Haushaltskunden mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden erhöhen sich die Kosten für die Stromnetze von 7,85 auf 7,89 Cent je Kilowattstunde. Das geht aus Berechnungen der Bundesnetzagentur hervor, die der dpa vorliegen. Die Netzentgelte blieben damit „im bundesweiten Durchschnitt nahezu konstant“, heißt es in der Analyse.

Und wer zahlt die Mehrkosten?

Entlastung beim Strompreis gibt es 2021 bei der EEG-Umlage. Die Bundesregierung hat den Beitrag der Verbraucher zur Förderung des Ökostroms auf 6,5 Cent im kommenden Jahr und auf 6,0 Cent im Jahr 2022 gedeckelt. Ohne diesen Zuschuss wäre sie 2021 auf 9,651 Cent pro Kilowattstunde gestiegen. In diesem Jahr liegt die Umlage bei 6,756 Cent.

Die Bundesregierung will die Bürger mit dem Start des CO2-Preises an anderer Stelle entlasten. So steigt die Pendlerpauschale für Arbeitnehmer mit längeren Fahrwegen. Außerdem hat die Regierung einen starken Anstieg der Strompreise durch einen Milliarden-Bundeszuschuss bei der EEG-Umlage zur Förderung des Ökostroms verhindert.

Noch umstritten ist es, wie zusätzliche Heizkosten zwischen Mietern und Vermietern aufgeteilt werden sollen. Die SPD-geführten Bundesministerien für Umwelt, Justiz und Finanzen wollen, dass Vermieter höchstens die Hälfte der Zusatzkosten, die künftig beim Heizen mit Öl oder Erdgas entstehen, auf die Miete aufschlagen dürfen. Bundesumweltministerin Svenja Schulz (SPD) sagte dazu: „Es sind schließlich die Vermieter, die über eine neue Heizung entscheiden. Darum sollten sie auch ihren Anteil am CO2-Preis tragen.“

Von Andreas Schmidt und unserer Agentur

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