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Marburg Jahresüberschuss von 667.000 Euro
Marburg Jahresüberschuss von 667.000 Euro
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18:00 03.12.2019
Die Strompreise steigen für Stadtwerke-Kunden zum Jahreswechsel um knapp fünf Prozent – und damit etwas weniger stark, wie im Bundesdurchschnitt. Quelle: Hauke-Christian Dittrich
Marburg

Gute Nachrichten­ hat Geschäftsführer Holger Armbrüster für die Gaskunden der Stadtwerke: „Die Gaspreise bleiben über den Winter hinweg stabil“, sagt er. Das sei der Beschaffungsstrategie der Stadtwerke geschuldet.

Nicht ganz so gut sieht es für die Stromkunden aus: „Die Strompreise mussten wir aller­dings erhöhen, das hat sich schon seit längerer Zeit angekündigt“, sagt Armbrüster. Der Grund: Sowohl Netzentgelte als auch EEG-Umlage seien gestiegen – insgesamt machten Kosten und Umlagen fast 80 Prozent des Strompreises aus, „wir haben nur wenig Gestaltungsmöglichkeiten“, verdeutlicht Armbrüster. Jedoch sei es „durch die Optimierung unserer Beschaffungsstrategie“ gelungen, die Erhöhung möglichst gering zu halten. Zum Vergleich: Während hessenweit die Strompreise im Durchschnitt um rund sechs Prozent steigen werden, fällt die Erhöhung für Stadtwerke-Kunden mit fünf Prozent ­
etwas geringer aus. So bedeute der aktuelle Preisanstieg bei ­einem Verbrauch von 3 000 Kilowattstunden im Jahr Mehrkosten von knapp vier Euro im Monat.

In der Grundversorgung steigt der Grundpreis von 9,79 auf 10,63 Euro, der Arbeitspreis von 28,87 auf 30,12 Cent je Kilowattstunde. Macht beim Grundpreis ein Plus von 8,6 Prozent, beim Arbeitspreis ein Plus von 4,33 Prozent.
Ebenso kräftig steigt der Grundpreis im Wahltarif Premium – von 9,79 auf 10,63 Euro. Der Arbeitspreis in diesem Tarif erhöht sich von 25,91 auf 27,16 Cent je Kilowattstunde – ein Plus von 4,8 Prozent.

Internet-Geschwindigkeit wird kostenlos verdoppelt

Den Preis könne man für mindestens zwölf Monate garantieren, zudem habe man sich für das kommende Jahr schon eingedeckt – „und für das Jahr danach ebenfalls zum großen Teil“. Freuen können sich übrigens Internet-Kunden: „Die Down­load- und Upload-Geschwindigkeiten werden noch vor Weihnachten für alle Privatkunden ohne zusätzliche Kosten verdoppelt.“ 

Die Stadtwerke Marburg erwirtschafteten mit der gesamten Unternehmensgruppe im vergangenen Geschäftsjahr einen Überschuss von 667 000 Euro – knapp 460 000 Euro weniger als im Vorjahr. „Das ist jedoch kein Einbruch, der uns Sorgen bereitet – das war erwartbar“, erläutert Stadtwerke-Geschäftsführer Norbert Schüren im Gespräch mit der OP. Vielmehr sei der immens hohe Jahresüberschuss im vergangenen Jahr auf Einmaleffekte zurückzuführen – unter anderem auf eine hohe Steuerrückzahlung.

Die Bilanzsumme der Gruppe­ stieg von gut 118 Millionen Euro auf satte 125 Millionen Euro. „Wir haben wieder ein sehr gutes Jahr gehabt“, zeigte sich Schüren zufrieden. So ist die Zahl der Stromkunden vertriebs- und netzseitig im vergangenen Jahr um 303 auf 68 635 gestiegen. Der Absatz in der Stromsparte stieg um gut 3 Millionen auf 255,6 Millionen Kilowattstunden.

Warmer Winter: Weniger Absatz bei Gas und Wärme

Auch die Zahl der Vertriebs- und Netzkunden in der Gas­sparte ist gestiegen: Um 179 auf 16 612. Allerdings sei der Erdgasabsatz aufgrund der Witterung und des Verlusts eines Großkunden um 98 Millionen auf 514 Millionen Kilowattstunden gefallen. „Allerdings hält sich der Verlust durch den Großkunden in Grenzen, da dort die Marge nicht so hoch ist“, sagt Schüren.

Die Wärmeabgabe ging aufgrund des warmen Winters ebenfalls um 1,9 Millionen auf 74,2 Millionen Kilowattstunden zurück.

Die Verkehrssparte war erneut defizitär: ein Minus von 5,7 Millionen Euro stand unterm Strich – im Gegensatz zu minus 4,3 Millionen Euro im Vorjahr. Dabei betrug die Beförderungsleistung 3,368 Millionen Kilometer, die Zahl der Fahrgäste stieg auf 18,5 Millionen an. Durch den neuen Tarifabschluss der Busfahrer (die OP berichtete) könnte das Defizit weiter steigen. Dennoch bezeichnete Schüren den Abschluss als einen „Meilenstein. Wir haben einen tariflichen Rückweg angetreten, den Gewerkschaften und auch Politiker seit 20 Jahren gefordert haben“. Das Risiko schätzt Schüren „auf bis zu 900 000 Euro – dagegen steht eine steigende Qualität des Nahverkehrs, weil wir nun deutlich bessere Chancen haben, Fahrer zu rekrutieren.“

von Andreas Schmidt