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Marburg Stadtteil erlebt „rasante Veränderung“
Marburg Stadtteil erlebt „rasante Veränderung“
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20:02 01.07.2012
In Dagobertshausen soll eine Reitanlage errichtet werden. Archivfoto
In Dagobertshausen soll eine Reitanlage errichtet werden. Quelle: Archivfoto
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Marburg

Die Familie Pohl plant in Dagobertshausen eine Reitanlage, wo auch Reitturniere stattfinden sollen. Wie bereits im Bauausschuss (die OP berichtete), waren sich die Vertreter der Fraktionen auch im Stadtparlament uneins, ob das Vorhaben für den Stadtteil gut sei. Wilfried Wüst, Fraktionsvorsitzender der FDP, der sich selbst dem Reitsport sehr verbunden fühlt und prinzipiell nichts gegen eine solche Anlage habe, wie er sagte, äußerte große Bedenken wegen des zu erwartenden Verkehrs. Bisher gebe es in dem Stadtteil eine Eventscheune. Was diese bereits an Verkehr anziehe, habe sich jüngst beim Erdbeerfest gezeigt. „Überall standen Autos, es hätte nur noch gefehlt, dass sie in den Vorgärten abgestellt werden“, sagte Wüst. Lärm, Dreck und Unruhe kämen auf die Bewohner von Dagobertshausen zu, prophezeite er. Im Zuge des Projekts werde nun auch noch die Straße saniert, wodurch die Anwohner mit Beiträgen belastet würden.

„Mit Blauäugigkeit werden Investitionen für ein kleines Dorf geplant“, sagte der Fraktionsvorsitzende der Marburger Linken, Henning Köster. „Ich frage mich, was in Marburg noch nicht nach einem bestimmten Herrn benannt ist“, so Köster. Darüber empörte sich der CDU-Fraktionsvorsitzende Philipp Stompfe: Es gebe jedes Mal Pauschalkritik, wenn es um Investitionen der Familie Pohl gehe. „Dagobertshausen erlebt zurzeit eine rasante Veränderung und die wird von der Mehrheit begrüßt“, machte Stompfe klar.

„Ich sehe in Dagobertshausen eine Entwicklung zum Positiven“, sagte auch Rainer Flohrschütz (Grüne). Natürlich würden Kultur und Events Verkehr mit sich bringen, aber eben auch Leben in den Ort. Da müsse man vernünftig abwägen.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Steffen Rink kritisierte, dass alles, was in Marburg passiere unter dem Gesichtspunkt Parkplätze gesehen werde. Und er stellte klar: Dass die Straße saniert werde, hätte nichts mit der geplanten Reithalle zu tun. Das bestätigten auch Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) und Bürgermeister Dr. Franz Kahle. „Die Straße ist kaputt und muss saniert werden“, sagte Kahle. Dafür müssten die Bürger ihrer Beitragspflicht nachkommen. Die Straßensanierung mit der Errichtung der Reitanlage zu verquicken, sei unzulässig.

Der Ausbau der Straße sei bereits in einem Haushaltsentwurf gewesen bevor die Familie Pohl den Hof Scherer gekauft habe, sagte OB Vaupel. Das Projekt sei dann wieder aus dem Haushalt herausgenommen worden, weil zunächst eine Anliegerversammlung stattfinden sollte.Laut Kahle verdiene die Familie Pohl Respekt, weil sie einen landwirtschaftlichen Betrieb übernommen hätten. Auch dem Verfall des Dorfkerns sei entgegengewirkt worden, machte Kahle deutlich.

Mit den Stimmen von CDU, SPD und Grüne wurde der Offenlegung des Bebauungsplanes und einer Änderung des Flächennutzungsplans zugestimmt. Die Marburger Linke stimmte dagegen, Marburger Bürgerliste, FDP und der Piraten enthielten sich der Stimme.

von Heike Horst