Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Stadtparlament gibt grünes Licht
Marburg Stadtparlament gibt grünes Licht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:01 01.03.2022
Das Foto zeigt einen Teil des künftigen Wohnquartiers Stadtwald.
Das Foto zeigt einen Teil des künftigen Wohnquartiers Stadtwald. Quelle: Archivfoto
Anzeige
Marburg

Das neue Wohnquartier am Hasenkopf soll als Vorzeigequartier für ein zukunftsfähiges, klimagerechtes und sozial durchmischtes Wohnen mit alternativen Mobilitätsangeboten entwickelt werden. So beschloss es das Stadtparlament am Freitagabend (25. Februar) mit breiter Mehrheit.

Der aus dem städtebaulichen Wettbewerb zur Wohnquartiersentwicklung Hasenkopf hervorgegangene Siegerentwurf des Büros Lohrer.Hochrein aus München soll die Grundlage für die weiteren Planungsschritte zur Umsetzung des zukunftsweisenden Wohnquartiers bilden.

Die Stadtverordnetenversammlung hat sich bereits im November 2018 dazu entschlossen, die Siedlungserweiterungsfläche am Hasenkopf zu entwickeln. Besonderheit: ein besonderer Fokus auf Klimaschutz und Klimaanpassung, Nachhaltigkeit und dem Anspruch eines innovativen Mobilitätskonzeptes.

4408 Wohnungen müssten bis 2035 in Marburg gebaut werden

Der Magistrat sieht diese Anforderungen durch den Siegerentwurf des städtebaulichen Wettbewerbs erfüllt. In seiner Rede vor dem Parlament sparte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies jedenfalls nicht mit Superlativen. Das gilt auch für die Entstehungsgeschichte des Siegerentwurfs: Von der „breitesten Bürgerbeteiligung“, die jemals stattgefunden hatte, sprach Spies. Die Planung sei ein „städtebaulicher Aufbruch“ für den Einklang von Mensch und Natur, ein „wegweisendes Modell“ für zukunftsfähiges Bauen, ausgerichtet auf die Mobilitätswende und in der Tradition des sozialreformerischen Modells der Gartenstadt des frühen 20. Jahrhunderts. „Eine Gartenstadt ist eine planmäßig gestaltete Siedlung auf wohlfeilem Gelände, das dauernd in Obereigentum der Gemeinschaft gehalten wird, derart, dass jede Spekulation mit dem Grund und Boden unmöglich ist“, so beschreibt die Deutsche Gartenstadt-Gesellschaft die Idee.

In den vergangenen Wochen und Monaten hatte es unter anderem in Ockershausen Proteste wegen der vermuteten stärkeren Verkehrsbelastung gegeben. Spies sagte, der Magistrat nehme die Bedenken ernst, verwies aber lediglich auf das in Arbeit befindliche Verkehrskonzept „Move 35“, das in der zweiten Jahreshälfte fertig sein solle. Zudem gebe es ja einen Radweg von der Kernstadt bis zum Stadtwald, der nur eine „sanfte Steigung“ aufweise.

Bis zum Jahr 2035 müssten in Marburg 4408 Wohnungen gebaut werden, das gehe nicht mit der Nutzung und der Verdichtung der Stadt wie in der Temmlerstraße oder der Beltershäuser Straße.

Erhalt von Biodiversität

Jens Womelsdorf, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD-Fraktion und seit einer Woche Landrats-Kandidat der SPD, lobte den Siegerentwurf, der den Flächenverbrauch noch einmal reduziert hatte. Er betonte die Zukunftsfähigkeit der Pläne mit Bezug auf die Mobilitätswende: Pro Wohneinheit sei nur ein Viertel Park- oder Stellplatz vorgesehen. „Ich werde mich freuen, zuzuschauen, wie der Stadtteil wächst“, sagte Womelsdorf.

Auch die Marburger Linke unterstützt die Pläne. „Wir brauchen in Marburg mehr bezahlbaren Wohnraum, deswegen gehen wir den Weg mit“, sagte Tanja Bauer-Wöhr.

Für die Grünen betonte Uwe Volz das auch im Regionalplan festgelegte Konzept von Biotopverbünden. Der Erhalt und der Ausbau von Biotopverbünden sei ein wichtiger Beitrag für den Erhalt von Biodiversität. Hermann Heck (CDU/FDP) merkte an, dass gegen die Wohnungsnot nur eines helfe: „Bauen, Bauen, Bauen!“. Nur mit Ein- und Zweifamilienhäusern sei der Wohnungsmangel nicht zu beheben. Michael Selinka (CDU/FDP) widersprach der Einschätzung des „Vorzeigequartiers“ und bezeichnete die Bürgerbeteiligung als „zweifelhaft“. „Bürgerbeteiligung bedeutet Dialog, nicht Monolog“, mahnte der Liberale an, der zudem die Radweg-Verbindung aufs Korn nahm. Sie sei nicht geeignet, die Verkehrsprobleme zu lösen.

Spies ist von dem Radweg aber dermaßen überzeugt, dass er Selinka anbot, im Frühjahr gemeinsam die Strecke zum Hasenkopf hochzufahren und am Ziel auszuwerten, wie die Fahrt per Rad tatsächlich zu einer Alternative werden kann.

Von Till Conrad