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Marburg Mehrheit spricht sich gegen gelbe Schleifen aus
Marburg Mehrheit spricht sich gegen gelbe Schleifen aus
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09:28 27.06.2022
Um das Anbringen des Symbols "Gelbe Schleife" streiten sich die Marburger Stadtverordneten.
Um das Anbringen des Symbols "Gelbe Schleife" streiten sich die Marburger Stadtverordneten. Quelle: Florian Lechbacher
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Marburg

Rund 40 Minuten debattierten die Stadtverordneten am Freitagabend (24. Juni), dann stand fest, dass in Marburg den Bundeswehrangehörigen weiterhin keine Solidarität mittels gelber Schleifen bekundet wird.

Dem Antrag der CDU/FDP-Fraktion stimmte nur noch die AfD zu, das Ansinnen der gemeinsamen Fraktion lehnte die Mehrheit aus SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke sowie zwei Fraktionslosen ab.

Zuvor wiederholten Befürworter und Gegner die schon im Hauptausschuss genannten Motive. Die Diskussion am Dienstag (21. Juni) fand er unangemessen, erklärte Freidemokrat Michael Selinka. Er wisse zwar, dass „unsere Bundeswehr“ für einige problematisch sei, jedoch rückten Einsätze wie zum Beispiel das Evakuieren von rund 5 350 Personen aus Kabul die Bedeutung der Bundeswehr in eine andere Dimension. Die Soldaten und Soldatinnen fühlten sich oft nicht als Teil der Bevölkerung und würden sich über Anerkennung oder das Bekunden von Mitgefühl freuen und die gelben Schleifen seien solch eine Bekundung. Christian Schmidt erwiderte wie im Ausschuss, dass die gelben Schleifen eine Symbolik darstellten, die den Bundeswehrangehörigen angesichts der miserablen Ausrüstung wie Hohn vorkommen müsse.

Es sei nicht damit getan, fuhr der Fraktionsvorsitzende der Grünen fort, die Probleme wie bei Pflegekräften durch plumpe Symbolik zu übertünchen. Da die wirklichen Probleme nicht angegangen würden, hege er den Verdacht, dass mit den gelben Schleifen dem Militarismus Vorschub geleistet werde. Der Niedergang der Gunst der Bundeswehr hänge vielmehr mit den haarsträubenden Skandalen zusammen, deren Ausmaß und Folgenschwere nicht wegzudiskutieren seien.

"Schlag ins Gesicht der Soldaten"

Schmidts Äußerungen bezeichnete der CDU-Fraktionsvorsitzende Jens Seipp als Schlag ins Gesicht der Bundeswehrsoldaten. Sicherlich seien unter den CDU/SPD-Regierungen Fehler im Umgang mit der Bundeswehr gemacht worden, aber deren Angehörige müssten anders behandelt werden: „Wenn ihnen gelbe Schleifen als Anerkennung genügen, ist es das, was wir in Marburg machen können.“ Seipp stimmte bei der Abstimmung für den Antrag, obwohl er bekannte, dass der persönliche Vortrag von Dr. Mohammad Malmanesh ihn mehrmals tief habe schlucken und sehr bewegt habe. Der aus dem Irak stammende Stadtverordnete berichtete aus seiner Jugend, in der er eine Revolution und einen Krieg erlebte.

Damals seien Jugendliche, darunter auch Schulfreunde, durch rote Schleifen verführt worden, sich für den Kriegseinsatz zu melden, und seien nicht zurückgekehrt. Ein Schicksal, das er seiner Tochter ersparen wolle.

Von Gianfranco Fain

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