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Marburg 800 Biergarnituren auf der Stadtautobahn
Marburg 800 Biergarnituren auf der Stadtautobahn
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10:00 20.08.2020
Auf der Stadtautobahn sollen 800 Bierbänke aufgestellt werden – ähnlich wie in dieser Fotomontage.
Auf der Stadtautobahn sollen 800 Bierbänke aufgestellt werden – ähnlich wie in dieser Fotomontage. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Die spektakulärste Aktion, die im Marburger Jubiläumsjahr 2022 stattfinden soll, ist für den Pfingstsonntag geplant: Am 5. Juni 2022 soll nämlich die mitten durch Marburg führende Stadtautobahn zwischen den Anschlussstellen Marburg-Süd und Cölbe/Wehrda gesperrt werden. Unter dem Motto „Tischlein-Deck-Dich – Geburtstagstafel statt Autobahn“ sollen zwischen dem Aquamar und der Bahnhofsbrücke dann eine lange Tafel aus 800 Biertischgarnituren aufgebaut werden und zwar für ein „gesellig-kreatives Zusammensein“. Diese lange Tafel soll das „Symbol eines automobilen Zeitgeistes mit seinen ökologischen und separierenden Folgen“ für einen Tag umwidmen. Begleitet werden soll die „Lange Tafel“ für Vereine, Firmen, Organisationen, Kirchengemeinden, Nachbarschaften und Privatpersonen von kulturellen Veranstaltungen auf einer Fahrseite sowie von einem Festival für Mobilität und Klimaschutz. Als voraussichtliche Gesamtkosten für das Groß-Event werden in einer von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) unterzeichneten Magistratsvorlage für das Parlament 95.000 Euro genannt. Darin enthalten sind wohl auch mutmaßliche Kosten für die umfangreichen Umleitungen an diesem Tag, deren genaue Höhe noch nicht klar ist.

Jetzt werden jedenfalls allmählich Nägel mit Köpfen gemacht: Für das Stadtjubiläum „Marburg 800“ will die Stadt Marburg die Summe von 1,5 Millionen Euro ausgeben. Dies geht aus der Magistratsvorlage für den Schul- und Kulturausschuss in dieser Woche hervor. Das Gesamtbudget in dieser Höhe soll laut dem von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies unterzeichneten Beschlussvorschlag für die Haushaltsjahre 2021 und 2022 zur Verfügung gestellt werden. Zudem sei in dem Gesamt-Finanzvolumen bereits der Haushaltsansatz für dieses Jahr bereits enthalten.

Vergleiche mit Jubiläumsfeiern in anderen Städten hätten ergeben, dass mit der Summe von 1,5 Millionen Euro ein realistischer Ausgaben-Ansatz verfolgt werde. Zum Vergleich: Für das für das Jahr 2020 Jubiläum „Freiburg 900“ seien drei Millionen Euro an städtischen Ausgaben angesetzt – davon rund die Hälfte Personalkosten. Und die Stadt Fulda habe für das 1275-jährige Stadt-Bestehen im Jahr 2019 eine Million Euro ausgegeben, die Personal- und Regelmittel der beteiligten Fachdienste wiederum nicht eingerechnet.

Historischer Roman und Themenweg

In der Magistratsvorlage werden neben dem „Tischlein-Deck-Dich“-Vorhaben auch die in drei Arbeitsgruppen erarbeiteten anderen wichtigsten Großprojekte für „Marburg 800“ mit den bisherigen Kostenansätzen detailliert aufgelistet:

So wird Daniel Twardowski im Auftrag der Stadt einen historischen Roman über das Marburg im 13. Jahrhundert und ein Geschichtsbuch über eben diese Zeit in einem verfassen. Die Gesamtkosten für den Band „1222“ sollen 25.000 Euro betragen, davon sollen sich 20.000 Euro refinanzieren.

Der neue Themenweg „Marburg800“ soll wie die mittlerweile sieben anderen Themenwege (Universität, Grimm, Behring, Juden, Blinde, Reformation, Frauen) durch die Altstadt führen. Schwerpunkt wird das 13. Jahrhundert sein – beauftragt damit ist die Journalistin Gesa Coordes. Gerechnet wird mit Gesamtkosten von 8.000 Euro.

Geplant ist aus Anlass des Stadtjubiläums auch eine multimediale Darstellung der Stadtgeschichte, kombiniert mit ebensolchen Shows zur Geschichte der Elisabethkirche und der Vor- und Frühgeschichte des Landgrafenschlosses. Bei voraussichtlichen Gesamtkosten von 15 000 Euro erhofft sich die Stadt allerdings die Finanzierung durch einen Sponsoren.

Gala mit 800 per Zufall ausgewählten Marburgern

Für die Jubiläumsgala am 28. März 2022 mit 800 zufällig ausgewählten Marburgern in der Stadthalle werden 80.000 Euro veranschlagt.

Mit einem 8-Abende-Countdown soll der Jubiläumstag 28. März 2022 per 3D-Video-Mapping-Projektion auf das Marburger Rathaus visuell opulent eingeleitet werden. Voraussichtliche Kosten: 65.000 Euro.

Angedacht ist auch ein Open-Air-Konzert im Georg-Gaßmann-Stadion. Dafür sucht die Stadt noch nach Agenturen als professionelle Partner. Kosten für die Stadt könnten aber für Verkehrsplanung, Sicherheitskonzept und Ähnliches in Höhe von 50.000 Euro entstehen.

Weitere Ideen: eine „Awarenesskampagne“ im Bereich „Marburg erfinden“ (Kosten: 40.000 Euro); ein Festival der Zukunft (15.000 Euro), Zukunftsforen zur Zukunft des Geländes rund um die Philosophische Fakultät inklusiver möglicher erster Planungsschritte (Kosten: 140.000 Euro) sowie eine Vielzahl von kulturellen Aktivitäten, beispielsweise rund um das Marburger Schloss und das Theater sowie Institutionen der Universität wie dem Deutschen Sprachatlas oder Vereine wie den VfL Marburg, wofür noch einmal fast 250.000 Euro eingeplant werden sollten. Hinzu kommen 200.000 Euro für freie Projekte sowie 85.000 Euro für Sonderprojekte anderer Fachdienste.

Marburg 800

Die Stadt Marburg feiert im Jahr 2022 die 800-Jahr-Feier zur Erinnerung an die Ersterwähnung von Marburg als Stadt. In der „Reinhardsbrunner Chronik" wurde erwähnt, dass Landgraf Ludwig von Thüringen, Ehemann der Heiligen Elisabeth, im Jahr 1222 zu einer Gerichtsverhandlung „mit den Bürgern der Stadt" („cum burgensibus civitatis") in Marburg weilte. Erstmals wurde Marburg hier als „civitatis", also als Stadt genannt. Im August 2018 hatte der Marburger Magistrat den Einstieg in die Planung für die Feier des Stadtjubiläums „Marburg800“ beschlossen. Damals wurden drei Themen-Arbeitsgruppen initiiert:

„Marburg erinnern" rund um die 800-jährige Geschichte

„Marburg erleben" zu den Festlichkeiten in Kultur, Sport und Gesellschaft sowie

„Marburg erfinden" zu den Zukunftsperspektiven der Universitätsstadt.

von Manfred Hitzeroth