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Marburg Stadt sieht keinen Bedarf für Kältebus
Marburg Stadt sieht keinen Bedarf für Kältebus
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00:17 31.01.2019
In der städtischen Notunterkunft an der Gisselberger Straße sind Hunde verboten. Obdachlose wollen aber auch nachts nicht auf ihre Gefährten verzichten. Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Vor allem im Winter wird lauter über die Unterbringung von Obdachlosen diskutiert. Das bemerkt Gabriele­ Jürgen von der Tagesaufenthaltsstätte (TAS) des Diakonischen Werkes jedes Jahr. „Obdach- und Wohnungslose gibt es das ganze Jahr in Marburg“, sagte sie zur OP.

Die Diskussion angefacht hatte Henning Köster (Die Linke) auf der Haupt- und Finanzausschusssitzung Anfang der Woche. Er schickte anschließend mit Renate Bastian 14 Fragen an den Magistrat, die der Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) gestern auf der Stadtverordnetensitzung beantwortete.

Vorher erklärte das Stadtoberhaupt noch den Unterschied zwischen Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit. Während erstere „im Sinne des Paragrafen 10 des Hessischen Gesetzes über die öffentliche Sicherheit und Ordnung (HSOG) Menschen bezeichnet, die auf Anfrage einer städtischen Obdachlosenunterkunft zugewiesen sind, um nicht im Freien schlafen zu müssen, verfügen Wohnungslose über die Möglichkeit im familiären Umfeld unterzukommen oder Pensionen oder Hostels bezahlen können.“

Der Fachdienst Wohnungswesen/Obdachlosenangelegen­heiten der Stadtverwaltung hat, laut Spies, im Jahr 2018 insgesamt 48 Personen in den städtischen Obdachlosenunterkünften untergebracht. Die Zahl der wohnungslosen Menschen im Bereich der Universitätsstadt Marburg ist höher. Nach Angaben der Fachberatung Wohnen des Diakonischen Werks Marburg-Biedenkopf an der Gisselberger Straße 35 liegt sie bei ­etwa 180 Personen.

Als Grund für die Nichtnutzung der Notunterkünfte neben dem Gaßmann-Stadion sieht die Stadt das Verbot der Hundehaltung in den Räumen. „Zwar steht ein Hundezwinger im ­Außenbereich zur Verfügung, jedoch wird dieses Angebot regelhaft nicht genutzt, weil sich Hundebesitzer dieser Zielgruppe nicht von ihren Tieren – auch nicht nur über Nacht – trennen möchten“, informierte das Stadtoberhaupt, für den eine gemeinsame Unterbringung nicht infrage kommt.

Damit möchte er möglichen Konflikten der Tiere untereinander und dann womöglich unter den Haltern aus dem Weg gehen. Ebenso sollen Menschen, die Angst vor Hunden haben, auch in der Unterkunft nächtigen können.

Der zuständige Fachdienst und auch die TAS sehen derzeit keine Notwendigkeit für einen Kältebus oder Ähnliches für Marburg. Denn der Hausmeister lässt täglich in den Abendstunden bis 21 Uhr Wohnungs- und Obdachlose in das städtische Übernachtungsheim, die sich ausweisen können. Aber der Oberbürgermeister betonte­ noch einmal: „Im Winter wird natürlich jeder reingelassen.“

von Katja Peters