Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Sirenengeheul kommt digitalisiert daher
Marburg Sirenengeheul kommt digitalisiert daher
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:00 31.01.2022
Die Stadt Marburg installiert Feuerwehrsirenen vorzugsweise auf eigenen Gebäuden wie dem Bürgerhaus neben dem Gerätehaus der Feuerwehr in Schröck.
Die Stadt Marburg installiert Feuerwehrsirenen vorzugsweise auf eigenen Gebäuden wie dem Bürgerhaus neben dem Gerätehaus der Feuerwehr in Schröck. Quelle: Thorsten Richter
Anzeige
Marburg

In der Marburger Innenstadt heulen sie schon lange nicht mehr, aber in den Stadtteilen stehen sie noch auf meist städtischen Gebäuden und alarmieren die Mitglieder der Feuerwehren, wenn ein Einsatz ansteht. Da dies relativ selten der Fall ist, nehmen die Dorfbewohner die Sirenen einmal im Monat wahr, nämlich dann, wenn in Bauerbach, Bortshausen, Dilschhausen, Elnhausen, Haddamshausen, Hermershausen, Michelbach, Moischt, Ronhausen, Schröck und Wehrshausen die Motorsirenen zum Probealarm aufheulen.

Wie Stefanie Ingwersen von der Pressestelle der Universitätsstadt auf Nachfrage erklärt, ertönen die Sirenen in den Außenstadtteilen, auch wenn es gilt die Bevölkerung auf besondere Gefahren hinzuweisen. Dann ertönt als allgemeines Signal ein auf- und abschwellender Ton. Zusätzlich kann die Gefahrenabwehr der Stadt auf Lautsprecherwagen zurückgreifen, die vor allem in der Kernstadt zum Einsatz kommen. Denn dort sind keine Sirenen zu hören. Die Feuerwehrleute ruft die Leitstelle des Landkreises über Funkmeldeempfänger zu ihren Einsätzen. Außerdem greifen immer mehr Menschen in der Stadt zu ihren Handys, weil sie Warn-Apps wie Katwarn oder Nina, die Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes, nutzen.

Sind also die Tage der Sirenen gezählt? Ja und nein. Einerseits sind diese Relikte aus Kriegs- und Krisenzeiten noch gut in Schuss, weil sie kontinuierlich gewartet und bei Bedarf auch repariert werden. Andererseits sind die Motorsirenen Auslaufmodelle, die durch elektronische ersetzt werden. Das könnte in Marburg gar dazu führen, dass das Sirenennetz sogar erweitert wird.

Stadt nutzt Förderprogramm des Landes Hessen

Für das Umrüsten auf den digitalen Standard nutzt die Stadtverwaltung ein Förderprogramm des Landes Hessen. Ein Förderantrag ist bereits gestellt und wenn die Zusage des Landes eintrifft, kann der Austausch der Sirene in Bauerbach gegen ein digitales Modell erfolgen. Die Stadt rechnet mit Kosten von 7400 Euro, abzüglich der Landesförderung, deren Höhe noch nicht feststeht.

Nach und nach will die Stadtverwaltung dies auch für die anderen Motorsirenen so handhaben. Damit alle Marburger auf Gefahren hingewiesen werden, könnten weitere Sirenenstandorte entstehen. Dies wäre dann der Fall, falls eine Messuntersuchung „blinde Flecken“ aufdeckt. Diese Überprüfung wird aus Mitteln des Brandschutzes für „Umrüstung Sirenensteuerung und Funkgeräte“ gezahlt. In dem städtischen Teilhaushalt ist ein jährlicher Aufwand von rund 50.000 Euro vorgesehen, die allerdings nicht nur für die Sirenenumrüstung zur Verfügung stehen, sondern zum Beispiel auch für den Kauf von Funkgeräten.

Die restliche Finanzierung ist etwas unübersichtlich aufgeteilt. Ebenfalls aus dem Haushalt des Brandschutzes wird die „Funkanbindung“ bezahlt. Die Kosten für das Errichten, die Reparatur und das Instandhalten der Sirenen wird der Kostenstelle Hochbau zugerechnet, wo sie der allgemeinen Bauunterhaltung zugeschlagen und somit nicht separat ermittelt werden. Für das Umstellen der Sirenensteuergeräte von Analog- auf Digitalfunk erhielt die Stadt vom Land Hessen je 350 Euro pro Gerät.

Von Gianfranco Fain