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Marburg Warnung vor mutmaßlich Pädophilem
Marburg Warnung vor mutmaßlich Pädophilem
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19:00 29.10.2019
Die Staatsanwaltschaft Marburg warnt vor einem 21-Jährigen, den das Landgericht Marburg in erster Instanz wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu acht Monaten Haft verurteilt hat. Wegen einer mehr als einjährigen Untersuchungshaft befindet er sich aber auf freiem Fuß. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

„Das ist krank, da hat man doch Angst um seine Kinder“, schreibt eine junge Mutter auf Facebook. Sorgen wegen der „Gefahr für Kinder“ äußern viele weitere in den sozialen Netzwerken – mitunter mit Aufrufen zur Selbstjustiz. Es handele sich bei dem Schreiben an die für Kinderbetreuung zuständigen Fachdienste in Marburg und Gießen sowie die zwei Landkreise laut Staatsanwaltschaft um eine „Mitteilung in Strafsachen“ – nicht um eine Öffentlichkeitsfahndung.

In der Anordnung heißt es konkret: „Werden in einem Strafverfahren Tatsachen bekannt, deren Kenntnis aus der Sicht der übermittelnden Stelle zur Abwehr einer erheblichen Gefährdung von Minderjährigen erforderlich ist, sind diese der zuständigen öffentlichen Stelle mitzuteilen.“

Hintergrund ist ein Prozess, der im Juni vor dem Landgericht Marburg sein Ende gefunden hat. Wie die OP berichtete, war der Angeklagte zu acht Monaten Haft verurteilt worden – hatte aber bereits mehr als ein Jahr in Untersuchungshaft und in einer psychiatrischen Anstalt hinter sich.

Vater informierte Polizei über Neigungen des Sohnes

Daher befindet er sich wieder auf freiem Fuß. Die Staatsanwaltschaft hatte zwei Jahre Haft gefordert. Das Urteil enthält aber mehrere Weisungen: Der junge Mann darf sich nicht auf Spielplätzen, in der Nähe von Grundschulen oder Kindergärten aufhalten sowie keine Arbeit ausüben, bei der er mit Kindern unter zehn Jahren zu tun hat.

Der Heranwachsende wurde­ nach Jugendstrafrecht verurteilt; außerdem war bei ihm eine Intelligenzminderung festgestellt worden. Auch deshalb war er in einigen Anklagepunkten für vermindert schuldfähig erklärt worden. Der junge Mann hatte als Babysitter gearbeitet und sich dabei einem Kind unsittlich genähert.

Auch besaß er kinderpornografisches Material. Der Vater hatte die Polizei im März auf die Neigungen seines Sohnes hingewiesen, berichtete die OP. Der Sachverständige war im Prozess davon ausgegangen, dass der Angeklagte weiterhin versuchen werde, sich Kindern zu nähern – speziell Kindern im Alter von etwa zehn Jahren.

Polizei übernimmt eine Gefährderansprache

In Gießen habe er sich kürzlich ebenso um einen Praktikumsplatz in einer Kinderbetreuungseinrichtung beworben wie in der Vergangenheit in Marburg. Auch im Internet und möglicherweise über „schwarze Bretter“ biete er sich als Baby­sitter an, heißt es in der Mitteilung.

Weil das Urteil noch nicht rechtskräftig ist und es somit noch keinen Eintrag im Führungszeugnis gibt, hatte die Staatsanwaltschaft wohl zu dem Mittel der Mitteilung gegriffen. Die angeschriebenen Behörden hatten daraufhin Schulen und Kitas in Kenntnis gesetzt.

Parallel dazu unternimmt die Polizei eine Gefährderansprache. Dabei handelt es sich um ein Maßnahmenpaket, das von offener Ansprache bis hin zu nicht offenen Ermittlungen reicht. Eingeschlagene Pflöcke, um erneuten Missbrauch zu verhindern.

von Kays Al-Khanak und Björn Wisker