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Marburg Staatsanwaltschaft fordert zwölf Jahre Haft
Marburg Staatsanwaltschaft fordert zwölf Jahre Haft
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16:55 07.11.2019
Im Marburger Frühchenprozess hat die Staatsanwaltschaft ihr Plädoyer gehalten. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Im Frühchen-Prozess ist am Donnerstagmorgen die Beweisaufnahme abgeschlossen worden. Im folgenden Plädoyer forderte die Staatsanwaltschaft für die Angeklagte, die Ex-Kinderkrankenschwester Elena W., eine zwölfährige Haftstrafe - vor allem wegen mehrfachen versuchten Mords, Körperverletzungen und rohen Misshandlungen an drei am Uni-Klinikum frühgeborenen Kinder.

Elena W. habe "den Tod von Frühchen billigend in Kauf genommen", sei zwar bei Mia noch von dem Mordversuch strafbefreiend zurückgetreten, habe aber bei Johanna heimtückisch gehandelt und "ein schon schwer angeschlagenes Kind absichtlich mit aberwitzigen Dosierungen vergiftet". Sie habe einen "Tatplan verfolgt, der vorsah, das Frühchen immer wieder in kritische Situationen zu bringen um sich selbst als Retterin zu profilieren". Leni, das einzige im Nachgang verstorbene Frühchen sei aber "nicht im Zusammenhang mit der winzigen gegebenen Medikamentenmenge" gestorben sondern an ihrer schweren Vorerkrankung.

Hintergrund

Seit Januar 2019 steht eine frühere Kinderkrankenschwester des Marburger Universitätsklinikums wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und Misshandlung von Schutzbefohlenen vor dem Landgericht Marburg. Die 29-Jährige war zwischen Oktober 2015 und Februar 2016 als Mitarbeiterin auf der Neugeborenen-Intensivstation tätig. Sie soll drei Frühchen ärztlich nicht verordnete Medikamente gegeben haben. Die Babys sollen durch ihr Handeln in lebensbedrohliche Zustände geraten sein. Im Dezember 2015 starb eines der drei Mädchen.

70 Verhandlungstage sind für die gerichtliche Aufarbeitung des Falles veranschlagt, der im Frühjahr 2016 bundesweit für Schlagzeilen sorgte. Ende Februar 2020 soll das Urteil fallen. Am Donnerstag (7. November) hat jetzt die Staatsanwaltschaft ihr Plädoyer gehalten. Das der Nebenklage soll am Nachmittag folgen.

von Björn Wisker und unserer Agentur

[Mehr zu diesem Thema lesen Sie am Freitag (8. November) in der gedruckten OP.] 

Aus dem Archiv der OP

Hier können Sie die bisherigen Berichte zu den vergangenen Verhandlungstagen im Frühchen-Prozess lesen.

31.01.2019: So war der erste Prozesstag.

06.02.2019: Der zweite Prozesstag: Gutachter erklärt Medikamente

07.02.2019: Gutachter ringen mit Unklarheiten

09.02.2019: Bedrohliche Dosis Narkosemittel in Blutproben der Frühchen

14.02.2019: Das sagen die Eltern des toten Frühchens

20.02.2019: Mia lag da "wie eine Puppe"

21.02.2019: "Als wäre kein Leben in ihr drin“

28.02.2019: Kind wirkte wie narkotisiert

01.03.2019: Rätsel um Narkosemittel für Babys

04.03.2019: Angeklagte bricht in Tränen aus

05.03.2019: "Es hat immer ein bisschen geknirscht"

07.03.2019:  Leitende Ermittlerin sagt aus: "DNA der Angeklagten gefunden"

13.03.2019: Erstmals kamen Aussagen der Angeklagten zur Sprache.

15.03.2019: Kooperativ gegenüber Kripo

17.03.2019: Elena W. reagierte mit Tränen auf Haar-Analyse

27.03.2019: Verdacht erhärtet sich

28.03.2019: Ärzte haben unterschiedliche Ansichten

28.03.2019: Wurde Frühchen Leni falsch behandelt?

03.04.2019: Arzt sieht kein Mobbing bei Elena W.

04.04.2019: Krisenstab beschloss, Kripo zu rufen

10.04.2019: Kinderärztin hält Kinderkardiologen für "absolut zuverlässig"

11.04.2019: Medikamente werden von Schwestern bestellt

08.05.2019: Aussagen des Ex-Freundes verwirren

10.05.2019: Arzt schildert Reanimation

17.05.2019: Kinderarzt sagt aus

18.05.2019: „Sie verzettelt sich halt gerne“

20.05.2019: Experte: Es gibt keine Erfahrungen

08.06.2019: Kollegin beschreibt Elena W. als freundlich

12.06.2019: Hat Klinikangestellte Zeugen beeinflusst?

18.07.2019: Jungschwester hatte schweren Stand

07.08.2019: Elena W. war „eine schwache Schülerin“

01.08.2019: Zeugen: „Nett“ oder „hinterhältig“

02.08.2019: DNA von Elena W. auf Dormicum-Verpackung

15.08.2019: Toxikologe äußert sich zu Ketaminspuren

16.08.2019: „Ein totales Chaos“

28.09.2019: Leni galt als „Hochrisikofrühchen“

30.08.2019: Gutachter sieht Symptome von Narkosemittel

05.09.2019: Experte nennt Daten zu Gift-Dosis

06.09.2019: LKA-Experte findet neue DNA-Spur

19.09.2019: "Ohne ärztliches Eingreifen wäre sie gestorben"

25.09.2019: "Frühchengutachter weist extreme Gift-Dosis nach"

25.10.2019: Urteil verzögert sich

07.11.2019: Gericht bringt niedere Beweggründe ins Spiel