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Marburg Spurensuche nach Trinkwasser startet
Marburg Spurensuche nach Trinkwasser startet
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14:00 16.07.2021
Wasser aus dem Amöneburger Becken für Marburg, Amöneburg, Kirchhain und Ebsdorfergrund. Um die regionale Wasserversorgung sicherzustellen, sollen neue Quellen erschlossen werden. Eine Erkundungsbohrung startet Ende Juli bei Schröck.
Wasser aus dem Amöneburger Becken für Marburg, Amöneburg, Kirchhain und Ebsdorfergrund. Um die regionale Wasserversorgung sicherzustellen, sollen neue Quellen erschlossen werden. Eine Erkundungsbohrung startet Ende Juli bei Schröck. Quelle: Ina Tannert
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Die potenzielle Suche nach neuen Trinkwasserquellen im Amöneburger Becken hat die nächste parlamentarische Ebene erreicht – nach Marburg haben sich nun auch die Parlamente von Ebsdorfergrund, Amöneburg und Kirchhain mit dem Vorhaben befasst. Noch gibt es nicht von allen eindeutige Beschlüsse zu dem Infrastrukturprojekt.

Rückblick: Ende Mai hatten alle vier Bürgermeister eine rechtlich nicht bindende Absichtserklärung unterschrieben, mit dem Ziel, die gemeinsame Suche nach neuen Wasservorkommen voranzutreiben. Vorerst mittels ersten Probebohrungen bei Schröck, eventuell später bei Heskem. Hydrogeologische Untersuchungen deuten darauf hin, dass es in den aneinandergrenzenden Gebieten größere Grundwasservorkommen geben könnte, die auf dem Hoheitsgebiet aller vier Kommunen liegen und für eine dezentrale Wassergewinnung geeignet sein könnten (die OP berichtete).

Sollte sich das nach dem Probelauf bewahrheiten, könnte das einmal die Grundlage für eine interkommunale Zusammenarbeit der vier Nachbarn für die Erschließung sein – mit dem Ziel, die regionale Versorgung mit Grundwasser auszubauen.

Kirchhain und Amöneburg entscheiden später

Mit dieser möglichen Zusammenarbeit befassten sich nun die drei Parlamente, die Marburger Stadtverordnetenversammlung hatte bereits für das Vorhaben gestimmt.

Auch die Gemeindevertretung von Ebsdorfergrund sprach sich in einem Grundsatzbeschluss einstimmig für das Projekt und eine interkommunale Zusammenarbeit in diese Richtung aus. Dieses steht zwar erst am Anfang, sei aber als erster Schritt „absolut richtig“ zur Vorbereitung auf die Zukunft, in der Wasser wahrscheinlich ein zunehmend knappes Gut werde, betonte unter anderem Werner Böckler (SPD).

In Kirchhain wird es frühestens im September eine Entscheidung bei diesem Thema geben. Bei der Debatte im Vorfeld der Stadtparlamentssitzung hatte es einige Kontroversen unter den Fraktionen gegeben. Kirchhains Bürgermeister Olaf Hausmann (SPD) zog den entsprechenden Tagesordnungspunkt deshalb in der Stadtparlamentssitzung zunächst zurück. Er will die Vorlage ergänzen.

Die Stadtverordnetenversammlung von Amöneburg begrüßt es grundsätzlich, mit anderen Kommunen über die Wasserversorgung zu beraten, einen Beschluss fasste das Parlament jedoch noch nicht. Das Thema wurde vorerst an die Ausschüsse verwiesen, die unter Einbeziehung von Fachleuten in einer gemeinsamen Sitzung später noch einmal darüber beraten sollen.

Bohrungen beginnen Ende Juli

Unabhängig von noch kommenden Beschlüssen aus den Kommunen werden die Stadtwerke ab Ende Juli auf eigene Kosten bereits mit Erkundungsbohrungen bei Schröck im Gebiet „Heiliger Born“ in der Nähe des Sportplatzes beginnen. Gebohrt wird dort auf einem Acker bis zu einer Tiefe von rund 200 Metern. Das Regierungspräsidiums Gießen hatte dem Projekt bereits für die nächsten fünf Jahre zugestimmt. Der erste Testlauf samt Pumpversuch soll über rund sechs Wochen durchgeführt werden und zeigen, ob sich der Standort überhaupt rechnet. Ob es dort ausreichend Wasser in entsprechender Menge und Qualität gibt und wie viel davon später einmal abgezapft werden könnte. Denn die Quelle solle im Rahmen der Grundwasserneubildung nicht überfordert werden, wie alle vier Kommunen bereits betont hatten.

Zudem müsste ausgeschlossen werden, dass sich das Wasservorkommen nicht mit einem anderen, bereits genutzten Reservoir überschneidet. Das Projekt ist im Sinne der Planungssicherheit eher auf Jahrzehnte denn auf Jahre ausgelegt und soll langfristig mehr Unabhängigkeit von der überregionalen Wasserversorgung bringen.

Von Ina Tannert, Michael Rinde und Florian Lerchbacher