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Marburg Sportstudentin will Flüchtlingen helfen
Marburg Sportstudentin will Flüchtlingen helfen
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12:50 23.02.2020
Die 22-jährige Kimberly Landfried vor der ehemaligen Erstaufnahme-Einrichtung in Cappel. Nächste Woche kommt sie auf der Ägäisinsel Lesbos an, um im zentralen Aufnahmelager Moria mit Geflüchteten zu arbeiten. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

„Ich muss mit offenen Augen durch die Welt laufen, damit ich sehe, was so nicht bleiben kann. Und dann kann ich anderen vermitteln, was sie vielleicht noch nicht sehen.“ Das sagt Kimberly Landfried im zarten Alter von 22 Jahren. Während die selbstbewusste Studentin erzählt – auch von ihrer Arbeit in einem kanadischen Indianerreservat und weiteren vielseitigen Tätigkeiten ehrenamtlichen Engagements –, da scheint ihre Power und ihr Wille etwas zu bewegen ansteckend.

Seit Donnerstag, 20. Februar, ist sie auf dem Weg zur Ägäisinsel Lesbos, zum Aufnahmelager Moria, wo täglich Dutzende Geflüchtete stranden. Denn nicht nur, dass die 22-Jährige etwas bewegen will. Sie hat auch eine Idee: In Marburg studiert sie seit eineinhalb Jahren Sport- und Bewegungswissenschaften. Im Programm „Yoga and sport for refugees“ will sie mit dem, was sie lernt, Menschen Kraft geben und ihnen helfen, zu sich selbst zu finden.

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„Die Leute mit Fluchthintergrund in Moria sind teilweise selbst Sportler“, sagt sie. „Ich weiß, dass Sport viel möglich machen kann, aber Sport kann auch ausschließen.“ Aber: „Ich bin der Meinung, dass wir nicht oft mit Menschen wirklich in Kontakt treten und über deren Köpfe hinweg entscheiden.“ Zur politischen Situation sagt die Studentin nämlich auch: „Wir müssten eigentlich als Union zusammenstehen, doch Menschen werden allein gelassen.“

Zahlreiche Menschenrechtsverletzungen

Viele wüssten zwar grob um die Situation auf Lesbos, aber: „Die wenigsten wissen wirklich von den zahlreichen Menschenrechtsverletzungen. Und: Ein Drittel der Flüchtlinge in Moria sind allein reisende Kinder“, was einem Gros auch nicht bewusst sei. „Mir ist es wichtig, Menschen kennenzulernen, denn ich glaube, dass jeder eine Berechtigung hat, warum er so ist, wie er ist.“

Noch hat Landfried keine Tickets für den Rückweg gebucht. Aber eines weiß sie schon jetzt: „Wenn ich wieder in Deutschland bin, dann möchte ich weitergeben, was ich dort gelernt habe“, etwa durch Vorträge.

"Ich dachte sofort: Ich muss da hin!"

Denn auch für Landfried fing alles auf einer Jugendkonferenz im vergangenen November in Bochum an. Dort hörte sie einen Foto-Vortrag der Journalistin Franziska Grillmeier, die einen Großteil des Jahres auf Lesbos lebt. „Ich dachte sofort: Ich muss da hin!“, sagt Landfried mit einem Strahlen in den Augen.

Was ihr Umfeld zu dem kühnen Vorhaben sagt: „Die meisten sagen, dass sie es gut und richtig finden, sich aber selbst nicht trauen würden.“ Auch die Studentin ist nicht gänzlich ohne Bedenken: „Ich habe mich oft gefragt, ob ich die Kraft dafür habe.“ Doch die Motivation scheint zu überwiegen, denn: „Ich glaube, es gibt mir viel zurück. Und ich denke, dass ich viel fürs Leben lernen werde.“ Die 22-Jährige ist mit Bussen und der Fähre unterwegs nach Lesbos, vor allem, um CO2 zu sparen. Mit Stopps in Wien und Sofia wird sie in der kommenden Woche auf der griechischen Insel ankommen.

von Beatrix Achinger

Hintergrund

Auf den griechischen Inseln im Osten der Ägäis leben in und um völlig überfüllte Lager nach Angaben des Migrationsministeriums in Athen mehr als 42.000 Menschen. Auf Lesbos ist Moria neben zwei weiteren Lagern das zentrale Aufnahmelager für Geflüchtete. Dort leben aktuell rund 20.000 Flüchtlinge, obwohl das Lager für 3.000 Menschen ausgelegt ist. Am 3. Februar demonstrierten zuletzt 2.000 Geflüchtete gegen die Zustände im Dorf. 

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