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Marburg Spies: Unsere Strategie ist erfolgreich
Marburg Spies: Unsere Strategie ist erfolgreich
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11:58 15.03.2021
Blick auf ein Gebäude von CSL Behring am Standort Görzhäuser Hof.
Blick auf ein Gebäude von CSL Behring am Standort Görzhäuser Hof. Quelle: Foto: Tobias Hirsch
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Marburg

Bringen die Umstrukturierungspläne von CSL Behring Bewegung in die Marburger Politik? Die Fraktion der Linken im Stadtparlament fordert schon seit Langem ein Umdenken im Umgang mit großen Unternehmen, vor allem hinsichtlich der Höhe der Gewerbesteuer. Nach dem Aufdecken der Pläne von CSL Behring mindestens 150 Arbeitsplätze entfallen zu lassen und mehrere Firmenbereiche auszugliedern, fragte die OP den Magistrat der Stadt, ob dies eventuell Auswirkungen auf den Masterplan Behringwerke haben sowie die Bemessung der Höhe der Gewerbesteuer nach sich ziehen wird.

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies erklärte zuvorderst, „klar an der Seite der Beschäftigten, die derzeit um ihre Arbeitsplätze fürchten“ zu stehen.

Auch die Stadt stehe angesichts des Stellenabbaus „in enger Solidarität“ mit den Beschäftigten am Standort. Die derzeitige Situation stelle aus Sicht des Magistrats aber nicht die langfristige Entwicklung des Standorts infrage. In den vergangenen zehn Jahren erfolgte ein massiver Ausbau des Gesamt-Standorts, zugleich nahm die Zahl der Beschäftigten seit dem Jahr 2010 um fast 2 000 zu. „Wir gehen davon aus, dass sich diese Entwicklung wie erwartet fortsetzt. Dafür wollen wir mit dem Masterplan Behringwerke die infrastrukturellen Rahmenbedingungen verbessern“, betont Spies.

Die von der Stadt gebotenen guten Bedingungen für die Pharmaunternehmen halten die Konzernzentralen der multinationalen Firmen trotz niedriger Gewerbesteuersätze nicht davon ab, in Marburg Arbeitsplätze abzubauen oder auch ganze Produktionszweige ins Ausland zu verlegen. Wird die Stadt also weiterhin gute Rahmenbedingungen bieten und auf Einnahmen verzichten, oder wäre eine Erhöhung der Gewerbesteuersätze nicht angeraten, solange die Firmen noch hier ansässig sind?

Dazu sagt Spies, er habe wenig Verständnis für den Abbau von Arbeitsplätzen angesichts der Gewinne des Unternehmens, erst recht, wenn es zu Kündigungen kommen sollte. Aber: „Der Gewerbesteuerhebesatz ist kein Mittel, um durch seine Anhebung Arbeitsplätze zu sichern“, sagt der Oberbürgermeister. Der Gewerbesteuersatz wurde in Marburg zuletzt im Jahr 2016 von 370 auf 400 Punkte angehoben, erklärt Spies. Damit befinde sich die Universitätsstadt im Mittelfeld vergleichbarer Kommunen in Hessen – wie zum Beispiel Fulda: 380, Wetzlar: 390 oder Gießen: 420.

Gerade habe sich mit BioNTech ein weiteres Unternehmen in Marburg niedergelassen. Trotz erlebter Umstrukturierungen sei die bisherige Strategie ein Erfolg – sowohl in der stetigen Zunahme der Arbeitsplätze am Standort insgesamt als auch bei den Gewerbesteuereinnahmen. Diese stiegen mit Schwankungen auf längere Sicht ebenfalls kontinuierlich.

Die Strategie sei, die Unternehmen angemessen und durchschnittlich an den öffentlichen Aufgaben zu beteiligen, ohne die internationalen Konzernzentralen durch jährliche Erhöhungen in ihren Zukunftsaussichten zu verunsichern, erklärt Spies und meint: „Der Gesamterfolg gibt uns recht.“

Von Gianfranco Fain