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Marburg Sorge um die Pommes
Marburg Sorge um die Pommes
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21:44 04.04.2022
Bei ihm bleiben die Preise stabil: Imbissbudenbetreiber Markus Klaus leidet zwar unter gestiegenen Kosten, will sie aber noch nicht auf seine Kunden abwälzen.
Bei ihm bleiben die Preise stabil: Imbissbudenbetreiber Markus Klaus leidet zwar unter gestiegenen Kosten, will sie aber noch nicht auf seine Kunden abwälzen. Quelle: Foto: Nadine Weigel
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Goldgelb brutzeln die Pommes im siedend heißen Frittieröl vor sich hin. In Klausis Futterkiste direkt an der B 3 bei Halsdorf herrscht reger Betrieb am Montagmittag. „Also bei uns gibt’s noch Pommes, da muss man keine Angst haben“, sagt Imbissbetreiber Markus Klaus. Aber auch er hat es schon gehört: Angesichts knapper und teurer gewordener Speiseöle streichen wohl einige Restaurants die Pommes von ihren Karten.

Gut 25 Kilometer weiter südlich ist das auch noch nicht der Fall. Restaurant, Hotel und Pension sowie Biergarten – die zwei Fritteusen im traditionellen Gasthof Grebe in Marburg laufen wie gewohnt – und das soll auch so bleiben. Doch nachdem nicht nur in den Supermärkten, sondern auch im Großhandel Speiseöle knapp sind, stehen Gastronomen und Besitzer von Imbissgeschäften zunehmend vor einem Problem. Muss die Currywurst zukünftig ohne Pommes auskommen?

„Ich habe 2000 Liter Öl für Mittwoch bestellt, das hoffentlich ankommt“, erzählt der Inhaber des Gasthofs Grebe, Stephan Kaspar Grebe. Noch sei er zwar optimistisch, doch sollte das Öl wirklich ausbleiben, „werde das Gejammer losgehen“, weiß er.

Zu Lieferengpässen kommen steigende Preise

Wie Grebe geht es derzeit vielen Gastronomen oder auch Betreibern von Imbissgeschäften, nachdem neben Supermärkten auch im Großhandel das Öl rationiert wurde.

Da zudem weiterhin unklar ist, wie lange diese Knappheit andauert, gibt es im Angesicht des Krieges in der Ukraine vielfach Befürchtungen, dass die Situation länger fortbestehen könnte. Zusätzlich zu den bisherigen Lieferproblemen bei Raps- und Sonnenblumenöl kommen nun allerdings auch steigende Preise und eine zunehmende Inflation dazu. Besonders betroffen von dieser Entwicklung sind dabei die Gastronomen, die besonders viel Öl benötigen, beispielsweise zum Frittieren.

„Das ist schon eine Schweinerei. Ich zahle derzeit 22 Euro netto für einen Zehn-Liter-Kanister“, berichtet Grebe. Dennoch führe derzeit an diesen Preisen kein Weg vorbei, da das Öl neben Pommes und Schnitzel in der Küche nicht zuletzt auch für Salatdressings gebraucht werde.

Einmal musste Grebe bereits aufgrund der steigenden Kosten für Lebensmittel die Preise anpassen, das soll aber so schnell nicht wieder vorkommen. „Das wollen wir unter allen Umständen vermeiden. Denn die Kunden überlegen sich zweimal, wie oft sie zum Essen kommen“, erklärt der Gastronom.

Frittieröl ist 20 Cent teurer je Liter

Das sehen auch Imbissbudenbetreiber Markus Klaus und seine Frau Annika so. Sie setzen auf ihre immer wiederkommende Stammkundschaft – und ihr zuliebe wollen sie die Preise erst einmal nicht erhöhen. Dabei müssten sie eigentlich gestiegene Kosten ausgleichen. 20 Cent mehr koste der Liter Frittieröl neuerdings. Und auch die Wurstpreise seien im Einkauf gestiegen – 15 Cent mehr zahlt das Ehepaar Klaus pro Wurst. Dennoch wollen sie die Preissteigerung nicht auf den Endverbraucher abwälzen.

„Ich rechne damit, dass es im Herbst erst richtig teuer wird, und dann kommen auch wir wahrscheinlich nicht um eine Preiserhöhung herum“, sagt Markus Klaus. Denn momentan sei im Grunde ja noch alles verfügbar – leere Regale führt er auf Hamsterkäufe zurück. Dies sei nicht nur ein Problem von Privatleuten, auch Gastronomiebetreiber würden im Großhandel aktuell begehrte Zutaten horten, um auf der sicheren Seite zu sein, kritisiert Klaus. Seine Frau Annika hat angesichts der explodierenden Preise schon etwas Angst um ihre Existenz. „Wir können ja nicht umsonst arbeiten, wir müssen davon leben können“, sagt sie.

Auch Stephan Kaspar Grebe, Chef vom Gasthof Grebe, blickt mit wenig Hoffnung auf die kommenden Monate. Sorgen bereite ihm vor allem die unsichere Zukunft, sollte die diesjährige Ernte in der Ukraine komplett ausfallen und sich folglich die Situation weiter verschärfen. Zunächst bleibt Grebe aber erst einmal zuversichtlich, dass am Mittwoch sein Öl kommt. Denn dann ist zumindest der Bedarf für den Sommer gesichert. Und dann? „Müssen wir sehen, wie es weitergeht.“

Ein komplett anderes Bild zeichnet dagegen der Geschäftsführer Michael Hamann von Vila Vita in Marburg. „Wir haben gute Bestände und bekommen auch noch Öl in handelsüblichen Mengen“, berichtet er. Das sei vor allem dem Umstand zu verdanken, dass 70 bis 80 Prozent der Speisen mit Olivenöl zubereitet werden und nur in geringem Maße die Fritteuse genutzt werde.

Von Felix Hamann und Nadine Weigel