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Marburg Speed-Dating statt Stadtrallye
Marburg Speed-Dating statt Stadtrallye
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09:57 28.10.2020
Erstsemester des Fachbereichs Geographie sitzen während einer Orientierungsveranstaltung im Audimax der Philipps-Universität. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

OE-Woche einmal ganz anders: Zwischen Stadtautobahn und Eisenbahnstrecke trafen sich die Erstsemester des Fachbereichs Erziehungswissenschaften im Schatten der alten Uni-Bibliothek.

Nach einigen interaktiven Anwärmspielen und einem kurzen Speed-Dating formierten jeweils fünf Studierende einen Halbkreis und nahmen auf Pappkartons als improvisierten Stühlen Platz.

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Dann konnten sie sich mit einem Gespräch zu vorgegebenen Themen wenigstens ein bisschen besser kennenlernen. Das Gruppentreffen im Freien nahm aber auch Rücksicht auf die Hygienevorgaben, die die Corona-Pandemie auch den neuen Studierenden auferlegt.

Und wegen Corona erwartet sich auch Lennart Jung, der aus dem Sauerland stammt, erst einmal nicht allzu viel von seinem Startsemester an der Marburger Universität, weil es aus einer ganzen Reihe von Online-Seminaren besteht. Der 20-Jährige hatte sich im vergangenen Semester als FSJler schon einmal in eine Online-Vorlesung reingeklickt und weiß von daher ein bisschen, was sich dahinter verbirgt.

„Marburg ist bunt“

Aber er hat schon klare Vorstellungen, was er mit seinem Studium anfangen möchte, wie er im Gespräch mit der OP berichtet. Denn er will nach dem Abschluss des Studiums Lehrer an einer Förderschule werden. Auf den Studienort Marburg kam er deswegen, weil sich auch eine Freundin für ein Studium an der Philipps-Universität interessiert hat. Und außerdem ist Marburg auch gar nicht weit von seinem Heimatort weg.

Da bedeutet der Studienort Marburg für Nina Jäger (24) aus Schleswig-Holstein schon eine größere Anreise. Die hat sie aber auch gezielt in Kauf genommen, wie sie erzählt. Denn ihr Ziel ist es, nach dem Grundstudium im Bachelor-Studiengang ihren Masterabschluss Motologie zu machen, weil sie später Bewegungstherapeutin werden will. Und dieser Masterstudiengang an der Marburger Universität ist bundesweit einmalig.

Von Marburg hatte sie schon eine gewisse Vorstellung, weil ihr Bruder an der Philipps-Universität schon einmal zwei Semester studiert hat. Doch zum Studienstart ist Nina Jäger jetzt zum ersten Mal richtig hier. Und ihr erster Eindruck ist positiv. „Marburg ist bunt“, sagt die angehende Bewegungstherapeutin.

Sie hat immerhin schon eine Mitstreiterin mitgebracht, die sie ebenfalls zu einem Studium in Marburg inspiriert. Ihre Freundin Jana Kropp, die aus einem kleinen Ort in der Nähe von Kiel stammt, hat sich ebenfalls für das Studium der Erziehungswissenschaften eingeschrieben. Sie findet es besonders interessant, dass es in Marburg eine Studienrichtung gibt, die sich Abenteuer- und Erlebnispädagogik nennt.

Die beiden neuen Studentinnen aus Schleswig-Holstein wohnen jetzt auch zusammen, und sie hatten auf Anhieb Glück bei der Wohnungssuche, wie Jana Kropp erzählt. Gleich bei der ersten Wohnung, die sie sich anschauten, passte alles. Probleme bei der Wohnungssuche hatte Laura Zinnkamm übrigens nicht. Die 26-Jährige kommt aus dem Ebsdorfer Grund und hat bisher schon in Marburg gearbeitet. So hat sie keine Eingewöhnungsprobleme in der Stadt und in der Region. Jetzt hat sie sich für ein erziehungswissenschaftliches Studium entschieden.

Dass dieses „Corona“-Wintersemester kein normales Hochschul-Semester wird, ist allen Teilnehmern der Orientierungseinheit bewusst. So fällt beispielsweise die traditionelle Stadtrallye aus, bei der ansonsten die „Erstis“ in Gruppen von mehr als zehn angehenden Studierenden die Stadt spielerisch erkunden.

Und der gemeinsame Gang in die Marburger Kneipen oder die Erkundung des Marburger Party-Nachtlebens in „OE-Gruppen-Stärke“ fällt dieses Mal ins Wasser.

„Alles ist anders“

Szenenwechsel ins Marburger Hörsaalgebäude: Dort treffen sich angehende Marburger Geographie-Studenten für die „Präsenzphase“ ihrer Orientierungswoche, die auch hier einen eher kleineren Teil einnimmt. Immerhin ist es hier weniger kalt als draußen an der alten UB. Rund 50 Studierende verlieren sich ein wenig im weiten Rund im Audimax, und es gibt zudem einen ausreichenden Sicherheitsabstand zwischen allen Teilnehmern.

Lucas Reschke (Erstsemester Fachbereich Geographie). Quelle: Thorsten Richter

„Es war mehr oder weniger eine Begrüßung durch die Fachschaft und einen Dozenten“, verrät Lucas Reschke im Anschluss an die Veranstaltung. Vor dem Hörsaalgebäude findet dann der informelle Teil statt, bei dem sich die „Erstis“ der Geographie auch ohne Maske begegnen und zumindest ein wenig plaudern können.

Einer von ihnen ist Maximilian Kröhle, der sein Studienfach gewechselt hat. Geschichte hat der 21-Jährige nach vier Semestern aufgegeben, weil er mit der obligatorischen „alten Sprache“ Latein nichts anfangen konnte. Zudem findet er, dass im Fach Geographie „die drängenden Fragen der Menschheit wie der Klimawandel“ verhandelt würden.

Seinen neuen Kommilitonen hat der aus der Nähe von Wolfenbüttel stammende Niedersachse einiges voraus, was den Semesterstart angeht. „Ich bin froh, dass ich schon einmal eine richtige OE hatte“, sagt Kröhle im Gespräch mit der OP.

Maximilian Kröhle (Erstsemester Fachbereich Geographie). Quelle: Thorsten Richter

Dass es jetzt eine Orientierungswoche ohne Stadtrallye und Kneipentour, aber dafür mit viel Online und Kleingruppen gebe, dass sei für die „Neuen“ schon ganz schön schwer. Das ist auch dem 27-jährigen Lucas Reschke aus Eppstein im Taunus bewusst, der Erdkundelehrer werden möchte. „Alles ist anders wegen Corona. Aber ich lasse es auf mich zukommen und habe viel Spaß“, beschließt er, dieses spezielle Wintersemester mit Gelassenheit zu nehmen.

Immerhin hat dem ehemaligen Bundeswehrangehörigen seine Schwester, die in Marburg Medizin studiert, schon ein bisschen erzählt, wie Studentenleben in Marburg sein könnte. Er hätte sich zwar auch für die Uni Gießen einschreiben können, aber er findet: „Das Spannendste an Gießen ist das Ortsausgangsschild“.

Renee Mohr (Erstsemester Fachbereich Geographie). Quelle: Thorsten Richter

Aus einem „Bauchgefühl“ heraus hat sich Studienanfängerin Renee Mohr (18) aus Lübz in Mecklenburg-Vorpommern für ein Geographie-Studium in Marburg beworben, auch wenn sie sich noch an anderen Hochschulen beworben hatte. Nachdem sie aber die Zulassung für die Philipps-Universität bekommen hatte, besuchte sie erst einmal die Stadt und schaute, ob sie sich in Marburg wohlfühlt.

Diesen „Praxistest“ hat die mittelhessische Universitätsstadt bestanden, und jetzt kann es ab der kommenden Woche für die junge Frau losgehen mit dem Studium in Geographie und ihrem Zweitfach Biologie.

Von Manfred Hitzeroth

Nach einigen interaktiven Anwärmspielen und einem kurzen Speed-Dating formierten jeweils fünf Studierende einen Halbkreis und nahmen auf Pappkartons als improvisierten Stühlen Platz. Foto: Manfred Hitzeroth
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