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Marburg Wachstum in „herausforderndem Jahr“
Marburg Wachstum in „herausforderndem Jahr“
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09:58 12.02.2020
Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Andreas Bartsch (von links) und die Vorstände Harald Schick und Jochen Schönleber stellten die Bilanz gestern in Marburg vor.  Quelle: Andreas Schmidt
Marburg

„Die Sparkasse hat ein anspruchsvolles Jahr 2019 hinter sich“, konstatierte Vorstandsvorsitzender Andreas Bartsch. Die Überschriften hätten weiterhin Regulatorik, verschärfte Niedrigzinsphase und Angst vor einer ernsthaften konjunkturellen Rezession gelautet.

Vor allem an letzterem sei man „mit einer Schramme dran vorbeigegangen – wir schauen hier in der Region natürlich besonders auf das Thema Automotive und die damit verbundenen Dienstleister“, so Bartsch. Auch Brexit, Handelskriege und echte Kriege hätten die Märkte belastet.

Vor diesem Hintergrund habe sich die Sparkasse „dank der Kunden und der Mitarbeiter hervorragend geschlagen“, die Bilanzsumme stieg um fast 140 Millionen Euro auf knapp 3,9 Milliarden Euro. Gestiegen ist auch das Kundengeschäftsvolumen – also Kreditgeschäft, Einlagengeschäft und Kundenwertpapiergeschäft – um 5,9 Prozent auf knapp 6,2 Milliarden Euro.

Eigenkapital weiter stärken

Vergangenes Jahr lag es noch bei 5,8 Milliarden Euro. Damit gehören „wir als einziges heimisches Kreditinstitut, das hier noch seinen Sitz hat“, in Hessen zu den Top Ten, so Bartsch.

Das Ergebnis ermögliche es der Sparkasse, das Eigenkapital auch vor dem Hintergrund des Wachstums weiter zu stärken. Und: Man werde auch in diesem Jahr wieder 4,7 Millionen Euro an die Träger ausschütten. Insbesondere das Thema Nullzins belaste alle Banken, „vor allem vor dem Hintergrund der Altersvorsorge“, sagte Bartsch.

Dort gebe es nur zwei Möglichkeiten: Aktien oder Immobilien. Entsprechend sind beide Themen Wachstumstreiber bei der Sparkasse. Der Wertpapierbestand wuchs im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent auf gut 662 Millionen Euro. Dazu habe insbesondere das regelmäßige Sparen der Kunden in Wertpapier-Ansparverträge beigetragen.

Mit einer vermittelten Netto-Bausparsumme von 100,7 Millionen Euro habe man das gesamte Bausparvolumen auf rund 700 Millionen Euro erhöhen können. Und: Das Kreditinstitut habe vergangenes Jahr 115 Immobilien vermittelt.
Im Kreditgeschäft verzeichnete die Sparkasse ein Wachstum von 5,6 Prozent oder 124,8 Millionen Euro auf rund 2,35 Milliarden Euro.

Der private Wohnungsbau habe mit einer Steigerung um knapp 9 Prozent auf 975 Millionen Euro daran einen großen Anteil, wie Vorstand Jochen Schönleber erläuterte. „Aber wir bleiben auch für das gewerbliche Geschäft ein verlässlicher Partner“, so Schönleber – dort habe das Neugeschäft 290 Millionen Euro betragen. Hat die Sparkasse vor dem Hintergrund drohender und realisierter Kurzarbeit im Landkreis Sorge vor Kreditausfällen? „Nein, wir sind überzeugt, dass die Unternehmen gut aufgestellt sind“, so Schönleber.

Kreditgeschäft durch Spareinlagen abgedeckt

Die Sparkasse sei auch weiterhin ein Hort der sicheren Geldanlage: Demnach seien die Einlagen insgesamt um 3,9 Prozent oder gut 100 Millionen Euro auf 3,2 Milliarden Euro gewachsen. Das Wachstum sei dabei ausschließlich im Bereich der Sichteinlagen erfolgt, während die Spareinlagen nahezu unverändert geblieben seien. Damit sei die Refinanzierung „aller Kredite und Darlehen bequem aus den in der Region gesammelten Spareinlagen möglich“, so Schönleber.

Die Sparkasse benötige für ihr Kreditgeschäft – trotz des Wachstums – keine zusätzlichen Mittel vom Geld- oder Kapitalmarkt. Das sei Geschäftsmodell des Kreditinstituts: Auf der Passivseite von Bürgern und Unternehmen des Landkreises Geld einzusammeln, das auf der Aktivseite Bürgern und Unternehmen des Landkreises zur Verfügung gestellt werde – aus der Region für die Region. Und Schönleber betont zum Thema Anlage: „Wir bieten unseren Kunden keine anderen Anlageklassen an als die, in denen wir selbst investieren.“ Und: Für Sparer gebe es weiterhin keine Negativzinsen.

Geld soll in der Region bleiben

Auch in puncto Bauen war die Sparkasse aktiv, wie Vorstand Harald Schick erläuterte. In 2019 eröffneten die Beratungszentren in Biedenkopf und Wetter sowie die Filiale Niedereisenhausen. Allen voran zeige der neue Standort in Biedenkopf „auf moderne und technische Art und Weise die Präsenz im Hinterland“.

Doch es sind dieses Jahr weitere Projekte geplant: Die neue Filiale in Dautphe wird eingeweiht, außerdem soll in Stadtallendorf mit dem Neubau begonnen werden. Auch in Cölbe wird umgebaut, ebenso wie in Kirchhain und in der Marburger Bahnhofstraße. Zudem laufen die Vorbereitungen für einen städtebaulichen Wettbewerb für das neue Dienstleistungszentrum zwischen Frauenbergstraße und Cappeler Straße.

Auch für die Bauvorhaben gelte: „Wir greifen zum Großteil auf die Leistungen heimischer Unternehmen zurück – wo immer es geht“, so Schick. Denn so bleibe das Geld in der Region.

von Andreas Schmidt