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Marburg Sparkasse knackt Fünf-Milliarden-Marke
Marburg Sparkasse knackt Fünf-Milliarden-Marke
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19:43 15.02.2022
Die Sparkassen-Vorstände Jochen Schönleber (von links), Vorsitzender Andreas Bartsch und Silke Boldt stellten die Bilanz des abgelaufenen Geschäftsjahrs vor.
Die Sparkassen-Vorstände Jochen Schönleber (von links), Vorsitzender Andreas Bartsch und Silke Boldt stellten die Bilanz des abgelaufenen Geschäftsjahrs vor. Quelle: Laackman Photostudios
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Marburg

Sichtlich zufrieden präsentierte der Sparkassenvorstand mit dem Vorsitzenden Andreas Bartsch und den Vorständen Silke Boldt und Jochen Schönleber am Dienstag die Bilanz. Denn erstmals in der fast 190-jährigen Geschichte des Kreditinstituts – als ältester Vorläufer gilt die 1834 gegründete Spar- und Leihkasse zu Biedenkopf – stieg die Bilanzsumme auf mehr als fünf Milliarden Euro. Genauer gesagt: Auf 5 025 650 000 Euro – das ist ein Plus von gut 600 Millionen Euro oder 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

„Das ist schon von Bedeutung, wir sind unter den 100 größten Sparkassen – und zeigen uns als auch entsprechend leistungsfähig“, freute sich Andreas Bartsch. Denn die Summe zeige, „was im Geschäftsgebiet drinsteckt“ – schließlich müsse man das Geld dort erwirtschaften, „und nicht durch Luftnummern am Kapitalmarkt, mit denen wir die Bilanzsumme aufblähen“.

Dafür entscheidend sei das originäre Kundengeschäft – es stieg im Vergleich zum Vorjahr auf gut 7,66 Milliarden Euro. Das bedeute einen Zuwachs im Kreditgeschäft, Einlagengeschäft und Kundenwertpapiergeschäft um rund 13 Prozent.

Wesentliches Standbein der Sparkasse sei dabei das Kreditgeschäft, so Bartsch. „Dort haben wir mittlerweile 2,7 Milliarden Euro – das ist ein Plus von fast sechs Prozent und zeigt, wie prosperierend der Landkreis auch in der Corona-Zeit war.“ Ein Instrument dabei sei wohl auch die Zinsbindung von bis zu 25 Jahren, „was die meisten unserer Wettbewerber nicht bieten können“, so der Vorstandsvorsitzende.

Beim Gewerbe stieg das Kreditvolumen auf insgesamt 1,167 Milliarden Euro. Die privaten Kredite legten um 7 Prozent auf gut 1,57 Milliarden Euro zu. Kreditausfälle habe man nicht verzeichnen müssen – der Arbeitsmarkt sei stabil, Kurzarbeit und Corona-Hilfen hätten gewirkt.

Der private Wohnungsbau wuchs um fast 100 Millionen Euro, eine Steigerung um 9,1 Prozent. Die Nachfrage nach Immobilienfinanzierungen sei nach wie vor ungebrochen. Und: Mit einer vermittelten Netto-Bausparsumme von 75 Millionen Euro habe die Sparkasse an die erfolgreichen vergangenen Jahre anknüpfen können – das gesamte Bausparvolumen liege bei mehr als 770 Millionen Euro.

Hinzu kommen insgesamt 115 Immobilienvermittlungen – 83 im Landkreis und 32 im Stadtgebiet Marburg – und brachten es auf einen Immobilienumsatz von knapp 35 Millionen Euro.

Kunden setzen vermehrt auf das Wertpapiergeschäft

Ein weiterer Fokus liege auch im Wertpapiergeschäft, „an dem man nicht vorbei kommt, wenn man noch Renditen erzielen will“. Das hätten auch immer mehr Kunden erkannt – entsprechend hätten die Kundendepots ein Volumen von 860 Millionen Euro erreicht, ein Plus von 23 Prozent.

Dazu habe auch das regelmäßige Fonds-Sparen beigetragen, wo sich schon mit kleinen Beiträgen etwas erreichen lasse. Eine immer größere Rolle spiele das Thema Nachhaltigkeit bei den Fonds. Jochen Schönleber verdeutlicht: „Das Sparbuch ist eine Geldvernichtung. Wertpapiersparen ist die einzige Form, Vermögen aufzubauen“ – auch im Hinblick auf die Altersvorsorge. Diese Erkenntnis sei bei den Kunden angekommen. „Im vergangenen Jahr haben wir fast 11 000 Ansparverträge abgeschlossen – so viele wie noch nie“, so Schönleber.

Zugelegt haben auch die Kunden-Einlagen – um 16 Prozent auf mehr als vier Milliarden Euro. „Das zeigt zwei Dinge“, so Bartsch – nämlich, dass die Kunden ihr Geld nicht ausgeben wollten, aber auch, „dass sie ihr Geld bei der Sparkasse gelassen haben, weil sie uns vertrauen“.

Ein Verwahrentgelt für das breite Kundengeschäft gebe es bei der Sparkasse nicht, „wir nehmen aber nicht einfach Fremdkunden auf, weil die irgendwo ihr Geld parken wollen. Denn damit schädigen wir unsere Kunden und unser Haus“. Solche Kunden lehne man entweder ab – oder sie müssten bereit sein, ihre Geschäftstätigkeit zur Sparkasse zu verlegen. Und: Im gewerblichen Bereich treffe man mit Kunden ab 250 000 Euro Einlagen entsprechende Einzelvereinbarungen.

Positiv entwickelt hat sich auch das Versicherungsgeschäft: Lebensversicherungen stiegen um 13 Prozent auf eine Beitragssumme von 45 Millionen Euro.

Ein kräftiges Plus verzeichnete die Sparkasse auch bei Kartenzahlungen – getrieben auch durch das möglichst kontaktlose Bezahlen in der Pandemie. In den vergangenen beiden Jahren seien die Zahlungen von 6,8 Millionen auf mehr als 9 Millionen angestiegen.

Neubauten gehen voran: „Wer baut, der bleibt auch“

Das Anruf-Aufkommen im Kundenservice-Center (KSC) stieg deutlich um 6 000 Anrufe auf 326 000. Hinzu kamen Chats per Netz und WhatsApp oder knapp 11 700 Anträge über die Internet-Filiale. Doch auch wenn per KSC oder Internet immer mehr Aufträge abgewickelt würden: Der Filialnetzumbau sei nun – von den bereits kommunizierten Konsolidierungen etwa in Stadtallendorf – abgeschlossen. „Wir bleiben weiter in der Fläche präsent“, verdeutlichte Silke Boldt. Daher würden die Neubauvorhaben vorangetrieben, denn: „Wer baut, der bleibt auch.“

Die Planung des neuen Verwaltungsgebäudes auf dem Areal der 3U Holding in der Frauenbergstraße (die OP berichtete) schreite voran. So sei im vergangenen Jahr der Realisierungswettbewerb auf Basis des Siegerentwurfes des vorgelagerten städtebaulichen Architektenwettbewerbs ausgelobt worden – mit dem Ziel, eine moderne und innovative Hauptverwaltung zu schaffen. „Die Jury hat kürzlich die Preisträger gekürt“, so Boldt – von zwölf Entwürfen wurden vier prämiert, von denen einer umgesetzt werden soll.

Mit der Modernisierung des Beratungs-Centers in Kirchhain startet zudem eine weitere Investition in das Geschäftsstellennetz. Der Standort in der Fußgängerzone nahe des Bahnhofs bleibt erhalten – während des Umbaus wird die Filiale jedoch übergangsweise ins ehemalige Möbelhaus Scholl einziehen. Auch die Planungen für die Neubauten in Rauschenberg und Niederweimar gehen voran.

Die Sparkasse wird auch wieder eine Ausschüttung an ihre Träger – Stadt und Landkreis – vornehmen, in welcher Höhe stehe noch nicht fest. „Vergangenes Jahr haben wir 2,8 Millionen Euro ausgeschüttet“, erläutert Andreas Bartsch – nur vor zwei Jahren habe es ein Verbot gegeben.

Von Andreas Schmidt

15.02.2022
15.02.2022