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Marburg Sparkasse: „Kleinstfilialen“ bleiben dicht
Marburg Sparkasse: „Kleinstfilialen“ bleiben dicht
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21:15 01.07.2021
Eine der betroffenen Filialen: die Geschäftsstelle in Gladenbach-Weidenhausen.
Eine der betroffenen Filialen: die Geschäftsstelle in Gladenbach-Weidenhausen. Quelle: Michael Tietz
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Marburg

Es ist eine bittere Nachricht für Sparkassen-Kunden in neun Orten im Landkreis und am Marburger Uni-Klinikum: Der Verwaltungsrat der Sparkasse hat beschlossen, die schon während der Pandemie für den Service geschlossenen Kleinstgeschäftsstellen am Uni-Klinikum sowie in Großseelheim, Dreihausen, Mardorf, Kirchvers, Wohra, Münchhausen, Schweinsberg, Gladenbach-Weidenhausen und Lixfeld nicht wieder zu öffnen.

Dabei hatte der Vorstandsvorsitzende Andreas Bartsch am Dienstag während der Wiedereröffnung der umgebauten Geschäftsstelle in Cölbe noch betont, solche Investitionen in den Umbau seien „wichtig auch zur Zukunftssicherung der Sparkasse“. Und Landrätin Kirsten Fründt (SPD) verdeutlichte als stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrats, dass Umbauten wie der in Cölbe „vor Ort vielleicht als Einzel-Event wahrgenommen“ würden. „Dahinter steckt aber ein großes Strukturprojekt“ – das letztlich „dem Erhalt der Sparkasse in der Fläche“ diene.

Von Schließungen der Kleinstfilialen war da nicht die Rede. Das große „Strukturprojekt“, das Fründt ansprach, wurde 2016 bekannt gemacht, im Folgejahr wurde mit der Umsetzung begonnen: Damals hieß es noch, von den einst 67 Standorten sollten 53 erhalten bleiben – nämlich 35 personenbesetzte Filialen und 18 SB-Standorte. Diese Zahl ist mittlerweile weiter geschrumpft: Laut eigenen Angaben besitzt die Sparkasse „auch künftig mit 25 Geschäftsstellen weiterhin das größte Geschäftsstellen- und Automatennetz aller Wettbewerber im Landkreis Marburg-Biedenkopf“.

Ist denn mit den Schließungen das Ende der Fahnenstange erreicht? Dazu sagt Andreas Bartsch im Gespräch mit der OP: „Stand jetzt ja. Ich habe einen Beschluss des Verwaltungsrats über acht zu schließende Geschäftsstellen und wir haben nicht die Absicht, in absehbarer Zeit weitere zu schließen.“ Doch eine Garantie für die kommenden „zehn oder 15 Jahre“ könne er nicht geben. Die Entscheidung, Schweinsberg und Dreihausen nicht wieder zu öffnen, sei übrigens schon vorher gefallen – da ja in Stadtallendorf und Heskem neu gebaut werde.

Doch warum werden die Filialen nicht wieder geöffnet? „Banking findet heute anders statt, als das früher der Fall war“, sagt Bartsch. Man mache derzeit „ein so gutes Kundengeschäft, wie in der gesamten Geschichte nicht. Unsere Kunden honorieren das, was wir als Sparkasse tun: Wir stärken die digitalen Kanäle und wir stärken unser Geschäftsstellennetz.“ In den vergangenen Jahren und Monaten seien zahlreiche Geschäftsstellen umgebaut, saniert oder gar neu gebaut worden. „Die Standorte, die wir halten, in die investieren wir – das sind immer mindestens 400 000 Euro“, so Bartsch. Das sei auch bei den Kleinstfilialen, die jetzt nicht mehr öffnen würden, dringend nötig – rechne sich aber nicht. Das Geld investiere man lieber in die anderen Standorte. „Die großen Filialen betreuen auch qualifiziert Kunden, dort können Mitarbeiter sitzen, die Ahnung vom Wertpapier- oder Kreditgeschäft und allen anderen Bereichen haben“, sagt Bartsch. Das könne man in den Kleinstfilialen nicht sicherstellen, „das geht auch aufsichtsrechtlich nicht – man kann etwa im Wertpapiergeschäft nur jemanden Kunden beraten lassen, der sonst nichts anderes macht“.

Die kleinen Geschäftsstellen besäßen durchaus einen Service-Charakter, „das verstehe ich auch, dass der künftig fehlt. Aber die Inanspruchnahme des Service geht eben auch immer weiter zurück, weil sich auch die älteren Kunden den digitalen Kanälen geöffnet haben.“ Natürlich sei das durch die Corona-Pandemie beflügelt worden. Doch werde sich diese Entwicklung auch nicht zurückdrehen lassen. „Und wenn es den Beschluss gibt, die Filialen nicht wieder zu öffnen, dann muss man auch so fair sein und es jetzt tun“, sagt Andreas Bartsch, „und sie nicht erst wieder öffnen und dann wenige Wochen später schließen.“

Immerhin: In Großseelheim, am Uni-Klinikum und in Weidenhausen sollen die Geldautomaten erhalten bleiben. In den anderen Kleinstfilialen jedoch nicht, „weil sie einfach zu wenig genutzt werden – und das war schon vor Corona so“, sagt Bartsch. Betont aber: „Die Bargeldversorgung ist jedoch weiter sichergestellt. Denn die bieten wir als einziges Kreditinstitut kostenlos an“, sagt Bartsch.

Das veränderte Kundenverhalten erläutert Sparkassen-Pressesprecher Michael Frantz. Die Kundschaft nutze seit Jahren immer mehr Online-Banking, App-Banking und das Telefon, um ihre herkömmlichen Finanzgeschäfte zu erledigen. So habe das Anrufvolumen im Kundenservice-Center der Sparkasse seit Anfang vergangenen Jahres um nahezu 30 Prozent zugelegt – „obwohl alle Beratungscenter auch während Corona komplett geöffnet waren“. Auch die Kommunikation per WhatsApp und im Sparkassen-Chat habe drastisch zugenommen.

Wann genau die Filialen geschlossen werden, werde noch individuell festgelegt. Die Kunden würden rechtzeitig informiert. Und was ist mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern? Diese sollen künftig in anderen Geschäftsstellen eingesetzt werden.

Ein in der Vergangenheit kommuniziertes Ziel der Sparkasse ist jetzt allerdings Geschichte: in jeder der 22 Kommunen des Kreises mit einer Geschäftsstelle vertreten zu sein. „In Münchhausen, Angelburg und Wohratal sind wir nicht mehr“, gibt Bartsch zu. Betont aber: „Das Netz, das wir jetzt haben, wird uns in den nächsten Jahren weiter tragen.“ Wie es zukünftig aussehe, hänge davon ab, „wie sich das Geschäft entwickelt“, so Bartsch.

Von Andreas Schmidt