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Marburg Spannende Lesung mit Horst Eckert
Marburg Spannende Lesung mit Horst Eckert
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18:00 21.09.2020
Horst Eckert las im Kreishaus aus seinem neuen Krimi „Im Namen der Lüge“.  Quelle: Katharina Kaufmann-Hirsch
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Marburg

Historische Romane sind nicht so sein Ding, erklärt Horst Eckert im Anschluss an die gut einstündige Lesung im Tagungssaal des Kreishauses. „Das ist mir zu kompliziert und zu komplex. Ich muss mich einfühlen können, um die Dinge richtig beschreiben zu können“, berichtet der Düsseldorfer Autor. Das sei der einfache Grund, warum er zeitgenössische Romane schreibe. Dass einen die Realität einhole, „das passiert dann halt“, sagt der 61-Jährige.

In seinem neuen Roman „Im Namen der Lüge“ „passiert“ das gerade auch. Während der Skandal bei der Polizei in Nordrhein-Westfalen – dort soll es unter den Polizeibeamten Rassisten, Rechtsextreme und Reichsbürger geben – immer weitere Kreise zieht, hat Eckert ähnliches in seinem Buch längst verschriftlicht. „Diese Geschichte ist Fiktion, die Geheimnisse darin sind alle meiner Fantasie entsprungen“, betont er.

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Auch Vincent Veih ermittelt wieder

Dennoch, es könnte auch die Realität sein, die in „Im Namen der Lüge“ abgebildet wird: Melia Khalid leitet das Referat für Linksextremismus beim Inlandsgeheimdienst. Der jungen Frau, die somalische Wurzeln hat, wird ein Dossier zugespielt, das die Gründung einer neuen RAF ankündigt. Khalid misstraut der Quelle, vor allem weil diese an anderer Stelle als andere Person auftritt. Nahezu zeitgleich wird ein Brandanschlag auf die AfD-Parteizentrale verübt, eine ältere RAF-Terroristin ermordet aufgefunden, und in der Düsseldorfer Reichsbürgerszene ereignet sich eine vermeintliche Eifersuchtstat mit Todesfolge. Zudem stehen die Landtagswahlen in NRW kurz bevor. Wie das alles zusammenhängt?

Horst Eckert lässt neben Melia Khalid auch seinen bereits aus anderen Romanen bekannten Kommissar Vincent Veih ermitteln. Was am Ende dieser Ermittlungen ans Tageslicht kommt, ist im Zuge des aktuellen Polizeiskandals, rechtsextremistischer Anschlägen wie in Hanau und der immer wieder öffentlich werdenden umstrittenen Methoden des Verfassungsschutzes beängstigend realitätsnah: Rechte Milizen, die mit Reichsbürgern, der Bundeswehr und Verfassungsschützern kooperieren, planen einen politischen Umsturz, den sie linken Extremisten in die Schuhe schieben wollen.

Fortsetzung des Buches erscheint im nächsten Frühjahr

Eine Fortsetzung des Romans erscheint im nächsten Frühjahr. Das Manuskript dazu hat Eckert erst kürzlich bei seinem Verlag eingereicht, verrät er während der Lesung. Das Publikum sitzt währenddessen gespannt auf den Stühlen, es ist mucksmäuschenstill. Acht Abschnitte liest Eckert aus seinem Roman vor, berichtet zwischendurch von den Zusammenhängen und hört dann an einer der spannendsten Stellen auf.

Spannung sei ihm überaus wichtig, berichtet Eckert im sich an die Lesung anschließenden Dialog mit dem Publikum: „Ein guter Krimiautor muss mehr können, als nur ein Verbrechen zu erzählen. Ein guter Krimiautor macht es spannend und baut viele Wendungen ein.“ Und Eckert ist darin ein wahrer Meister.

Von Katharina Kaufmann-Hirsch

21.09.2020
20.09.2020