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Marburg Spahn will Impfzentren wieder öffnen
Marburg Spahn will Impfzentren wieder öffnen
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09:00 02.11.2021
Das Archivbild entstand am vorletzten Tag der Aktivitäten im Impfzentrum Marburg.
Das Archivbild entstand am vorletzten Tag der Aktivitäten im Impfzentrum Marburg. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist nicht der Einzige, der in diesen Tagen mit Blick auf die Länder fordert, die Impfzentren zu reaktivieren. Spahn hatte der „Rheinischen Post“ wörtlich gesagt: „Um möglichst vielen möglichst schnell eine Auffrischungsimpfung zu ermöglichen, sollten die Länder die Impfzentren, die sie seit Ende September in Standby bereithalten, nun wieder startbereit machen.“

Auch Fachleute und Politiker wie Ärztepräsident Klaus Reinhardt oder SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hatten sich aktuell ähnlich geäußert. Hinter diesem Plan steckt sicherlich auch die Notwendigkeit, die Impfquote generell noch zu erhöhen. Schwerer wiegt wohl allerdings der Umstand, dass durch die von Spahn angesprochenen Booster-Impfungen sowie die Perspektive auf Kinderimmunisierungen ein steigender Bedarf an Impfmöglichkeiten besteht.

Sozialministerium sieht keine Notwendigkeit

Im Impfzentrum des Landkreises Marburg-Biedenkopf am Messeplatz waren Ende September die Lichter ausgegangen. Im Dezember des vergangenen Jahres waren die Zelte dort innerhalb von acht Tagen errichtet worden – ginge das jetzt genauso schnell? „Wir werden jetzt nicht im vorauseilenden Gehorsam das Zentrum wieder hochziehen, sondern warten auf einen Einsatzbefehl des Landes“, sagte Kreis-Sprecher Stefan Schienbein gestern auf Nachfrage. Diese Entscheidung müsste in Wiesbaden im Sozialministerium getroffen werden.

Und dort sieht man zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Notwendigkeit, die Impfzentren wieder zu öffnen. „Überall in Hessen sind ausreichend Impfstoff und Kapazitäten vorhanden, um zeitnah einen Impftermin für eine Erst-, Zweit- oder – entsprechend der Stiko-Empfehlung – auch für eine Auffrischimpfung gegen Covid-19 zu erhalten“, hieß es gestern aus dem Pressereferat des Ministeriums auf OP-Anfrage. Dass die Impfungen inzwischen durch die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte übernommen worden seien, biete zudem den Vorteil, dass die regional verteilten Praxen oft einfacher und schneller zu erreichen seien als wenige zentrale Impfstellen. „Die Ärztinnen und Ärzte werden in vielen Gebietskörperschaften zusätzlich durch regionale Impfangebote der Gesundheitsämter unterstützt, sodass für die hessischen Bürgerinnen und Bürger eine Vielzahl an Impfmöglichkeiten besteht“, so die derzeitige Einschätzung aus dem Sozialministerium.

Die Marburger Ärztin Ulrike Kretschmann hatte im Frühjahr in einem Ladenlokal im Nordviertel im Frühjahr eine „Impfstraße“ aufgebaut. Zu Spitzenzeiten hatte das Praxisteam in dem ehemaligen Matratzen-Laden wöchentlich bis zu 480 Impfdosen verabreicht, zurzeit sind es im Schnitt 170 pro Woche. „Die Zahlen steigen jetzt wieder und wir haben deshalb die Impfstraße wieder aufgemacht“, sagt die Medizinerin: „Das ist – Stand jetzt – gut zu leisten.“ Schwieriger sei der Umstand, dass im Frühjahr die Bürgerinnen und Bürger benachrichtigt worden seien, jetzt aber jeder selbst daran denken müsse, sich um die Auffrischung zu kümmern: „Aber es ist machbar – wir haben Impfstoff in Hülle und Fülle.“ Kretschmann würde es begrüßen, wenn die Kommunalverwaltungen die älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger kontaktieren könnten, um sie über die Notwendigkeit der Auffrischungsimpfung aufzuklären.

Jeder hat Anspruch auf Auffrischungsimpfung

Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister hatte sich dafür ausgesprochen, in einem ersten Schritt zumindest alle Menschen über 60 schriftlich zur Auffrischungsimpfung einzuladen. Einen Anspruch auf eine Auffrischungsimpfung haben grundsätzlich alle Bürgerinnen und Bürger. Die Ständige Impfkommission empfiehlt zurzeit die Auffrischung unter anderem für Menschen ab 70, Bewohner und Betreute in Pflegeeinrichtungen für alte Menschen, Pflegepersonal mit einem direkten Kontakt zu alten Menschen sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

Termine des mobilen Impfteams

In dieser Woche werden wieder öffentliche Impfaktionen im Landkreis Marburg-Biedenkopf angeboten. Bei diesen Terminen werden die Impfstoffe von Moderna, Biontech/Pfizer und Johnson&Johnson verimpft. An folgenden Daten und Orten stehen Impfteams bereit:

Dienstag: Biedenkopf, Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft, Schulstraße 23, 9.30 bis 14 Uhr. Angelburg, Bürgerhaus Gönnern, Hauptstraße 31, 10 bis 16 Uhr.

Mittwoch: Marburg, Cineplex-Kino, Biegenstraße 3, 14 bis 20 Uhr. Marburg, Obdachlosenunterkunft TAS, Gisselberger Straße 35, 10 bis 15 Uhr.

Donnerstag: Stadtallendorf, Wochenmarkt auf dem Marktplatz, 9.30 bis 15 Uhr. Cölbe, Gemeindehalle, Friedhofstraße 4, 14 bis 19 Uhr. Cölbe, Bürgerhaus Schönstadt, am Bürgerhaus 7, 14 bis 19 Uhr.

Freitag: Kirchhain, Alfred-Wegener-Schule, Röthestraße, 13 bis 18 Uhr. Amöneburg, in den Räumen der ehemaligen Sparkasse gegenüber vom Rathaus, 11 bis 17 Uhr.

Samstag: Bad Endbach: Impfbus auf dem Parkplatz vor der Therme, Am Bewegungsbad 2, 10 bis 16 Uhr. Marburg, Lebenshilfewerk, 10 bis 15 Uhr. Stadtallendorf, Stadthalle ab 13 Uhr. Wetter, Bürgersaal der Stadthalle, Schulstraße 27, 10 bis 15 Uhr.

Sonntag: Stadtallendorf, Stadthalle ab 10 Uhr.

Von Carsten Beckmann