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Marburg Sozialwohnungsbau – wo steht Marburg?
Marburg Sozialwohnungsbau – wo steht Marburg?
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15:55 27.07.2022
Wohnen in Marburg: Ein Wohnblock in der Friedrich-Ebert-Straße.
Wohnen in Marburg: Ein Wohnblock in der Friedrich-Ebert-Straße. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Marburg ist in einer glücklichen Lage, weil die Privatisierungswelle in den vergangenen Jahren nicht über die Stadt an der Lahn schwappte.

Deshalb wurden die öffentlichen Wohnungen nicht wie in anderen Städten privatisiert, sondern blieben in öffentlicher Hand. In der Universitätsstadt erledigt diese Aufgabe die stadteigene GeWoBau.

Heutzutage verfügt die GeWoBau über rund 2.190 Wohnungen, von denen sich rund 1.000 im Stadtteil Richtsberg befinden. Somit bewirtschaftete die GeWoBau etwa zehn Prozent des Marburger Wohnungs-Bestands an Mehrfamilienhäusern.

Unter die Mietpreisbindung fallen allerdings nur noch 740 Wohnungen, also etwa 30 Prozent des Wohnungsbestands der GeWoBau. Aus der Bindung fallen zum 31. Dezember 31 Wohnungen und weitere 24 Wohnungen zum 31. Dezember 2023 heraus.

Auch wenn die Wohnungen aus der Mietpreisbindung herausfallen, belässt die GeWoBau die Miethöhe auf dem Niveau der Wohnungen, die noch in der Bindung sind.

Seit 2018 baut die GeWoBau wieder verstärkt

Die Mietpreisbindung sorgt auch dafür, dass die durchschnittliche Kaltmiete 5,40 Euro pro Quadratmeter beträgt. Dieser Preis ist im unteren und mittleren Bereich des Marburger Mietwohnungsmarktes anzusiedeln.

In den vergangenen zehn Jahren lag der Schwerpunkt der GeWoBau jedoch nicht im Errichten neuer Wohngebäude. Vielmehr erwarb die kommunale Gesellschaft schwierige Immobilien wie den Kilian oder das EAM-Gebäude in der Uferstraße und gestaltete sie zu Wohnraum um und modernisierte im Bestand. Ferner wurden Altenheime mit rund 80 Plätzen in Cölbe und am Richtsberg und eine Ergotherapieschule errichtet.

Seit dem Jahr 2018 lässt die GeWoBau wieder verstärkt bauen, an verschiedenen Standorten entstanden 124 neue Wohnungen. Die neuen Gebäude entstanden überwiegend in klimafreundlicher Holzbauweise und mit hohem Energiestandard.

Eine Quotenregelung, die es in Marburg seit dem Jahr 2016 gibt und die bei Änderungen des jeweiligen Bebauungsplanes greift, verpflichtet private Investoren dazu, 20 Prozent der neuen Wohnungen als Sozialwohnungen zu realisieren und auf dem Mietmarkt an Personen mit einem Wohnberechtigungsschein anzubieten.

Sozialwohnungen

Der Begriff der Sozialwohnung bürgerte sich für Wohnungen ein, die ganz oder zum Teil mit öffentlichem Geld oder zinsgünstigen Darlehen finanziert wurden. Für solche Wohnungen gilt das Wohnungsbindungsgesetz. Es soll sicherstellen, dass Sozialwohnungen zweckentsprechend vermietet werden.

Die wichtigsten Grundsätze sind: Die Wohnung ist nur an Inhaber von Wohnberechtigungsscheinen zu vermieten; der Vermieter darf keine höhere Miete als die Kostenmiete verlangen.

Die Mietpreisbindung entsteht für Wohnungen, die das Land Hessen mit Darlehen und Tilgungszuschüssen fördert. Sie wird für maximal 25 Jahre festgelegt. In der Regel erlischt die Eigenschaft „Sozialwohnung“ mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem die öffentlichen Darlehen getilgt sind. Fällt eine Wohnung aus der Mietpreisbindung, kann der Vermieter eine marktübliche Miete verlangen.

Von Gianfranco Fain