Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Sozialwohnungsbau: das sind Marburgs Pläne
Marburg Sozialwohnungsbau: das sind Marburgs Pläne
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:00 28.07.2022
Sozialer Wohnungsbau in der Friedrich-Ebert-Straße am unteren Richtsberg in Marburg.
Quelle: Thorsten Richter
Anzeige
Marburg

84 500 Menschen sollen im Jahr 2035 in Marburg leben. Diese Zahl ist dem Entwurf des Regionalplans Mittelhessen zu entnehmen. Die dazugehörige Einwohnerprognose aus dem Jahre 2019 geht davon aus, dass der Landkreis in diesem Zeitraum weniger als ein Prozent seiner rund 246 650 Bewohner verliert, während die Universitätsstadt um 10,9 Prozent wächst. Grundlagen dieser Annahmen sind, dass Marburg als sogenannte „kleine Schwarmstadt“, wegen der Universität, den Bildungs- und Kulturangeboten, so attraktiv ist, dass junge Menschen nach ihren Ausbildungen hierbleiben. Zudem gibt es einen Trend zum Leben in Städten.

Entsprechend der Zunahme um rund 11 Prozent an Menschen werden auch mehr Wohnungen benötigt, nämlich etwa 3 500. Steht dieser Nachfrage kein entsprechendes Angebot gegenüber, führt das zu steigenden Immobilien- und somit auch Mietpreisen. Die Kosten für neu gebaute Wohnungen liegen über 5 000 Euro pro Quadratmeter, Bauland gibt es kaum. Wie dem Immobilienmarktbericht der Universitätsstadt zu entnehmen ist, beträgt die durchschnittliche Kaltmiete in der Innenstadt 10 Euro pro Quadratmeter.

Wohnberechtigungsschein ist Eintrittskarte zur Sozialwohnung

Einen Anspruch auf eine Sozialwohnung hat jeder, der einen Wohnberechtigungsschein (WBS) vorweisen kann. Voraussetzung für einen WBS ist ein förderfähiges Einkommen. Dieses wird anhand der geltenden Einkommensgrenzen geprüft. Ob die Voraussetzungen erfüllt sind, lässt sich auf www.wbs-rechner.de ermitteln. Die rechtliche Grundlage ist der § 5 des Wohnungsbindungsgesetzes. Deshalb wird der WBS auch als Paragraf-5-Schein bezeichnet.

Der WBS ist für ein Jahr gültig, kann danach erneut beantragt werden. Empfänger von Arbeitslosengeld 2 und Hartz 4 haben generell Anspruch auf eine Sozialwohnung, Hartz-4-Leistungsbezieher auch ohne Prüfen des Einkommens.

Familien mit geringen Einkommen sind angesichts dieser Zahlen schon jetzt fast nicht mehr konkurrenzfähig und wer von seinem niedrigen Verdienst mehr als 30 Prozent an den Vermieter überweisen muss, für den wird es mehr als eng. Deshalb müssen nicht nur mehr Wohnungen entstehen, sondern unter diesen auch sogenannte Sozialwohnungen sein. Nach Ansicht von Jürgen Rausch, Geschäftsführer der stadteigenen GeWoBau, etwa 30 Prozent der 3 500 benötigten Wohneinheiten, also rund 1 000 Wohnungen, deren Mietpreis 20 Prozent unter der Vergleichsmiete liegen sollte. Seit 2016 verpflichtet bei Bebauungsplanänderungen eine Quotenregelung private Investoren dazu, 20 Prozent der Wohnungen als Sozialwohnungen realisieren. Diese Quote soll auf 30 Prozent angehoben werden. Weitere Überlegungen zielen darauf ab, dass Grundstückseigentümer für Bauleitverfahren Teile ihrer Grundstücke an die Stadt abzutreten haben, wodurch mehr bezahlbarer Wohnraum entstehen könnte.

Denn der zur Verfügung stehende Platz ist begrenzt: Durch das Bebauen weiterer Flächen am Richtsberg entstünden Konflikte mit Grünflächen und der soziaIen Infrastruktur. Im Marburger Süden könnte durch das Umwandeln von nicht mehr genutzten Gewerbeflächen ein gemischtes Stadtquartier mit 500 Wohnungen, Dienstleistungen und Grünflächen entstehen. Auf dem Hasenkopf soll eine Fläche von 5,4 Hektar mit Geschosswohnungsbau mit 350 Wohneinheiten, Schule, Kinderbetreuung und Gärten entstehen.

Von Gianfranco Fain