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Marburg „ Planung und Wetter sind entscheidend“
Marburg „ Planung und Wetter sind entscheidend“
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08:14 21.06.2021
So wie diese buntblumige Flachlandmähwiese könnte es künftig auch im Naturschutz- und FFH-Gebiet „Kleine Lummersbach bei Cyriaxweimar“ aussehen. Die Maßnahme von Regierungspräsidium Gießen und Forstamt Kirchhain startet demnächst.
So wie diese buntblumige Flachlandmähwiese könnte es künftig auch im Naturschutz- und FFH-Gebiet „Kleine Lummersbach bei Cyriaxweimar“ aussehen. Die Maßnahme von Regierungspräsidium Gießen und Forstamt Kirchhain startet demnächst. Quelle: RP Gießen / Detlef Mahn
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Cyriaxweimar

Die positiven Auswirkungen von artenreichen Wiesen auf die biologische Vielfalt sind bekannt. Doch wer weiß schon, wie schwierig es ist, einmal verlorenes, artenreiches Grünland wiederherzustellen? Im Naturschutz- und FFH-Gebiet „Kleine Lummersbach“ beim Marburger Stadtteil Cyriaxweimar soll über eine besondere Maßnahme eine buntblühende „Magere Flachlandmähwiese“ entstehen. Dadurch soll das Schutzgebiet entwickelt und aufgewertet werden. Dies ist ein sensibles Vorhaben, weshalb es durch versiertes Personal sorgfältig vorbereitet und fachlich kompetent ausgeführt werden muss. Dafür verantwortlich ist das Regierungspräsidium Gießen in Zusammenarbeit mit dem Forstamt Kirchhain.

Im Zuge einer Pflanzenuntersuchung im Naturschutz- und FFH-Gebiet „Kleine Lummersbach bei Cyriaxweimar“ ist im vergangenen Jahr festgestellt worden, dass es sich im Wesentlichen sehr positiv für die Natur entwickelt hat. Allerdings gab es auch Flächen, die durch die natürliche Entwicklung deutlich feuchter geworden sind. Dadurch hat sich auch die ursprüngliche Zusammensetzung der Arten verändert. Jedoch besteht die gesetzliche Verpflichtung, bestehende Biotope in ihrer ursprünglichen Ausdehnung zu erhalten.

Nun wird versucht, auf einer artenarmen Grünlandfläche mit einer Größe von einem Hektar, also umgerechnet 10 000 Quadratmeter, eine artenreiche Wiese zu entwickeln. Dieser sogenannte schützenswerte Lebensraumtyp der „Mageren Flachlandmähwiese“ kommt in der näheren Umgebung der späteren Empfängerfläche rund um Cyriaxweimar noch vor. Daher wurde entschieden, die Methode des sogenannten Mahdgutübertrags zu verwenden. Hierbei wird eine geeignete Fläche gesucht, die zum richtigen Zeitpunkt der Samenreife „geerntet“ – sprich gemäht, und das dadurch entstandene Mahdgut direkt auf die dann vorbereitete artenarme Fläche im Naturschutzgebiet aufgetragen wird.

„Was so leicht klingt, erfordert eine gute Koordination und Absprache aller Beteiligten“, sagt Bianka Lauer, Naturschutzexpertin vom Regierungspräsidium Gießen. In Zusammenarbeit mit dem Forstamt Kirchhain, das mit der Maßnahmenplanung beauftragt ist, wird die Maßnahme in den kommenden Wochen umgesetzt. „Nicht zuletzt entscheidet auch das Wetter darüber, ob wir Erfolg haben werden, denn ohne Regen können die Samen nicht gedeihen.“

Florian Zilm vom Forstamt Kirchhain koordiniert die Maßnahme. „Gebietsfremde Saatgutmischungen verbieten sich ebenso wie das Pflügen zur Bodenvorbereitung“, berichtet der Forstmann. „Doch damit die Samen keimen können, muss die Grasnarbe geöffnet werden und ausreichend Rohboden vorhanden sein“, sagt Zilm. Daher wird die Empfängerfläche gemäht und durch eine Egge in geringer Tiefe bearbeitet. Dabei sind die mitarbeitenden Landwirte ebenso wie der vor Ort tätige Schäfer eingebunden.

Bianka Lauer erklärt, weshalb der zügige und reibungslose Ablauf so wichtig für den Erfolg der Maßnahme ist: „Vergeht zu viel Zeit von der Mahd bis zum Verteilen des Schnittguts, welkt es an und die Samen fallen bereits auf dem Transport aus, oder das Mahdgut erhitzt sich und die Samen werden keimungsunfähig.“ Mit etwas Glück könnten neben den Samen auch noch verschiedene Kleintiere wie Spinnen und Heuschrecken mit Huckepack genommen werden. Diese sind wichtig für ein funktionierendes Ökosystem. In den nächsten Jahren soll dann eine Erfolgskontrolle etabliert werden, um den Erfolg der Maßnahme zu messen und bei Bedarf nachzusteuern. Die Maßnahme von Regierungspräsidium Gießen und Forstamt Kirchhain startet demnächst.